Das Dominikanerklosterkirche St. Paulus in Berlin
Berliner Geschichte vorgestern


1216 gründete Dominikus (geboren um 1170 in Caleruega in Kastilien, gestorben am 6. August 1221 in Bologna) den Dominikanerorden. 1207 hatte er die Leitung der Missionsstation Prouille bei Toulouse übernommen, die zur Bekehrung der Albigenser erbaut worden war. In Toulouse hatte Dominikus eine Genossenschaft von Priestern berufen, deren Aufgabe darin bestehen sollten, die Albingenser zurück zu gewinnen.

Aus dieser Gemeinschaft von Priestern, die ein Armutsgelübde abgelegt hatten, ging der Dominikanerorden, der erste mittelalterliche Bettelorden, hervor. Sein Gründer wurde 1234 heilig gesprochen.
Die Dominikaner übten auch städtische Seelsorge aus, ließen ihre Klöster von der städtischen Bevölkerung errichten und waren von der Bürgerschaft der Städte abhängig. Seit 1232 arbeiteten sie im Auftrag des Papstes für die Inquisition, was ihrem Ansehen beträchtlich schadete.

1297 siedelten sich Dominikaner in Cölln an. Das Kloster errichteten die Bürger an der Stelle des heutigen Schlossplatzes. Auf diese Lage weist noch immer die Brüderstraße hin. Das Kloster entwickelte sich zu einem geistigen Zentrum der mittelalterlichen Stadt.

Nach 1297 entstand eine klar gegliederte, einheitliche hochgotische Hallenkirche, die in der Größe (Länge: 62,3 m) den Bau der Franziskaner in der Klosterstraße übertraf. Städtebaulich bemerkenswert ist die Tatsache, daß die Dominikanerklosterkirche nicht geostet, sondern auf die Blickachse von der Langen Brücke (Rathausbrücke) gerichtet war. Die langgestreckte dreischiffige Halle mit sieben schmalen Jochen und einschiffigem Polygonalchor (5/8-Schluss) wurde aus Backstein auf einem Feldsteinsockel erbaut. Achteckige Pfeiler trugen die Kreuzrippengewölbe im Innern, außenn wurden diese durch Strebepfeiler gestützt. Damit entsprach die Kirche dem Typus der Ordenskirche.
Nach Norden schlossen dazugehörig Hospitäler mit Kapellen für Kranke, Alte und Arme an.

1536-39 widmete Kurfürst Joachim II. die Kirche zur Domstiftskirche St. Maria Magdalena, Erasmus und Heilige Kreuz um und ließ sie als Hofkirche und kurfürstliche Grablege ausbauen. Die Mönche mußten ausziehen und sich dem Dominkanerkonvent in Brandenburd a. d. Havel anschließen.

Eine Doppelturmfassade aus Fachwerk, Ziergiebel von querhausartiger Wirkung und ein Ostturm werteten den Bau seinen nunmehr repräsentativen Aufgaben entsprechend auf. Die strenge Bettelordenskirche wurde in einen städtebaulich wirkungsvollen Dombau gewandelt, wie es in Halle unter Kardinal Albrecht (von Brandenburg) geschehen war.

Mit der Reformation wurde die Kirche abermals umgewidmet, nun zur lutherischen Domkirche. Die vorhandene Ausstattung blieb weitgehend erhalten. Sie wurde erst 1614 entfernt, nachdem Kurfürst Johann Sigismund zum Calvinismus konvertiert war.
Die Turmbauten waren bereits Ende des 17. Jahrhunderts derart baufällig, dass sie abgerissen wurden: 1697 die Westtürme, 1716 der freistehende Turm. Der Baumeister Martin Böhme errichtete 1717-18 die Türme in barocker Gestalt, wie sie der Kupferstich von Johann David Schleuen noch um 1740 zeigt. 1747 ließ Friedrich II. den gesamten Kirchenbau abreißen und den neuen Dom am Standort des heutigen erbauen.

1867 siedelten sich erneut Dominikaner in Berlin an: in Moabit. 1869 errichteten sie ihr des Kloster, das bis heute besteht.

Literatur:
Berlin und seine Bauten Teil VI, Sakralbauten, hg. vom Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin, Berlin 1997.

- gk 11/06 -

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