Johann Markgraf von Brandenburg
Fürstengrablege, Biersteuer und der Traum von einer Universität

 

Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches genannt Johann Cicero


2. August 1455 Ansbach - 9. November 1499 Arneburg/Altmark
Grabstätte: 1. Klosterkirche Lehnin 2. Dom zu Berlin

 

1470 Statthalter der Mark für seinen Vater Albrecht Achilles
1476 Heirat mit Margarete von Sachsen (+ 1476), Tochter Herzog Wilhelms von Sachsen
1486 Markgraf und Kurfürst
1488 Einführung der Bierziese
1490 Erwerb der Herrschaft Zossen
Einrichtung der ersten Hohenzollerngrablege in Brandenburg in der Klosterkirche zu Lehnin
Bemühungen um die Gründung einer Universität

 

Johann führte die Regierung der Mark fort, als erster Kurfürst von Brandenburg ohne die Herrschaft in den fränkischen Besitzungen der Hohenzollern. Seine Brüder Friedrich und Sigmund Übernahmen die Markgrafschaften Ansbach und Bayreuth.
Ohne die finanzielle Unterstützung der reichen fränkischen Lande war das mittellose Brandenburg nun wirtschaftlich auf sich gestellt. Diese Situation veranlaßte den Kurfürsten zur Erhebung der ersten indirekten Steuer, die Bierzeise - die einzige Maßnahme in der Regierungszeit Johanns, die ihm viele Untertanen übelnahmen. Die Biersteuer blieb eine Haupteinnahmequelle aller auf ihn folgenden Fürsten.


Johann, mit Beinamen Cicero, den ihm seine bewunderten Lateinkenntnisse eingebracht haben soll, eröffnet die Reihe der "friedlichen Fürsten". Sein Hauptanliegen war das Wohl der Bürger, sein Traum eine brandenburgische Landesuniversität. Sein früher Tod riß ihn aus deren Vorbereitung heraus.

In der Klosterkirche zu Lehnin richtete Johann Cicero die erste Familiengrablege der Hohenzollern in der Mark Brandenburg ein.
Markgraf Otto I. hatte die Klosterkirche 1180 gegründet. Die Schließung des Klosters 1545 machte die Überführung der Gebeine in ein Gewölbe des Berliner Domes notwendig. Die Särge Johann Ciceros, Joachims I. und Joachims II. sind spätestens seit dem Abriß der alten Domkirche 1747 verschollen.

 

Das Grabdenkmal Kurfürst Johann Ciceros im Berliner Dom ließ der Sohn in der Werkstatt Peter Vischers um 1530 in Nürnberg herstellen. Es ist der einzige Überrest, der sich aus der Grablege in Lehnin erhalten hat. Es ist bezeichnend für die wirtschaftliche und kulturelle Situation der Mark Brandenburg zu Beginn des 16. Jahrhunderts, daß dieses Kunstwerk in Nürnberg bestellt wurde. In den kurfürstlichen Landen gab es keine Künstler, die ein adäquates Werk hätten anfertigen können, während die reichsfreie Stadt Nürnberg um 1500 einen Höhepunkt ihrer Macht und ihres Ansehens erlebte. Damit verbunden sind die Namen Michael Wolgemuth, Hartmann Schedel (Weltchronik), Albrecht Dürer, Veit Stoß, Tilmann Riemenschneider und viele andere. Die mageren Finanzen der Mark hatten zu diesen Künstlern keine Verbindungen erlaubt.

 

Gerhild H. M. Komander

 

Literatur:
Johannes Schultze: Die Mark Brandenburg, Bd. 3, Berlin 1963.
Günther Schuhmann: Die Hohenzollern-Grablegen in Heilsbronn und Ansbach, München und Zürich 1989.

 

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