Schillerbibliothek Edinburger 43 15075 Jahre Schillerbibliothek - 75 Jahre Volksbildung im Wedding

Die Schillerbibliothek im Jahr 2011

Gehen Sie einmal die Edinburger Straße entlang. Vielleicht besuchen Sie die neue Promenade der Schillerparksiedlung und die Plansche im Schillerpark, zu der sich ein Café gesellt.

 

Wenn Sie aus nordwestlicher Richtung kommen, etwa von der Schöningstraße nach rechts einbiegen, haben Sie den besten Blick auf das Schulgebäude in der Straße. Es zieht sich um die Ecke herum in die Ofener Straße.


Im Haus Nummer 43 eröffnete das Bezirksamt Wedding vor 75 Jahren, am 10. März 1936, die Schillerbibliothek. Über den Fenstern sitzen in einem Halbrund Eulen, ein hübscher Hinweis auf die Lesehalle, die sich hier befand. Stadtbaurat Ludwig Hoffmann, der das kommunale Baugeschehen der Stadt Berlin von 1896 bis 1924 leitete, erbaute diese Schule 1914-15. Hoffmann arbeitete oft mit dem Bildhauer Ignatius Taschner zusammen. Wahrscheinlich hat er auch die Eulen - als Sinnbilder der Weisheit - geschaffen.
Die Kinderlesehalle und die Jugendbücherei der Gemeinde-Doppelschule befand sich im ersten Stock des Lehrerwohnhauses an der Edinburger Straße. Daraus entstand die Volksbücherei Schillerpark, die bei ihrer Eröffnung über 10 375 Bände verfügte.

 

Bildung für Alle

Die Idee der öffentlichen Bibliothek war nicht neu. Vor 350 Jahren - 1661 - wurde die kurfürstliche Bibliothek im Apothekenflügel des Berliner Schlosses der Bürgerschaft geöffnet, noch ohne feste Öffnungszeiten. Ihre berühmtesten Bibliothekare waren Gottfried Wilhelm Leibniz und Gotthold Ephraim Lessing. An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert war Berlin von der Lesewut ergriffen und - nicht zuletzt durch das Lesevergnügen der Frauen - Verlagszentrum. 15 Leihbibliotheken gab es schon. Sie wurden meist von Buchhändlern betrieben.


Friedrich von Raumer ist es, der den Gedanken einer Volksbibliothek verbreitet und 1846 die Gedenkschrift "Volksbibliotheken für Berlin" verfaßt. Er will die öffentliche Bibliothek als Bibliothek für alle Menschen einrichten. Das heißt als Bildungseinrichtung, als Volksbibliothek, die eine ausgleichende Funktion zwischen gebildeten und ungebildeten Bevölkerungsschichten hat.
1850 kann er 4 000 Taler seines Vereins für Volksbibliotheken als Stiftungskapital zur Verfügung stellen.

Vier Volksbibliotheken entstehen. Die Unterstützung der Stadt fällt mager aus. Erst in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts werden neue Bildungsvorstellungen wirksam. Vorbild ist die amerikanische und englische Public Library. Die Bücherhallenbewegung entsteht. Die erste öffentliche Bibliothek in diesem Sinne ist 1899 die Heimannsche Öffentliche Bibliothek und Lesehalle Berlin. Der sozialdemokratische Politiker Hugo Heimann stellte sie auf die Beine.

 

Was lesen die LeserInnen im Nationalsozialismus?

Was durften die Kinder und Jugendlichen 1936 lesen? Sie wurden ja nationalsozialistisch erzogen.
Die Romane von Elfriede Brüning, "Junges Herz muß wandern", 1935, und "Auf schmalem Land", 1938, standen vielleicht in den Regalen, auch die komischen Geschichten von Jonny Liesegang wie "Det fiel mir uff". Die Inhalte waren so harmlos wie die Titel. Mit solchen Arbeiten "überwinterten" viele AutorInnen im Nationalsozialismus.

Das Buch "Deutsche Helden aus alten Zeiten. Den Kindern der Grundschule erzählt" von Hans Stanglmaier, München 1936, spricht eine andere Sprache. Der Titel "Wir wollen unsern Führer sehen: Erlebnisse einer Fahrt" von Elli Michaelson Otto, das 1936 schon in der zweiten Auflage erschien, fehlte sicher nicht.


Schillerbib 250Berlin wurde im Jahr 1936 - wie die ganze sportliche Welt - von der Olympiade beherrscht.

Deshalb werden auch die Bildbände von Leni Riefenstahl und Charlotte Rohrbach in der Bibliothek zu lesen gewesen sein. Erstere fotografierte 1936 vor allem die SportlerInnen der Olympischen Spiele, die andere Architektur und Bildhauerei von Werner March und Arno Breker. Beide Frauen sind eng mit dem Wedding verbunden.

Leni Riefenstahl kam am 22. August 1902 in der Prinz-Eugen-Straße 9, dritter Stock, zur Welt. Charlotte Rohrbach hatte 1925 den Direktor und Eigentümer der Metallflugzeugbauwerke Rohrbach, Sprengelstraße, Dr. Adolf Rohrbach, geheiratet.
Im Jahr 2006 fand die Schillerbibliothek ihr neues Zuhause im alten Bezirksverordnetensaal in der Müllerstraße und freut sich auf die Zukunft als Mittelpunktsbibliothek des Bezirks Mitte.

 

Gerhild H. M. Komander 2011

 

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