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Die zweite Eheschließung mit Friedrich Wilhelm (dem Großen Kurfürsten)

Am 18./28. Juni 1667 war die erste Frau Friedrich Wilhelms, Louise Henriette von Nassau-Oranien verstorben. Der Kurfürst scheint sich sehr bald mit dem Gedanken an eine neuerliche Heirat befaßt zu haben. Nicht zuerst von politischen Erwägungen geleitet, empfand er vielmehr sehr stark die persönliche Einsamkeit nach dem Tod Louise Henriettes. Er war ein geselliger Mensch und wollte seine Tage und Nächte nicht ohne eine Frau verbringen. (Beuys 318)

So schrieb er dem Fürsten Johann Moritz von Nassau-Siegen auf dessen Glückwunsch zur Hochzeit mit Dorothea:
„Ich glaube, daß es Ew. L.den im anfange in etwas wirdt verwundert haben; ich bin so gantz alleine das ich umb gesellschaft zu haben es habe thun müssen."

An seine Lieblingsschwester die Herzogin Luise Charlotte von Kurland schrieb Friedrich Wilhelm:
„Ich muß eine haben, die meiner warte, wenn ich krank bin" und erwähnte auch seine unmündigen Kinder. Die Umgebung des Kurfürsten war nicht begeistert, insbesondere die oranische Verwandtschaft, allen vorweg die Schwiegermutter Amalie von Solms. Im Frühjahr 1668 mischten sich die Oranier ein, denn sie fürchteten vor allem um ihren politischen Einfluß. Amalie beklagte sich, nicht einmal bei der Testamentseröffnung ihrer Tochter anwesend gewesen zu sein. Johann Georg von Anhalt-Dessau, mit der Louise Henriettes Schwester Henriette Katharina verheiratet, deutete an, eine neue Heirat des Kurfürsten würde die Erbansprüche der Kinder aus erster Ehe gefährden.

 

Darüber beschwerte sich Friedrich Wilhelm bei seinem Vertrauten Otto von Schwerin über die Leute, „so sich nur umb das Ihrige bekümmern sollten, nur Ihren Nutzen suchten undt ohne das wenig oder gar nicht auf den meinen sehen".
Nur mit Schwerin korrespondierte Friedrich Wilhelm über seine Heiratspläne. Schwerin handelte den Heiratskontrakt mit der Braut aus, verschaffte ihr ein Bild des Kurfürsten, gab ein Gutachten über ihre religiöse Einstellung ab und benachrichtigte schließlich Amalie von der zweiten Heirat ihres Schwiegersohnes. (Beuys 318)

Die Vorsicht des Kurfürsten beruhte auf der uneingeschränkten Achtung, die seine Verwandtschaft Louise Henriette entgegengebracht hatte und auf dem ganz anderen Charakter der neuen Braut. Dorothea war an Körper und Geist viel robuster, gröber wohl. Nichts an ihr erinnerte an die sensible und kluge Louise Henriette. (Beuys 318)


Der Kammerherr Dieterich Sigismund von Buch allerdings schrieb 1678 in sein Tagebuch:
„Sie ist die sanfteste, gütigste, tugendhafteste Prinzess der Welt." (Pierson 10)

So hielt Friedrich Wilhelm taktvoll die Vermählung in kleinem Kreise ab und wählte das Schloß Gröningen zum Hochzeitsort.
Sie fand am 24.6./4.7.1668, also gerade ein Jahr nach dem Tod Louise Henriettes statt.

Die Ehe wurde wie die erste eine sehr glückliche, soweit es die beiden Ehepartner anging. Der Kurfürst war ein treuer und anhänglicher Ehemann, der in beiden Verbindungen der Ehegattin große Achtung entgegenbrachte und ihr einen eigenen Spielraum einräumte. Obwohl äußerlich und charakterlich sehr verschieden, verstanden es beide Frauen, diesen Spielraum zu nutzen und handelten als Landesherrin in diesem Rahmen wirtschaftlich und politisch zum Wohl des Landes, dem sie sich durch ihre Heirat verbunden hatten.
Die innige Verbundenheit des Kurfürsten mit seiner zweiten Gemahlin schloß - wie in der ersten Ehe - einen nicht geringen politischen Einfluß der Gattin ein, sehr zum Mißfallen der meisten kurfürstlichen Berater.

 

Allerdings hatte Dorothea von Anfang an mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Da war zunächst die konfessionelle Zugehörigkeit. Dorothea war als Lutheranerin getauft worden. Mit ihrer Eheschließung hatte sie sich bereit erklärt, zu reformierten Religion überzutreten, was ihr sowohl die eine als auch die andere Seite großenteils übel nahmen. Man mißtraute Menschen, die die Konfession wechselten, sehr.

Diese Ablehnung galt im Zeitalter der religiösen Kämpfe - und die waren ja 1668 keineswegs beigelegt, wie auch die Aufhebung des Ediktes von Nantes 1685 durch König Ludwig XIV. von Frankreich zeigt - der Religionszugehörigkeit bzw. in diesem Fall dem Mißtrauen erweckenden Konfessionswechsel. Dieser war notwendig, da das Haus Hohenzollern seit 1613 der reformierten Religion angehörte, während die Bevölkerung Brandenburg-Preußens mehrheitlich lutherisch blieb.

Es hätte theoretisch auch die Möglichkeit bestanden, eine "gemischte" Ehe einzugehen. War doch der Kurfürst sehr um eine Annäherung zwischen Lutheranern und Reformierten bemüht, wie die Errichtung der Friedrichswerderschen Kirche als sogenannte Simultankirche zeigt. Aber hier mit gutem Beispiel voranzugehen, wäre wohl doch auf allen Seiten als Zumutung empfunden worden.

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