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Künstler für den patriotischen Zweck

Die Ausstellung zeigte Porträts der Könige und Darstellungen wichtiger historischer Ereignisse, zu der ein Katalog herausgebracht wurde, der einem „patriotischen Zweck" dienen sollte, indem er die ausgestellten Werke, Gemälde und Skulpturen von Schlüter, Pesne, Menzel, Rauch, Krüger, Richter, Angeli, von Werner, Skarbina und Begas, dauerhaft in Erinnerung rief. Rede und Katalog verwiesen darauf, „daß nicht eigener Verdienst Friedrichs I. den Anspruch auf das Königthum gegeben, sondern daß er nur die reife Frucht der glorreichen Herrschaft seines großen Vaters gepflückt habe."

- Warum nur hatte nicht schon Kurfürst Friedrich Wilhelm die Krone in Preußen erstrebt und erlangt? Das Bedauern über diesen Mißklang in der brandenburgisch-preußischen Geschichte war groß, und man versuchte, sich mit den wenigstens nicht geringen kulturellen Leistungen des ersten preußischen Königs zu trösten.
Habe die Regierungsgeschichte Friedrichs I. auch „nicht gerade immer zu erhebenden Betrachtungen Veranlassung" gegeben, „so sei das Studium des geistigen und künstlerischen Lebens an seinem Hofe um so interessanter". [70]

Friedrich I., der Ungeliebte, der Vielgeschmähte, gab Anlaß zu den prächtigsten und umfassendsten Festlichkeiten zum preußischen Kronjubiläum seit 1701. Gefeiert wurden andere. In der Akademie war es Schlüter, der posthum stürmischen Beifall erntete. Der Festvortrag Seidels wurde gedruckt und war, wie die „Vossische Zeitung" am 18. Januar meldete, für fünfzig Pfennige „im Handel erschienen und weiteren Kreisen zugänglich gemacht" worden. Rede und Katalog wurden durch den Versand an Museen, Hochschulen und Akademien, Behörden und Bibliotheken über Berlin hinaus verbreitet. [71]

Die Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin und die Technische Hochschule in Charlottenburg veranstalteten ihre Festakte am 18. Januar. Die Technische Hochschule feierte in der Halle ihres Hauptgebäudes. Ein Festgesang des Berliner Lehrergesangsvereins unter der Leitung von Professor Felix Schmidt war dem Vortrag von Fritz Wolff, Rektor der Hochschule und Geheimer Baurat, vorausgegangen. Wolff sprach über: „Berlin als Stadt der Hohenzollern." Auch diese Rede erschien im Druck, auch hier übte sich der Vortragende in pathetischem Patriotismus und in monarchischer Loyalität. [72]

 

Nur Lob für Kunstliebe und Kunstförderung

Eine Besonderheit aber liegt in seinen Worten: Wolff richtete nicht über den König, Friedrich I.! „Die Bauwerke, die Friedrich I. zur Verschönerung seiner Residenz errichtete, bilden noch heute den vornehmsten Schmuck Berlins und besitzen einen Maßstab, der sogar für die Kaiserliche Reichshauptstadt nicht zu klein ist." Nur Lob für Kunstliebe und Kunstförderung ist aus den vierzehn Seiten zu lesen. Wie der Staat, dessen Erhebung zum Königreich man feierlich gedachte, sei die spätere Hauptstadt Berlin aus unbedeutenden Anfängen durch die Hohenzollern zu einer blühenden Kunststadt erwachsen, zu deren Wohl jeder Hohenzollernfürst sein Teil beigetragen habe.

„Wenn heute das ganze deutsche Volk sich huldigend um den Kaiserlichen Thron schaart, wenn die ganze Nation dankerfüllt zu dem erhabenen Leiter der Geschicke des deutschen Reiches, dem Hüter des Friedens, dem Förderer der Künste und Wissenschaften emporschaut, da gehört Berlin in die erste Reihe, um seinem Kaiser das Gelübde der Treue zu erneuern, das es einst vor nahezu fünf Jahrhunderten als bescheidene Landstadt dem ersten Kurfürsten aus dem Hause Hohenzollern geleistet und vor zwei Jahrhunderten als aufblühende Residenz dem ersten Könige Preußens wiederholt hat."
Der monarchische Blick trübte das Bild der Vergangenheit, übersah mit welch bitterem Trotz Berlin und Cölln nach der Ankunft der Hohenzollern in Brandenburg dem Druck der neuen Herren sich - zuletzt vergeblich - entgegen gestellt hatten.

Zu einem Festakt in der Aula der Friedrich-Wilhelm-Universität „in Verbindung mit der Feier des Geburtstags Seiner Majestät des Kaisers und Königs" lud Rektor Harnack ein. Professor Kaftan betonte in seiner Festrede, daß man „kein Ehrenfest nur des Herrscherhauses, sondern ein Fest des deutschen Volkes" begehe.

 

Der kräftige Hort des Protestantismus

In seiner historischen Einleitung, in der die Krönung Friedrichs III. in Königsberg als „ein Markstein in der deutschen Geschichte" und die Vereinigung des preußischen Ordenslandes mit den anderen brandenburgischen Territorien als „der kräftige Hort des Protestantismus" bewertet wurde, die Haltung der Hohenzollern-Fürsten dargestellt wird, die „ihr Herrscheramt alle Zeit nichts als ein Recht, sondern als eine Pflicht ansahen", spannt Kaftan den Boden zu jenen Männern Preußens, die „zur rechten Zeit" den Hohenzollern zur Hand waren, und widmet sich beispielhaft dem Philosophen der Aufklärung, Immanuel Kant.

Es sei kein Zufall gewesen, daß die Kantsche Lehre vom kategorischen Imperativ im protestantischen Norden entstanden sei. Die „Erfüllung der sittlichen Pflicht", bedingungslos dem Gebote des Gewissens zu folgen", sei „schlechthin das Fundament für alles sittliche Handeln" und durch „keine Blüthe der Kultur, keine ästhetische Genußfreude" zu ersetzen. Das Kaisertum der Hohenzollern habe dem Volk neue Wege gewiesen, die es auf der Grundlage des von Kant formulierten kategorischen Imperativs auch zu gehen vermöge. [73]

Wie sehr bei diesem Kronjubiläum der regierende Kaiser verehrt wurde, machen auch die feierlichen Dekorationen an den Festorten deutlich, wie das Beispiel der Königlichen Landwirtschaftlichen Hochschule zeigt, die eine Büste Wilhelms II. unter einem Baldachin aufgestellt hatte. Ein Telegramm erreichte den Kaiser von der Königsberger Universität Albertina, die ihm, „großer Erinnerungen voll, das Gelübde unwandelbarer Liebe und Treue huldigend an den Stufen des Thrones" niederlegte. [74]

 

Bei aller Liebe – keine Amnestie

Doch bei allem Glanz fielen doch zwei Wermutstropfen in das Glas des Krönungsfestes. Mit großem Bedauern registrierte die Öffentlichkeit, daß dem Amnestie-Begehren keine Beachtung geschenkt worden war, das auf Anfrage der Presse vom Justizministerium „für geeignet" erachtet worden war, einen „politisch guten Eindruck" zu machen.

„Eine Amnestiegewährung besonders in Bezug auf Majestätsbeleidigung und andere politische Vergehen, wie Widerstand gegen die Staatsgewalt und Verletzungen der öffentlichen Ordnung" hatte man erwartet und dem Kaiser zur Kenntnis gebracht. [75] Es fand sich „bei AllerhöchstDemselben [sic!] aber keine Geneigtheit zur weiteren Verfolgung" derselben, stellte das Preußische Staatsministerium am 23. Januar fest.

Der „Vorwärts" hatte am 19. des Monats, offensichtlich in Unkenntnis der ministeriellen Empfehlung, kommentiert:

„Gleichgültig wie man dem Fest entgegensah, hat man es überwunden. Nur in einem wich die Gleichgültigkeit dem Erstaunen und selbst der Erbitterung. Man hatte eine Amnestie erwartet. Man hatte gemeint, die Ratgeber der Krone würden eine weitherzige Uebung des Gnadenrechts empfehlen, so daß in manche trauernde Familie freudiges Glück getragen worden wäre. Der erwartete Gnadenakt ist völlig ausgeblieben. Zahlreiche, die diesem Tag hoffend entgegensahen, bleiben enttäuscht und tragen doppelte Last in der Sühnung ihrer etwaigen Verschuldung."

 

Der Initiator der tagelangen Feierlichkeiten im Januar 1901, der lebende Adressat aller erbrachten Huldigungen, Kaiser Wilhelm II., wurde unsanft aus dem glänzenden Traum des Krönungs- und Ordensfestes herausgerissen. Er hatte Nachricht erhalten, daß der Gesundheitszustand seiner britischen Großmutter sich bedrohlich verschlechterte, und reiste in Begleitung des Herzogs von Connaught nach England, um am Sterbebett Königin Victorias zu weilen:

„Die Nachrichten über das Befinden der englischen Königin müssen so bedenklich gewesen sein, daß in der Halle des Potsdamer Bahnhofs zu Berlin bereits der Hofzug für den Kaiser bereit stand." [76]

Die Queen verstarb am 22. Januar 1901, wie Wilhelm II. in seinen Mémoiren behauptete, in den Armen ihres kaiserlichen Enkels. [77]

Zur Trauerfeier Victorias befahl Wilhelm II. mehrere Schiffe der kaiserlichen Marine unter Oberbefehl des Prinzen Heinrich von ihrem Kieler Stützpunkt nach Spidhead, wo am 2. Februar anläßlich der Beisetzung der Queen eine Flottenparade stattfand. Wilhelm II. kehrte hochdekoriert, als „Feldmarschall der britischen Armee" nach Berlin zurück, dessen Bürger längst ihren gewohnten Lebensrhythmus wiedergefunden hatten.

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