Marien 150Die Marienkirche zu Berlin

Maria zu Ehren stifteten die Markgrafen von Brandenburg eine neue Kirche für die neue Stadt. Die Berliner Neustadt war gleichfalls das Werk der markgräflichen Herrschaft.

 

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Die Marienkirche an der Karl-Liebknecht-Straße erhielt ihre endgültige, heutige Gestalt im ausgehenden 14. und beginnenden 15. Jahrhundert. Den zierlichen Turmaufsatz entwarf 1789/90 Carl Gotthard Langhans. Ursprünglich war die Kirche Unserer Lieben Frau (Maria), Anna und Mauritius geweiht.

Der Grundriß zeigt eine langgestreckte dreischiffige Hallenkirche an, die ihren östlichen Abschluß in einem Chor aus Querrechteck und Polygon findet. Schlanke Bündelpfeiler teilen das Langhaus in drei Schiffe, mit Rippen- und Sterngewölben.

Der weiträumige Innenraum wird durch die reich gegliederten Pfeiler und schmale Lanzettfenster geprägt. Die Baugestalt der Marienkirche läßt sich mit nord- und mitteldeutschen Bettelordenskirchen vergleichen: etwa Stralsund, Prenzlau, Brandenburg und Halle.

 

Zu Ehren Unserer Lieben Frau

Marien 21294 wird die Marienkirche erstmals erwähnt. Wann der erste Bau begonnen wurde, kann nicht geklärt werden.

Es ist anzunehmen, daß die Markgrafen, als sie Berlin und Cölln um 1230 das Stadtrecht verliehen und die Neustadt mit dem Neuen Markt (um die Marienkirche) anlegen ließen, auch eine Kirche errichteten. Ob das Feldsteinmauerwerk an der Nordwand des heutigen Kirchengebäudes von diesem Bau stammen, ist nicht nachweisbar. Die große Marienverehrung veranlaßte die Widmung an Unsere Liebe Frau, Maria.

Vermutlich um 1279/80 wurde jedenfalls eine gotische Hallenkirche begonnen. Altarstiftungen lassen vermuten, daß die Marienkirche im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts fertiggestellt wurde. Die Stadtbrände von 1376 und 1380 fügten dem bestehenden Bau Schäden zu, die - urkundlich belegt - in den folgenden Jahrzehnten beseitigt wurden.

Bei der Wiederherstellung hat man die Gelegenheit wahrgenommen, die Kirche den Formen der Hochgotik entsprechend zu modernisieren. Dazu gehören wohl auch der Ostgiebel des Langhauses mit den Lanzettblenden und die Sterngewölbe im Inneren.

 

Daß der Westbau später entstanden ist, verrät das grob behauene Granitquaderwerk. Er wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts begonnen. Darauf verweist die erste urkundliche Erwähnung eines Turmbaus an St. Marien im Jahr 1418.

Der Turm brannte mehrfach aus. Für den spätmittelalterlichen Bau, der um 1465/70 errichtet werden musste, zeichnete der Baumeister Steffen Boxthude verantwortlich.

Den 1661 durch Blitzschlag zerstörten Turmhelm erneuerte Michel Matthias Smids in Form eines durch Pilaster gegliederten hölzernen Aufbaus mit einer achtseitigen Laterne. Diesen Aufbau schließlich ersetzte Langhans in sogenannten gotischen Formen.

Der Typus des Turmaufbaues weist zurück auf Bauformen, die Andreas Schlüter erdachte, und auf niederländische Kirchtürme: Mehrere Geschosse verjüngen den Turmaufbau durch Rücksprünge. Ein barockes Beispiel dafür ist der von Johann Friedrich Grael Turm der Sophienkirche in der Großen Hamburger Straße.

 

Die Marienkirche muß wieder gotisch werden!

In den Jahren 1817/18, 1893-95 und 1969/70 wurde die Marienkirche restauriert. Die Regotisierung unter Hermann Blankenstein in den neunziger Jahren veränderte die Kirche innen und außen. Unter anderem erhielt sie neogotische Fialen.

Im Zuge der letzten Restaurierung erhielt das spätgotische Westportal die getriebenen Bronzetüren von Achim Kühn.

Seit 1726 befindet sich an der Westseite der Marienkirche das Sühnekreuz, ursprünglich größer und hölzern, erinnert es an die Ermordung des Propstes Nikolaus von Bernau durch Berliner Bürger 1324. Bis 1726 befand sich ein Sühnekreuz vor der Marienkirche auf dem Neuen Markt.

 

Bis 1925 zeigte sich die Marienkirche inmitten einer dichten Umbauung, wie sie im Mittelalter typisch für die Stadtkirchen gewesen war. Diese Häuser mussten dem Ausbau der Papenstraße zur Kaiser-Wilhelm-Straße (Karl-Liebknecht-Straße) weichen.

Die frühere Situation zeigt ein Gemälde von Johann Heinrich Hintze von 1832. 1893 war das Lutherdenkmal von Otto und Toberentz mit der dreieinhalb Meter hohen Standfigur des Reformators Martin Luther errichtet worden. Die Begleitfiguren am Sockel, Melanchthon, Bugenhagen, Spalatin und Cruziger, Reuchlin und Justus Jonas, Franz von Sickingen und Ulrich von Hutten, sind nicht mehr vorhanden.

 

Eine Auswahl der reichen Innenausstattung:

marien craBronzefünte (Taufbecken), 1437, vermutlich von Hinrick von Magdeburg
Wandgemälde Totentanz, um 1490, in der nördlichen Turmhalle
Epitaph für Joachim Zerer, um 1543, von Hans Schenk gen. Scheußlich (Scheutzlich)
Epitaph für Jacob und Magdalena Flaccus, um 1562, von Hans Schenk gen. Scheußlich (Scheutzlich )
Grabmal Otto Christoph von Sparr, 1663, von Artus Quellinus
Alabasterkanzel, 1702/03, von Andreas Schlüter
Orgel von Joachim Wagner, 1720/21, Prospekt von Johann Georg Glume und Paul de Ritter, 1723 (34-40)
Altar von Andreas Krüger, 1757-62, mit Gemälde von Christian Bernhard Rode, 1761

Der Text des Totentanzes in der Marienkirche gehört zu den wenigen erhaltenen niederdeutschen Sprachdenkmälern Berlins.

 

Gerhild H. M. Komander

Der Text erschien zuerst im "Berliner Lindenblatt" 2006.

 

Marien 1 566

 

Literatur:

Georg Dehio. Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler Berlin, bearbeitet von Sibylle Badstübner-Gröger, Michael Bollé, Ralph Paschke und anderen, München 2000

Berlin und seine Bauten Teil VI, Sakralbauten, hg. vom Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin, Redaktion: Peter Güttler, Berlin 1997

Ernst Badstübner: Marienkirche Berlin. Amtlicher Führer, Regensburg 1995

Peter Walther: Der Berliner Totentanz zu St. Marien, Berlin 1997

Rainer Michaelis: Der Hochaltar der Berliner Marienkirche,
München o. J

Peter Walther: Der Totentanz in der Marienkirche zu Berlin, in: Bär 41, 1992, S. 9-21

Julius Kurth: Die Altertümer der St. Nikolai-, St. Marien- und Klosterkirche zu Berlin, Berlin 1911, S. 71-114

Louis Schneider: 1661. Der brennende Marienkirchturm mit Kettenkugeln eingeschossen, in: Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, Heft 14, 1876, S. 3-6

 

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