Gerhild Komander

SB 0 qu100Das Berliner Schloß

Fünfhundert Jahre Berliner Geschichte an einem Ort

 

 

Das Berliner Schloß war von 1451 bis 1918 die landesherrliche Residenz der regierenden Markgrafen und Kurfürsten der Mark Brandenburg, der Könige in und von Preußen sowie der Deutschen Kaiser aus dem Haus der Hohenzollern.

Ein „Stadtschloß“, wie oft zu lesen ist, hat es in Berlin nie gegeben. Es handelt sich bei dieser Bezeichnung um einen Ende der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts willkürlich von Potsdam nach Berlin übertragenen Begriff. So lange Berlin Residenzstadt war, gab es kein weiteres Schloß außer Schloß Monbijou. Monbijou wiederum lag in der Spandauer Vorstadt, also bis 1737 außerhalb der Stadtgrenze. Deshalb kann das Berliner Schloß mit keinem anderen Bau verwechselt werden. Berlin-Gäste wissen das mittlerweile besser als manche EinwohnerInnen.

Als mit der Bildung der Stadtgemeinde Berlin 1920 Berlin zu seinem heutigen Umfang anwuchs, kamen zwar weitere Schlösser in das Stadtgebiet, sie alle aber besitzen Eigennamen, die eine Verwechslung ausschließen.
Das Berliner Schloß existiert nicht mehr. Es befand sich an der Stelle des Palastes der Republik gegenüber vom Berliner Dom und nahm auch den großen Teil des jetzigen Schloßplatzes ein.


sb 5Die Hohenzollern bauen ein Schloß
1443 Baubeginn der Residenz in Cölln unter Kurfürst Friedrich II.
1451 Einzug des Kurfürsten in das Schloß

Die Rekonstruktion von Albert Geyer aus dem Jahre 1936 zeigt die vermutete Schloßanlage des Kurfürsten Friedrich II. Unten im Bild fließt die Spree.

Darüber liegen die Schloßbauten am Flußufer entlang, links davon der Schloßplatz - heute der Straßenraum zwischen Palast der Republik und Marstall dies- und jenseits der Rathausstraße.

Links oberhalb der Bildmitte befindet sich das Dominikanerkloster - etwa auf dem Gelände des Staatsratsgebäudes, das heute die Hochschule beherbergt. Der Cöllner Stadtgraben umfließt Kloster- und Schloßbezirk.

 

Sächsische Renaissance als Vorbild

ab 1538 Umbau des Schlosses nach sächsischem Vorbild (Torgau) unter Kurfürst Joachim II. durch Caspar Theyss nach Plänen von Konrad Krebs

Unter den Nachfolgern Joachims II. werden zahlreiche Veränderungen und Erweiterungen vorgenommen, die wesentlichen unter Kurfürst Friedrich Wilhelm und seiner Gemahlin Louise Henriette, bekannt als der Große Kurfürst.
Er kehrt 1646 mit seiner Gemahlin Louise Henriette von Nassau-Oranien in das durch die Folgen des Dreißigjährigen Krieges verwahrloste Schloß zurück. Das Kurfürstenpaar lässt durch Johann Sigismund Elsholtz und andere den Lustgarten herrichten. Johann Gregor Memhardt errichtet das Lusthaus, Johann Arnold Nering die Orangerie und im Schloss die Kapelle der Kurfürstin. Am Ende des 17. Jahrhunderts besteht das Schloß aus zwei aufeinander folgenden Höfen, etwa in der Ausdehnung des barocken Baus. Den einen Hof umschließen jedoch Wirtschaftsgebäude.


sb 81665-70 Michel Matthias Smids erbaut den Marstall in der Breiten Straße. Er ist nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs nur in reduzierter Form wieder errichtet worden.

1681-85 Im Querflügel des Berliner Schlosses läßt Kurfürst Friedrich Wilhelm den Alabastersaal einrichten.

1687 Baubeginn des Galerieflügels, auf dessen Grundmauern ab 1747 der neue Berliner Dom entsteht


sb 6Ein Schloß für den König in Preußen
1698-1706 Neugestaltung des Schlosses unter Kurfürst Friedrich III. / König Friedrich I. durch Andreas Schlüter
1706-1713 Forsetzung der Bauarbeiten durch Nilsson Eosander von Göthe

In dieser Zeit entsteht eine der großartigen barocken Schloßanlagen in Europa. Architektur, Skulptur und Ausstattung der Paraderäume liegen in den Händen des Bildhauers Andreas Schlüter. Eosander folgt in der äußeren Architektur dem Plan Schlüters, der das eigentliche Schloßgebäude in der Größe verdoppelt.


1745 Friedrich II. läßt sich und mehreren Familienmitgliedern Wohnungen im Schloß ausstatten.
1787-90 Carl von Gontard richtet König Friedrich Wilhelm II. die Königskammern ein.

1825 Karl Friedrich Schinkel entwirft Wohnräume für Kronprinz Friedrich Wilhelm (IV.) und Kronprinzessin Elisabeth.
1845-53 Friedrich August Stüler und Albert Dietrich Schadow führen nach dem Entwurf Schinkels die Schloßkuppel aus.

Das Bild zeigt das kaiserliche Schloß mit dem Denkmal für Kaiser Wilhelm I. von Reinhold Begas auf der Schloßfreiheit. Links hinten ist der Renaissancebau der Schloßapotheke zu erkennen, der für die Anlage der Kaiser-Wilhelm-Straße (heute Karl-Liebknecht-Straße) etwa zur Häfte abgerissen wurde.
Er wird bei den Planungen für die Rekonstruktion des Schlosses nicht berücksichtigt.

 

sb 11Die Republik zieht in das Schloß
9. November 1918 Karl Liebknecht ruft vom Balkon des Portals V* die freie sozialistische Republik Deutschland aus.

ab 1921 Einrichtung des Kunstgewerbemuseums in den Paraderäumen des Schlosses
1927 Gründung der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten mit Sitz im Berliner Schloß

3. Februar 1945 Das Schloß brennt nach einem Luftangriff in großen Teilen aus.

1945 bis 1950 Nutzung der intakten Schloßräume für Verwaltung und Ausstellungen
Überreste der Bauplastik werden geborgen. Sie befinden sich in der Skulpturensammlung der Staatlichen Museen Berlin und im Märkischen Museum.

1950/51 Sprengung des Schlosses

1963 Das Schloßportal IV wird in das Staatsratsgebäude eingesetzt, weil man glaubt, von diesem Portal habe Liebknecht die Republik ausgerufen. Die königlichen Insignien und der preußische Adler werden entfernt.

 

sb 3Das Bild zeigt eine Installation mit Lichtern in den Schloßkellern, die in den neunziger Jahren ergraben wurden - September 2000.


1973-76 Auf einem Teil des Schloßgeländes entsteht der Palast der Republik.

2006 Der Abriß des Palastes der Republik zugunsten einer Teilrekonstruktion des Schlosses beginnt. Er wird als „Rückbau“ bezeichnet.

 

sb 9Literatur:

Guido Hinterkeuser: Das Berliner Schloß: der Umbau durch Andreas Schlüter, Berlin 2003

Ulf Bankmann: Das Bild einer aztekischen Gottheit im Berliner Schloß, in: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, 99, 2003, H. 3, S. 546-552

Albert Geyer: Geschichte des Schlosses zu Berlin, Bd. 1: Die kurfürstliche Zeit bis zum Jahre 1698, Berlin 1936. Bd. 2: Vom Königsschloß zum Schloß des Kaisers (1698-1918), bearbeitet von Sepp-Gustav Gröschel, 3. Auflage Berlin 2001

Regina Hanemann: Das Berliner Schloß. Ein Führer zu einem verlorenen Bau, Berlin 1992

Goerd Peschken und Hans-Werner Klünner: Das Berliner Schloß, Frankfurt a. M. / Berlin 1982, 2. Auflage 1991

Tilo Eggeling: Königsschlösser Museumsschlösser. Entstehung, Geschichte und Konzeption der Preußischen Schlösserverwaltung, Berlin 1991

Lieselotte Wiesinger: Das Berliner Schloss. Von der kurfürstlichen Residenz zum Königsschloß, Darmstadt 1989

Nicolas Raoul: Ist das Schloß Kurfürst Friedrichs II. 1540 ganz abgebrochen worden?, in: Zeitschrift des Vereins für die Geschichte Berlins 54, 1937, H. 3, S. 58-63

 

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Berlin im Blick

Berliner Geschichte

1319 Die Doppelstadt Berlin-Cölln erwirbt Rosenfelde (Friedrichsfelde).
Cölln wird in allen geistlichen und kirchlichen Angelegenheiten der Propstei von Berlin unterstellt.
Erste urkundliche Erwähnung der Stadtmauer und von Heinersdorf
Der letzte Askanier, Markgraf Woldemar, stirbt ohne männlichen Erben. Markgräfin Agnes, seine Witwe, kommt mit dem Vormund Herzog Rudolf von Sachsen zur Huldigung nach Berlin-Cölln.

1369 Berlin erwirbt das landesherrliche Münzregal.

1619 12. November Kurfürst Johann Sigismund legt die Regierung nieder.
Georg Wilhelm wird Kurfürst.

1669 Paul Gerhardt verläßt Berlin.
Der Packhof auf dem Friedrichswerder wird erbaut.
Willem Frederik van Royen wird kurfürstlicher Hofmaler

1719 Die Volkszählung stellt 64 000 EinwohnerInnen in Berlin fest.
Johann Sigisbert Ebert erbaut eine Wasserleitung für das Schloß.
Martin Heinrich Böhme erbaut das Schloß Friedrichsfelde.

1769 Friedrich Nicolai gibt seine „Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam" heraus.
Die Pockenimpfung wird eingeführt.
Johann Christian Kleemeyer eröffnet eine Uhrmacherwerkstatt und baut Flötenuhren.

1919 5. Januar Januaraufstand

15. Januar Ermordung der Mitbegründer der KPD Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht durch Angehörige der Garde-Schützen-Kavallerie-Division

19. Januar Wahl zur Deutschen Nationalversammlung
Frauenwahlrecht: Erstmals dürfen sich die Frauen im Deutschen Reich an einer Wahl beteiligen.

28. Juni Unterzeichnung des Friedensvertrags durch Reichsaußenminister Hermann Müller (SPD) und Verkehrsminister Johannes Bell (Zentrum) für das Deutsche Reich im Spiegelsaal des Versailler Schlosses

 

 

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