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Euler 1954 100Leonhard Euler, der Gott der Mathematik

Die Eulerstraße

Millionen von Nutzerinnen und Nutzer streifen täglich durch das Internet. Leonhard Euler kennen die wenigsten von ihnen.

 

Er half bei der Trockenlegung des Oderbruchs und dem Bau des Finow-Kanals. Friedrich II. nannte ihn „meinen Zyklop“, Henri Poincaré erhob ihn zum „Gott der Mathematik“.

Millionen von Nutzerinnen und Nutzer streifen täglich durch das Internet. Leonhard Euler kennen die wenigsten von ihnen. Das gilt auch für Berlin, wo der „Gott der Mathematik“, wie ihn sein Kollege Henri Poincaré (1854-1912) nannte, 25 Jahre lang, von 1741 bis 1766, lebte und arbeitete. Nun, die Straße, die nach ihm benannt wurde, liegt im Wedding. Und nicht nur das, sie liegt abseits, zwischen Osloer Straße und Badstraße, im Rücken der Gartenstadt Atlantik.

Auf die Gedenktafel in der Behrenstraße, am Haus Nummer 21, schaut selten ein Mensch, denn wer läuft hier vorbei? In dem Haus, nein, in dem Vorgängerbau, wohnte Leonhard Euler während seiner Berliner Zeit. Den Nachfolgebau, der den Zweiten Weltkrieg überstand, erwarb 1992 der Freistaat Bayern als Sitz der Landesvertretung des Landes Bayern in Berlin.

Der Wissenschaftler kam aus St. Petersburg nach Berlin. König Friedrich II. rief ihn an die Societät der Wissenschaften, die 1744 mit der im Jahre 1743 begründeten Societé Littéraire de Berlin zur Königlichen Akademie der Wissenschaften vereinigt wurde. Am 15. April 1707 war Leonhard Euler im schweizerischen Basel zur Welt gekommen. Zwanzigjährig verließ er die Heimatstadt und folgte einem Ruf an die Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg. Dorthin kehrte er zurück, als Zarin Katharina ihn zu kommen bat, um der wenig respektvollen Behandlung durch Friedrich II. zu entgehen.

In St. Petersburg hatte Euler Katharina Gsell geheiratet, die dreizehn Kinder gebar. Sieben Kinder des Ehepaares kamen in Berlin zur Welt. An der Berliner Akademie erhielt Euler 1746 die Position des Direktors der mathematischen Klasse. Er war in den Berliner Jahren nicht bloß als theoretischer Mathematiker tätig. Auf Geheiß des Königs begutachteten Leonhard Euler und der Wasserbauingenieur Simon Leonhard Haarlem die Pläne zur Entwässerung und Eindeichung des Oderbruchs. Euler entwarf Pläne für den Bau des Finow-Kanals und Wasserwerke. Glücklich war er mit diesen „praktischen“ Arbeiten nicht.

Schiffsbau und Ballistik waren weitere Bereiche, in denen der Akademiker den Aufbauwillen seines Königs unterstützte. Euler übersetzte Benjamin Robins Werk „Neue Grundsätze der Artillerie. Enthaltend die Bestimmung der Gewalt des Pulvers nebst einer Untersuchung über den Unterscheid des Wiederstands der Luft in schnellen und langsamen Bewegungen.“ Wesentlich erweitert und kommentiert widmete Euler seine Arbeit Friedrich II. Sie erschien 1745 mit einem Umfang von 720 Seiten im Verlag Haude, Berlin.

 

Euler 1983Ebenso wichtig, teils wichtiger – nicht nur für die Entwicklung der Mathematik – waren die Studien Eulers zu Algebra, Analysis, Differential- und Integralrechnung.

Acht- bis neunhundert Schriften (die Angaben schwanken sehr) hinterließ der Wissenschaftler, als er 1783 in St. Petersburg starb. Sie werden seit 1911 im Euler-Archiv, das in seiner Geburtsstadt Basel ansässig ist, herausgegeben. Siebzig von 72 geplanten Bänden sind erschienen. Unter den Schriften Eulers befinden sich auch die ersten mathematischen Lehrbücher im modernen Sinne.

Die unglaubliche Produktivität erklärte Euler selbst mit der Liebe zu seinen Kindern. Mit einem Kind auf dem Arm denke es sich besser, erst recht in einer tobenden Kinderschar. Daran war in der Familie Euler kein Mangel. Auch der Verlust des Augenlichtes hielt den Mann nicht von seinen Forschungen ab. Früh erblindete er auf einem Auge, in den späten sechziger Jahren auch auf dem zweiten und genoss es nach eigenen Worten, nun nicht mehr abgelenkt zu werden.

Wir sollten Leonhard Euler sehr dankbar sein und ihn zu seinem 300. Geburtstag gebührend feiern. Auch wenn vielen Menschen die Welt der höheren Mathematik verschlossen bleibt, haben doch die meisten von uns großen Nutzen von ihr, ohne es zu wissen. Seit das Internet die privaten Haushalte erreicht hat, gewöhnen wir uns an viele Bequemlichkeiten, auch an die Vorteile des Online-Banking. Der digitale Zahlungsverkehr stellt hohe Sicherheitsanforderungen. Der für die Verschlüsselung notwendige Algorithmus, der uns vor Parasiten auf dem Bankkonto schützt, geht auf Leonhard Euler zurück.

 

Euler 2007Leonhard Euler zum 300. Geburtstag 2007

Die Stadt Basel hat um das 1907 gegründete Euler-Komitee ein Geburtstagskomitee ins Leben gerufen, das im Frühjahr 2007 mit Vorlesungen, Filmvorführungen und Festveranstaltungen den 300. Geburtstag ihres berühmten Sohnes feiert: www.euler-2007.ch.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) führt seit 1998 im Auftrag der Bundesregierung und mit Mitteln des Auswärtigen Amtes das Leonhard-Euler-Programm durch. Im Rahmen des Programms ergibt der DAAD Stipendien mit dem Ziel, die Kontakte des wissenschaftlichen Nachwuchses aus der Russischen Föderation, der Ukraine, Belarus und Moldau zu deutschen Hochschulen zu intensivieren, gemeinsame Forschungsprojekte auf den Weg zu bringen und dadurch einen Beitrag zum Verbleib des Hochschullehrernachwuchses an den Hochschuleinrichtungen in den betreffenden Ländern zu leisten.

Die Humboldt-Universität zu Berlin zeigt vom 2. bis 30. April 2007 die Ausstellung „Leonhard Euler. Zwischen Wunderdingen und Zahlenspielen“ im Foyer des Hauptgebäudes Unter den Linden 6. Eine Festveranstaltung findet am 16. April statt. An diesem Abend wird der Film „Leonhard Euler. Im Paradies der Gelehrten“ uraufgeführt.

Gerhild H. M. Komander

 


EulerComicLeseempfehlung:
Leonhard Euler. Ein Mann, mit dem man rechnen kann, unter Mitarbeit von Alice Heyne und Andreas Heyne. Zeichnungen von Elena Pini. Basel: Birkhäuser Verlag 2007. 19,90 Euro

Wolfgang Knobloch: Leonhard Eulers Wirken an der Berliner Akademie der Wissenschaften 1741-1766, Berlin 1984

 

Der Text erschien zuerst im "Berliner Lindenblatt", 2007.

 

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Juli 1835 Die ersten Kirchen im Wedding werden eingeweiht: Am 5. Juli die Nazarethkirche auf dem späteren Leopoldplatz und am 12. Juli die Kirche St. Paul am Gesundbrunnen.

 

10. Mai 1913 Der Volkspark Schillerpark wird eröffnet.

 

8. April 1943 Elise und Otto Hampel werden wegen ihres Widerstands gegen den Nationalsozialismus im Strafgefängnis Plötzensee hingerichtet. Hans Fallada beschreibt ihre Geschichte in seinem letzten Roman.

 

17.4.1944 Max-Josef Metzger, Pfarrer an der Weddinger St. Joseph-Kirche, wird in Plötzensee hingerichtet.
50 Jahre später wird eine Gedenktafel in der Willdenowstraße enthüllt.
Der Courbière-Platz erhält am 17.4.1994 den Namen Max-Josef-Metzger-Platz.

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