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Schloß Schwedt

Am 28. Juni 1670 löste Kurfürstin Dorothea die Herrschaft Schwedt-Vierraden für 26 500 Taler wieder ein. Der letzte Besitzer, der schlesische Graf Gustav Adolf von Varrensbach, hatte die Bevölkerung durch seine überhöhten Abgabenforderungen sehr bedrückt. Der Kurfürst konnte aus Geldmangel die Herrschaft nicht aus dem Pfand lösen. Dorothea brachte die erforderliche Summe aus ihren eigenen Mitteln auf, wofür der Kurfürst ihr und ihrem Sohn Philipp Wilhelm die Herrschaft zur erblichen Nutzung übertrug. Mit diesem Vertrag wurde die Nebenlinie Brandenburg-Schwedt begründet.

Zur Herrschaft gehörten zwölf Dörfer und neun Vorwerke. Dorothea erweiterte sie durch stetigen Kauf. 1680 erwarb sie Amt und Schloß Wildenbruch in Pommern mit weiteren fünfzehn Dörfern und acht Vorwerken. Noch im Jahr des Kaufes begann die Kurfürstin mit dem Neubau des Schlosses Schwedt. Als die Stadt 1684 abbrannte, ordnete sie den Wiederaufbau an, der den Stadtgrundriß in barocker Manier veränderte. Ein gerades Straßennetz bestimmte fortan den Charakter der Stadt.
Die geringe Ausdehnung der mittelalterlichen Stadt zeigt die Zeichnung von Dahlbergh. Die zum Schloß umgebaute Burg beherrschte mit ihrem Geviert den Grundriß Schwedts.

 

Der Baumeister Cornelis Ryckwaert unterzeichnete am 8. Oktober 1670 den Vertrag zum Bau des neuen Schwedter Schlosses.
Für 4000 Taler verpflichtete er sich, das Schloß nach dem vorgelegten Riß zu erbauen, alle Arbeiter selbst zu entlohnen und die schlichte Gipsarbeit der Wände zu übernehmen.
Noch brauchbares Baumaterial am alten Schloß, das nun abgebrochen werden sollte, mußte laut Vertrag verwendet werden, doch ohne Gefahr für das Ganze, so daß der Neubau „Beständig, fest, so woll im Fundament, alls im Liechten, im Mauer- und Holltzwerck untadelhafft" übergeben werden könnte. (Boer 26)
Alle Materialien wollte die Kurfürstin liefern. Die guten Gipsarbeiten, sprich: Stuckarbeiten, wollte sie auf eigene Kosten herstellen lassen.

Der Stich zeigt das Schloß Dorotheas mit der Erweiterung durch ihren ältesten Sohn Philipp Wilhelm und nachfolgenden Veränderungen im Jahr 1741. Eine ältere Ansicht gibt es nicht.
Hier wird aber deutlich, was aus dem Renaissanceschloß wurde.
Aus der Zeit Dorotheas stammt der Hauptflügel, den Ryckwaert auf dem des alten Baus errichtete. Das Schloß hatte eine Grundfläche von 60 x 15 Metern, war also sehr schmal. Vom Renaissanceschloß übernahm er die Eckrisalite, die um fünf Meter vorgezogen wurden, und die Türme.

 

Das Schloß erhielt an Hof- und Gartenseite einen Mittelrisalit, jeweils bekrönt von einem Giebel. Über einem hohen Sockelgeschoß folgten zwei Vollgeschosse und ein abschließendes niedrigeres Geschoß. Die Dreigeschossigkeit unterschied das Schloß der Kurfürstin von den ländlichen Herrenhäusern der Umgebung. Äußerlich muß der Bau einen imposanten und auffallenden Eindruck gemacht haben.

Die Turmdächer wurden grün gestrichen, Risalite und Hauptgesimse zwischen den Geschossen erschienen bleiweiß und steinfarben, die profilierten Fenstergewände erhielten einen kastanienbraunen Anstrich, die Türen einen gelben. (Boer 48)

Die Innenausstattung wurde erst 1684 begonnen. da sich der Bau durch viele Hindernisse ungewöhnlich lange hinzog. Es hat sich nichts davon erhalten, aber die Gestaltung ist durch viele Inventare belegt. Nur Eckstube, Schlafkammer der Kurfürstin und die Tafelstube besaßen Kamine. Die übrigen Räume erhielten Öfen mit schwarzen Kacheln auf hölzernen Füßen. Die Fußböden waren gedielt, eine Schlafkammer erhielt ein Ziegelpflaster.

In den Fenstern saßen bunte und klare Butzenscheiben. Die Wände waren nicht verkleidet, nur verputzt, die Decken stuckiert.
Auffällig ist die große Zahl an verschiedenen Tischen. Lange Tische mit Bänken und Schemeln fand man in fast jedem Raum. Dazu kleine runde und viereckige Tischchen, zum Teil mit Auszügen, auch Bett-Tische, in denen man eine Bettstelle verstauen konnte, Tische mit gedrechselten Füßen, ein ovaler Tisch. Stühle, die mit rotem Leder bezogen waren, Schemel mit und ohne Lehnen und Schränke, die man "Schap" nannte, wurden aufgestellt. (Boer 76 ff)

 

Dorothea erlebte zu ihrem großen Kummer die Fertigstellung ihres Schlosses nicht mehr.
Ihr Erbe, Markgraf Philipp Wilhelm (1689-1711), führte den Bau und die Ausstattung fort. Unter seiner Regie entstand der alte Flügel, unter seinem Sohn und Nachfolger Friedrich Wilhelm wurde der neue Flügel hinzugesetzt, womit dann 1724 die Anlage zu einer repräsentativen Dreiflügelanlage gediehen war. Erst unter Philipp Wilhelm erfuhr das Schloß dann eine kostbare Ausstattung mit zahllosen Teppichserien, Gemälden und wertvollen Gefäßen.

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