Gerhild Komander

Tipps + Termine

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Stadtführung Berlin 
Boxhagener Platz, Friedrichshain - Stadtführung in einem Szenekiez
In Zusammenarbeit mit der VHS Reinickendorf
Sonnabend, 24.2.18, 11 Uhr

150 Westhafen

Vortrag zur brandenburgischen und Berliner Geschichte
Die Hugenotten kommen!
In Zusammenarbeit mit dem Gerhart-Hauptmann-Museum Erkner
Montag, 26.2.18., 18 Uhr

Maerchenbr 150

 

Das Franziskanerkloster zu Berlin
und die Kirchenruine in der Klosterstraße


{mosimage}Die Ordensgemeinschaft der Franziskaner wurde 1209 durch Franz von Assisi (Giovanni Bernadone, geboren 1181 oder 1182 in Assisi, gestorben 3. Oktober 1226 ebenda) begründet. 1212 schloss sich unter der Führung von Clara von Assisi eine Schwesterngemeinschaft an. Franz wurde 1228 heilig gesprochen.

Der Bettelorden, dessen Mitglieder nach dem Willen seines Gründers ausschließlich nach dem Evangelium leben und auf persönlichen und gemeinsamen Besitz verzichten sollten, verpflichtete sich zum Dienst an den Menschen: durch Arbeit und Predigt. So betätigten sich die Franziskaner in der Seelsorge in den Städten, an den Universitäten und in der Mission. Sehr schnell breitete sich der Orden über Europa aus.

{mosimage}Eine Niederlassung der Franziskaner in Berlin ist seit 1249, also bereits vierzig Jahre nach der Ordensgründung, nachweisbar. Das ist bemerkenswert für die Berliner Geschichte. 1252 tagte erstmals ein Provinzialkapitel der Franziskaner in Berlin. Der Standort der jetzigen Ruine der Klosterkirche in der Klosterstraße ist der erste Niederlassungsort des Ordens, der schon vor 1249 in der Stadt ansässig war, in Berlin.

Die erste Anlage wird vermutlich eine Feldsteinkirche gewesen sein, deren Reste sich im nördlichen Seitenschiff der Klosterkirchenruine erhalten haben könnten. Um 1250 bis 1265 wurde der frühgotische Backsteinbau errichtet, von dem die heutige Ruine zeugt. Um 1300 (1340/50) erhielt die Kirche das Chorpolygon.

{mosimage}Trotz der 1945 erlittenen schweren Beschädigungen ist die Ruine der Franziskanerklosterkirche das älteste in seiner ursprünglichen Gestalt erhaltene Gebäude Berlins. Sie entstand als dreischiffige kreuzgewölbte Basilika von vier Jochen mit zweijochigem Chorhals und einem polygonal gebrochenen Chorschluß.

Der schlichte Außenbau erhielt ein reich gegliedertes spitzbogiges Westportal. Im Innenbau teilen Spitzbogenarkaden auf Bündelpfeilern die drei Schiffe voneinander. Die konstruktiven und dekorativen Elemente verweisen auf Einflüsse der Brandenburger und Magdeburger Dombauhütte.

Im Norden der Kirche schlossen sich die Klostergebäude an und reichten bis an die Stadtmauer (heute Littenstraße) sowie an das Hohe Haus, dem Sitz der Markgrafen. Die Markgrafen Otto V. und Albrecht III. traten gemeinsam mit dem Ritter Jacob von Nybede 1271 als Stifter auf, wie an den Chorstühlen inschriftlich belegt worden war. Die enge Nachbarschaft zu den Landesherren führte dazu, daß die Kirche die erste fürstliche Grablege Berlins wurde. Unter anderen ließen sich hier die Kurfürstinnen Margarethe (1340) und Kunigunde (1357) sowie Kurfürst Ludwig der Römer bestatten.

{mosimage}Die Klosterbauten, die bis kurz vor der Reformation immer wieder erweitert und verschönert wurden (1471-74 Kapitelhaus von Meister Bernhard; 1516-18 Westflügel), umschlossen zwei innere, von Kreuzgängen umgebene Höfe und zur Straße hin einen Vorhof, auf dem später Gebäude des Gymnasiums zum Grauen Kloster entstanden. Mit der Kirchenordnung vom 15. August 1540 mußte die Ordensgemeinschaft ihr bisheriges Leben aufgeben. Die Mönche, die nicht auswandern wollten, durften die Klostergebäude weiterhin nutzen und den Betrieb ihrer Schule fortführen. Der wertvolle materielle Besitz wurde - wie andernorts - eingezogen. Der letzte Ordensbruder verstarb am 1. Januar 1571.

In demselben Jahr zog Leonhard Thurneysser in einen Teil der Klostergebäude und errichtete seine Laboratorien und Werkstätten. Am 13. Juli 1574 öffnete das Gymnasium zum Grauen Kloster seine Pforten, das auf Anregung und mit finanziellen Mitteln Berliner Bürger gegründet worden war. Weitreichende Umbauten und Umnutzungen der ehemaligen Klostergebäude sowie Neubauten auf den Klostergelände seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert zerstörten wertvolle Bausubstanz und veränderten den Anblick einschneidend.

{mosimage}Im Zuge einer intensiven Restaurierung 1926 bis 1937 konnten die Veränderungen an der Kirche weitgehend beseitigt werden. Im Zweiten Weltkrieg wurden Kloster und Kirche schwer beschädigt, die Klostergebäude, zuvor in ihrem Bestand gesichert, zugunsten der Verbreiterung der Grunerstraße 1968 abgerissen.

Reste der ehemals reichen Ausstattung der Klosterkirche bewahren andere Kirchen und das Märkische Museum. Im Märkischen Museum befindet sich das Grabmal des Konrad von Belitz, um 1308 entstanden.
Die Johanneskirche in Moabit bewahrt eine Triumphkreuzgruppe, die Dorfkirche Stolpe eine Kreuzigungsgruppe, beide aus der Zeit um 1500. In der Marienkirche findet man den Schnitzaltar mit der Mondsichelmadonna, nach 1500 vollendet.


{mosimage}Literatur:

Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Berlin, bearbeitet von Sibylle Badstübner-Gröger, Michael Bollé, Ralph Paschke u.a., Berlin und München: Deutscher Kunstverlag 2000.

Berlin und seine Bauten Teil VI, Sakralbauten, hg. vom Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin, Berlin 1997.

Gerhard Bronisch: Die Franziskaner-Klosterkirche in Berlin, in: MVGB 50, 1933, S. 89-180.

Julius Kurth: Die Altertümer der St. Nikolai-, St. Marien- und Klosterkirche zu Berlin, Berlin 1911, S. 115-142.

Richard Borrmann: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin, Berlin 1893, S. 188-203.

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Berlin im Blick

Berliner Geschichte

1278 Das St. Georgs-Hospital wird erstmals urkundlich namentlich erwähnt.
1288 Erste urkundliche Erwähnung von Lichtenberg, Lichterfelde und Rosenfelde (Friedrichsfelde)

1308 3. März Die Doppelstadt Berlin-Cölln schließt ein Schutzbündnis mit anderen märkischen Städten.
Erste urkundliche Erwähnung von Heiligensee
1348 Die Pest fordert auch in der Mark und in Berlin-Cölln viele Tote. Die Juden werden als Urheber beschuldigt und verfolgt.
Der "falsche Woldemar" trifft in Berlin ein. König Karl IV. anerkennt ihn als letzten Askanier, um ihn als Verbündeten gegen die Wittelsbacher einzusetzen.
Ein Stadtbrand richtet großen Schaden an.
1358 Erste urkundliche Erwähnung von Stralau
1378 Sigismund, zweiter Sohn Karls IV., wird Mitregent in der Mark.
Am 29. November stirbt Karl IV.
1388 Markgraf Sigismund wird König von Ungarn und verpfändet die Mark Brandenburg an seinen Vetter Jobst von Mähren.

1448 Die Bürger von Berlin und Cölln erheben sich im Berliner Unwillen gegen den Landesherren.
19. Juni Berlin und Cölln unterwerfen sich dem Kurfürsten.
Zunftprivilegien darf zukünftig nur der Landesherr gewähren.
1458 28. April Auf dem Neuen Markt wird Matthäus Hagen nach einem Inqisitionsprozess als Anhänger der hussitisch-taboristischen Lehre hingerichtet.
1488 Der Kurfürst erhebt die „Bierziese".
10. September Johann Zehender erhält das städtische Privileg für zwei Apotheken in Berlin.

1518 Die kurfürstliche Städte- und Polizeiordnung legt einheitliche Maße und Gewichte fest.
1528 25. März Kurfürstin Elisabeth flieht nach Wittenberg.
1538 bis 1540 Caspar Theyss erbaut das Renaissanceschloß zu Cölln.
1558 In Köpenick entsteht das Renaissanceschloss.
Das Gutshaus Tegel wird urkundlich erwähnt.
1568 Erste urkundliche Erwähnung von Treptow
1578 Rochus Guerini Graf zu Lynar kommt nach Berlin, erweitert das Schloss und baut die Spandauer Zitadelle aus.
Am Spandauer Mühlentor lässt er eine Pulvermühle errichten.
1598 Joachim Friedrich wird Kurfürst.

1608 Johann Sigismund wird Kurfürst.
1618 Der Dreißigjährige Krieg beginnt.
In Cölln wird eine reformierte Domschule für Knaben gegründet.
1628 Markgraf Sigismund fordert von der Bürgerschaft 140 000 Taler Kontribution zum Unterhalt der kaiserlichen Truppen.
Wallenstein nimmt Quartier in Berlin-Cölln.
Der Kurfürst erlässt ein Verbot für Zeitungen.
Matthias Czwiczek wird brandenburgischer Hofmaler.
Die Pocken breiten sich in Berlin-Cölln aus.
1638 Kurfürst Georg Wilhelm übergibt Adam Graf Schwarzenberg die Statthalterschaft.
1648 Die Pocken breiten sich in Berlin-Cölln aus.
Zu Münster und Osnabrück wird der Westfälische Frieden geschlossen.
1658 Berlin-Cölln wird Garnisonstadt: Der Kurfürst läßt in 508 Bürgerhäusern 1 500 Militärangehörige mit ihren 400 Frauen und 500 Kindern sowie Dienstpersonal einquartieren.
Der Bau der Festungsanlagen beginnt unter der Leitung von Johann Gregor Memhardt.
Einfuhrverbot für Glaswaren
1668 24. Juni Friedrich Wilhelm heiratet in zweiter Ehe Herzogin Dorothea von Holstein-Glücksburg.
1678 Der Hofjägermeister von Lüderitz legt die Hasenheide an.
Benjamin Raule errichtet durch Umbau des kurfürstlichen Ballhauses Raules Hof auf dem Friedrichswerder.
30. Juli Mit der Grundsteinlegung für die Dorotheenstädtische Kirche wird der erste Kirchenbau in Berlin-Cölln seit dem Mittelalter begonnen.
Adam de Clerck wird kurfürstlicher Hofmaler.
1678 bis 1687 Rutger van Langerfeld und Michel Matthias Smids erbauen die Dorotheenstädtische Kirche.
1688 9. März Der Große Kurfürst stirbt. - Friedrich III. (I.) wird Kurfürst.
14. August Friedrich Wilhelm I. (der Soldatenkönig) wird geboren.
Der Perspektivplan von Berlin-Cölln, gezeichnet von Johann Bernhard Schultz, erscheint.
Samuel von Pufendorf wird kurfürstlicher Historiograph.
Constantin Friedrich Blesendorf, Johann Ulrich Crause und Augustin Oldenburgh fertigen das Kupferstichwerk zum Leichenbegängnis des Kurfürsten Friedrich Wilhelm an.
Johann Arnold Nering beginnt mit der Anlage der Friedrichstadt.
Der Gendarmenmarkt wird angelegt.
Abraham Jansz Begeyn wird kurfürstlicher Vedutenmaler.
1698 Andreas Schlüter beginnt mit Um- und Neubau des Residenz-schlosses.
Der Marinemaler und Schiffsbaumeister Michiel Maddersteeg wird an Hof berufen.

1708 27. November Friedrich I. und seine dritte Gemahlin Sophie Luise von Mecklenburg-Schwerin ziehen in Berlin ein.
1718 Die Berliner Hausbesitzer gründen die Versicherungsgesellschaft der Feuersozietät Berlin.
Der von Johann Sigismund Elsholtz 1679 angelegte Hof- und Küchengarten bei Schöneberg (Kleistpark) erhält die Bezeichnung Botanischer Garten.
Friedrich Wilhelm I. besucht erstmals die Synagoge.
1728 Der Prozeß gegen Dorothea Steffin ist der letzte Hexenprozeß in Berlin.
1738 Friedrich Wilhelm I. schenkt das Neue Lusthaus der Berliner Kaufmannschaft zur Einrichtung ihrer Börse.
1748 15. November Das Invalidenhaus wird eingeweiht.
Gotthold Ephraim Lessing kommt zum ersten Mal nach Berlin.
Der Invalidenfriedhof wird angelegt.
Johann Julius Hecker gründet ein Lehrerseminar.
Friedrich II. verfügt die Verhaftung von Bettlern und deren Überstellung ins Zuchthaus oder zur Arbeit im Ochsenkopf.
Die Künstler Blaise Nicolas Lesueur und Charles Amédée Philippe Vanloo werden nach Berlin berufen.
Der Arzt und Philosoph Julien Offray de La Mettrie wird an den königlichen Hof berufen.
1748 bis 1766 Jan Boumann erbaut das Palais Prinz Heinrich (Humboldt-Universität).
1768 21. März Das Lustspiel „Minna von Barnhelm" von Gotthold Ephraim Lessing wird in der Behrenstraße uraufgeführt.
1778 Gründung der Jüdischen Freischule
Johann Wolfgang von Goethe besucht Berlin und Potsdam.
1788 Der König erläßt das Religionsedikt und eine Zensurverordnung.
Martin Heinrich Klaproth entdeckt die Zirkonerde und das Uranium.
Die Berliner Gymnasien führen mündliche und schriftliche Prüfungen zur Erlangung der Hochschulbefähigung ein.
27. September Erster Ballonaufstieg Francois Blanchards vor dem Brandenburger Tor.
1788 bis 1791 Carl Gotthard Langhans erbaut das Brandenburger Tor.
1798 Die Jungfernbrücke entsteht in ihrer heutigen Gestalt.
1798 bis 1802 Heinrich Gentz erbaut die Münze am Werderschen Markt.

1808 19. November Die wahlberechtigten Bürger Berlins wählen aufgrund der preußischen Städte die ersten Berliner Abgeordneten.
1818 Die Berliner Sparkasse wird gegründet.
1828 Die Berliner Universität erhält den Namen Friedrich-Wilhelm-Universität.
1838 Der Volkspark Hasenheide wird nach Plan von Peter Joseph Lenné begonnen.
1848 6. März Beginn der Revolution in Berlin
18. März Barriakdenkämpfe in Berlin
19. März Aufbahrung der "Märzgefallenen"
1868 Berliner Asylverein für Obdachlose gegründet
1878 Hofprediger Adolf Stoecker gründet die Christlich-Sociale Arbeiterpartei.
1888 Dreikaiserjahr: Tod Wilhelms I. und Friedrichs I.
Gründung der Urania
Gustav Krocisius gründet die Spree-Havel-Dampfschiffahrtsgesellschaft Stern.
11. September Das Lessing-Theater am Schiffbauerdamm öffnet.
1898 5. Februar Gründung der Künstlervereinigung Berliner Secession
1. April Die Gemeinde Schöneberg wird Stadt.

1908 28. Januar Eröffnung des Hebbel-Theaters
17. Mai Friedrich ARchenhold legt den Grundstein für die Sternwarte für die Volkssternwarte.
10. Juni Eröffnug des Märkischen Provinzialmuseums
1918 Ende des Ersten Weltkriegs
1928 Gründung der BVG
1948 Berliner Luftbrücke
1968 Studentenunruhen

 

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