Johann von Blankenfelde

| Nr. 21, Mai 2008 |

Bürgermeister Johann von Blankenfelde von Berlin als Förderer von Ingenieurwerken

 

Von F. Dopp

Die Chronik der Berliner Stadtschreiber berichtet beim Jahre 1579: „den 9. Octobris ist Johann Blankenfeldt der Elter, gewesener Bürgermeister zu Berlin, Churfl. Gnaden alter Kuchmeister (der in seinem Leben mit wunderseltsamen und vielfältigen Gebäuden an Teichen, Graben, Schleusen und Anderem viel Wesens getrieben), nachdem er sich etzliche Jahre zuvor vom Bürgermeister-Ampte losgebeten, im Herrn seliglichen entschlaffen und seinem Sohne nachgefolget".

Welcher Art die Beteiligung Johannes v. Blankenfelde an Ingenieurbauten seiner Zeit gewesen ist und auf welche Werke sie sich erstreckte, wird uns weder in dieser noch in anderen Chroniken mitgeteilt, wie denn überhaupt die Nachrichten über diesen ohne Zweifel bedeutenden und tätigen Mann nur recht spärlich sind. Es finden sich in den Akten verschiedener Behörden, die teilweise veröffentlicht sind, einige Hinweise, durch die wir Aufschluß über seine Teilnahme an technischen Unternehmungen erhalten.

Joachim II. war während seiner ganzen Regierung bestrebt, Handel und Verkehr durch Verbesserung der Wasserstraßen zu heben. Er plante ein großes Kanalnetz zwischen Oder, Spree und Havel, von dem er jedoch nur Bruchstücke verwirklichen konnte. Ein dringendes Befürfnis zur Erleichterung der Schiffahrt war die Beseitigung der alten unvollkommenen Stauwehre mit einfachen Schiffsdurchlässen, die schon bei wenigen kleinen Fahrzeugen große Wasserverluste verursachten und für größere gar nicht benutzbar waren, und ihr Ersatz durch die schon längst bekannten aber in der Mark bis zu jener Zeit noch nicht nachweisbaren Kammerschleusen. Im Jahre 1548 ließ Joachim durch einen Hamburger Baumeister die erste Kammerschleuse bei Rathenow erbauen, die 1559 fertig war.

Auch bei Brandenburg a. d. H. wurde 1548 durch den gleichen Baumeister der Bau einer derartigen Schleuse begonnen. Die Verhandlungen des Kurfürsten mit den beiden Städten wurden durch Johann von Blankenfelde geführt[1]. Auch in Spandau ist damals die alte Freiarche vermutlich durch eine solche neuzeitliche Schleuse ersetzt worden[2], wobei Blankenfelde wohl ebenfalls mitgewirkt haben dürfte.

Über den Umbau der alten Freiarche oder Flutrinne in Berlin selbst in eine Kammerschleuse sind Nachrichten nicht erhalten. Wir haben nur eine Nachricht, wonach die Schleuse auf dem Werder im Jahre 1578 für die Schiffahrt gesperrt war, weil an ihr gebaut wurde[3]. Kurfürst Johann Georg setzte die Bemühungen seines Vaters für die Verbesserung der Wasserstraßen fort. So ließ er das 1550 bei Woltersdorf zugunsten der Schiffahrt angelegte Stauwerk mit Schiffsdurchlaß 1571 unter gleichzeitiger Schiffbarmachung des Kalkgrabens verbessern. Diese Arbeiten wurden „auf Ansuchen des Bürgermeisters Blankenfelde von Berlin" ausgeführt[4].

Auch mit der Geschichte des Salzwerkes zu Beelitz ist der Name von Johannes von Blankenfelde verknüpft (Klöden, Beiträge III 38 ff.)*. Wie Joachim II. für Handel und Verkehr sorgte, so suchte er auch die Gewerbe nach Kräften zu fördern, tat z. B. viel für die Hebung der märkischen Wollenindustrie. Ein Gegenstand seiner ständigen Fürsorge war die Salzsiederei, und er hatte schon 1542 Schritte unternommen, die bei Trebbin und Saarmund betriebene Salzsiederei zu vervollkommnen.

Nach anscheinend nicht befriedigenden Versuchen eines pfälzischen Brunnenmeisters wurden 1548 auf Empfehlung der kaiserlichen Offizianten von Lobkowitz, Asmus von Blankenfeld und Franz Piebe zwei Brüder Niklas und Hermann Hirsch aus den Kaiserlichen Bergwerken zu Joachimstal in Böhmen für den Salzbrunnen bei Beelitz angestellt, die vier durch Wasserkraft zu betreibende Wasserkünste zur Förderung der Salzlose herstellen sollten. Sie vermochten jedoch ihre Aufgabe nicht zu erfüllen, und es kam zu einem langwierigen Rechtsstreit. Im November 1549 wurde eine Kurfürstliche Kommission zur Besichtigung der Werke nach Beelitz gesandt, deren Führer Johannes von Blankenfelde und der damalige Bürgermeister Georg Matthias von Berlin waren.

Im März 1551 trat dann auf der Hausvogtei zu Berlin ein kurfürstliches Gericht zusammen, zu dessen Mitgliedern Johannes von Blankenfelde gehörte, der hierbei heftig gegen die Fremden auftrat, während Georg Matthias vermittelte. In dem von der Kommission erstatteten Bericht wird ausgeführt, daß das seit länger als 1/2 Jahr unvollendete Kunstwerk, das in vier Wochen hätte fertig sein sollen, zwar von Eisen angefangen, aber so schwach sei, daß es die Wasserbewältigung nicht würde leisten können. Der Rechtstreit ging vor das Reichsgericht und wurde erst 1569 durch Vergleich beendet.

Inzwischen wurde das Werk anscheinend brauchbar gemacht, da der Kurfürst 1560 ein Edikt erließ, worin er die Salzeinfuhr aufhob und die Ausfuhr des Beelitzer Salzes gestattete. Blankenfelde hat das Salzwerk noch mehrere Male besucht und begleitete noch 1570 einen Weimarer Sachverständigen nach Beelitz, der dort Verbesserungen vorschlagen sollte. Treusings Märkische Fürsten-Chronik berichtet, ohne Zweifel mit Bezug auf diesen Besuch, daß der Kurfürst den Salzbrunnen nicht wieder aufrichten wollte, nachdem ihn Joachim II., der ihn vor fast 50 Jahren mit großen Unkosten errichtet, wieder hätte eingehen lassen, weil das Salz mehr gekostet hätte, als es wert sei.

Am 4. Mai 1579 klagt Johann Georg in einem Brief, daß es ihm an geschickten Leuten für das Beelitzer Salzwerk fehle (Klöden a.a.O.). Erst 1580 gelingt es dann dem Grafen Rochus v. Lynar, der selbst ein Ingenieur und Baumeister war, durch Fachleute aus der Schweiz und aus Sachsen die Anlage wirklich brauchbar zu machen, die dann bis zum 30jährigen Krieg gearbeitet zu haben scheint.

Die Geschichte dieses Werks zeigt uns, daß Blankenfelde mit derartigen Anlagen, nicht nur „viel Wesens getrieben", sondern daß er auch viel und Sorgen damit gehabt hat.
In seine Zeit fällt nun auch die Anlage eines Werkes, mit dem sein Name nach den auf uns gekommenen Nachrichten zwar nicht verknüpft ist, an dem er aber vermutlich ebenso beteiligt war, wie an den Schleusenbauten und dem Beelitzer Salzwerk. Berlin erhielt damals seine erste Wasserleitung. Fidicin* bringt in Band V ziemlich ausführliche Mitteilungen darüber nach einer Kämmereirechnung von 1572. Hölzerne Röhren, wie man sie im Hochgebirge und in unentwickelten Ländern noch heute findet, verteilten das Wasser unter die Mitglieder des „Gewerkes der Wasserkunst", auf deren Grundstücken Holzständer mit Auslaßhähnen standen, die alle von gleichem Durchmesser sein mußten.

Über Art und Lage der eigentlichen Wasserkunst ist nichts überliefert, auch nicht über ihren Erbauer, wenn man diesen nicht in dem am 16. Dezember 1572 angestellten Kunst- und Röhrenmeister zu erblicken hat. Die Berichte über die technischen Einrichtungen des Beelitzer Salzwerkes stimmen aber so gut mit jener Zeit überein, daß wir berechtigt sind, die letzteren auch heranzuziehen, um ein Urteil über die Art der Berliner Wasserkunst zu gewinnen. Wir finden derartige zum Teil ganz eingehende Beschreibungen mit oft vorzüglichen Zeichnungen namentlich in den Werken des Hieronimus Cardanus (1501 bis 1576), der um die Jahrhundertmitte Deutschland bereiste und die Augsburger Wasserkunst beschreibt, und in: „de re metallica" des Georgius Agricola (1490 bis 1555)[5].

Letzterer hat für uns noch ein besonderes Interesse. Er war 1490 in Glauchau geboren (sein deutscher Name war Georg Bauer), hatte in Deutschland und Italien Sprachen, Medizin, Chemie und Philosophie studiert und sich 1527 in Joachimstal in Böhmen als Arzt niedergelassen, wo er in den dortigen Bergwerken seine umfassenden technischen Kenntnisse erwarb, die er in seinem erst ein Jahr nach seinem Tode 1556 erschienenen Werke veröffentlichte. Seine nach den Joachimstaler Wasserkünsten gezeichneten Abbildungen entsprechend vollständig den von Klöden* a. a. O. gegebenen Nachrichten über das Beelitzer Salzwerk, dessen Erbauer ja auch aus Joachimstal stammten. Leider fehlt hier der Raum, um auf diese Einzelheiten näher einzugehen.

Von den Werken, denen Johann v. Blankenfelde seine Sorgen und Bemühungen widmete, ist nichts mehr vorhanden. Ingenieurwerke sind vergänglicher als diejenigen des bildenden Künstlers. Bei Beelitz erinnert nur noch der Name der von Friedrich dem Großen begründeten Kolonie Salzbrunn daran, daß dort einst ein Salzwerk stand, bei Rathenow war nach Berghaus (Landbuch der Mark Brandenburg 1854, Bd. I, S. 350) die Spur des Kessels der Schleuse von 1561 vor dem Mühlentor noch sichtbar, ist aber später zugeschüttet worden, nur bei Brandenburg war 1908 die alte Kesselschleuse vor dem Steintor noch in den ursprünglichen Abmessungen vorhanden.

Wir dürfen in Johann v. Blankenfelde den ersten Förderer von märkischen Ingenieurbauten erkennen, dessen Name auf uns gekommen ist. In der noch jungen Geschichte der Ingenieurkunst ist sein Name noch nicht verzeichnet, auf ihn als unseren frühesten Berliner Ingenieur hinzuweisen, ist der Zweck dieser Zeilen. Vielleicht finden sich in den Akten von Städten und Behörden noch bisher unbeachtete Vermerke zur Ergänzung der dürftigen Nachrichten über sein Leben und Wirken.

Anmerkungen

1 E. Klehmet, Beiträge zur Geschichte der märkischen Wasserstraßen bis zum Jahre 1600, in: Wochenschrift des Architekten-Vereins zu Berlin III, 1908, S. 177-181, Nr. 35, und S. 190-195, Nr. 37
2 E. Klehmet, Geschichte der Spandauer Schiffahrtsschleuse, in: Anzeiger für das Havelland vom 12. April 1908
3 Richard Korn: Kriegsbaumeister Graf Rochus zu Linar, Dresden 1905 - Geheimes Staatsarchiv zu Berlin, R. 21. 138 c
4 Beiträge zur Gewässerkunde der Märkischen Wasserstraßen, Berlin 1905, S. 147, nach einer Mitteilung der Königlichen Berg-Inspektion in Kalkberge
5 Vgl. Theodor Beck, Beyträge zur Geschichte des Maschinenbaues, Berlin 1899*

Aus: „Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins" 38, 1921, S. 29-30

***
Karl Friedrich von Klöden (1786-1856), Historiker

Ernst Fidicin (1802-1883), Historiker, erster hauptamtlicher Stadtarchivar Berlins (seit 1848)

Becks Beiträge zur Geschichte des Maschinenbaues ist 1970 mit einem Vorwort von Karl-Heinz Manegold als reprografischer Nachdruck bei Georg Olms in Hildesheim etc. erschienen.

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