Gerhild Komander

Tipps + Termine

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Vortrag zur Kunstgeschichte
Große Namen der Kunst: Adolph Menzel
In Zusammenarbeit mit der VHS Potsdam
Donnerstag, 9. Februar 2017, 14 Uhr

Vortrag zur Architekturgeschichte Berlins
Philipp Gerlach
In Zusammenarbeit mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten BB
Sonntag, 12. Februar 2017, 11 Uhr

Vortrag zur Berliner Geschichte und Berliner Archichtektur
Berliner Wohnungsnot vor 100 Jahren
In Zusammenarbeit mit der Urania
Freitag, 24. Februar 2017, 15.30 Uhr

Architekturführung Berlin
Bruno Taut und Mies van der Rohe. Bauten im Wedding
Stadtführungen Gerhild Komander
Sonnabend, 25. Februar 2017, 11 Uhr

150x150 Mies

 

Vom Kaufhaus zum Tacheles
Fotografien der Friedrichstraßen-Passage
Fotoausstellung im Deutschen Technikmuseum, Beamtenhaus
bis 4. April 2017

Nikolaikirche 150Die Nikolaikirche Berlin - das Herz der Stadt

Die Stadtführung Nikolaiviertel finden Sie hier ...  


Die evangelische Pfarrkirche St. Nikolai am Nikolaikirchplatz in Berlin-Mitte gelegen war der erste Kirchenbau Berlins und ist ein Ort ersten Ranges für die Berliner Geschichte. Vielfach wird sie als ältestes Bauwerk Berlins bezeichnet.

Das stimmt nicht. Das trifft lediglich auf den Turmunterbau, genauer gesagt: auf die drei unteren Geschosse dieses Bauteils zu. Älter als die übrigen Teile der Nikolaikirche ist die Franziskanerklosterkirche beziehungsweise, deren Ruine. Die Kirche, ursprünglich den Heiligen Nikolaus Confessor, Martin von Tours und Katharina geweiht, ist aber der älteste Kirchenort Berlins.


1264 wird die Nikolaikirche erstmals erwähnt

Vor dem ersten Massivbau, dessen Baubeginn etwa mit der vermuteten Stadtgründung - um 1230 - gleichgesetzt wird, wird es wohl an dieser Stelle eine Holzkirche gegeben haben - wie sie für Spandau belegt ist. Zum ersten Mal in der Berliner Geschichte erwähnt wurde die Berliner Nikolaikirche 1264. Durch die umfangreichen Ausgrabungen in der schwer beschädigten Kirche 1956-58 ist die Gestalt dieses ersten Massivbaues bekannt geworden.

Es handelte sich um eine dreischiffige, flachgedeckte Pfeilerbasilika mit Querhaus, Rechteckchor und östlichen Apsiden von ansehnlicher Größe. Erhalten blieb davon der erwähnte Westbau, breiter als das Kirchenschiff, in charakteristischer brandenburgischer Form: ohne Turmaufsätze, wie es in Havelberg heute noch zu sehen ist. Ohne gliedernde Elemente - bis auf die symmetrisch angeordneten Öffnungen - erhebt er sich, im Erdgeschoß ein spitzbogiges Portal und zwei kleine Rundfenster darüber.

Den Grundriß der romanischen Feldsteinkirche gestaltete man nach dem Vorbild der sächsischen Kirchen des 12. Jahrhunderts. Quadratische Pfeiler trugen die schweren Kreuzgratgewölbe. Von der regional bedeutenden Wirtschaftsleistung der Stadt und dem relativen Wohlstand ihrer Bürgerschaft zeugt die vergleichsweise beträchtliche Größe des Baus.

Die Bürgerschaft Berlins konnte es sich um die Mitte des 13. Jahrhunderts gar leisten, das noch intakte Langhaus der Nikolaikirche abzureißen (um 1264) und unter Einbeziehung des Querhauses einen Neubau als vierjochige, gewölbte Halle mit drei gleichbreiten Schiffen und kreuzförmigen Pfeilern errichten - ein kultureller Höhepunkt in der Berliner Geschichte. Die Außenwände waren, so wird vermutet, bereits aus Backstein, erhielten Strebepfeiler, den Innenraum zierte man mit Halbrunddiensten und einer Blendengliederung.


Franzöische Kathedralen als Vorbild

Schon in den siebziger Jahren des 14. Jahrhunderts genügte auch dieser Bau nicht mehr. Für 1379 sind Bauarbeiten an den zu diesem Zeitpunkt wohl noch romanischen Ostteilen belegt. Mit dem neuen Hallenumgangschor - versehen mit schmalen Fenstern und einem Kapellenkranz - übertraf die Nikolaikirche alle anderen derzeit bestehenden Kirchen an Modernität. Beispielhaft hatte hierbei der französische Kathedralbau gewirkt, wie zuvor an St. Marien in Frankfurt/Oder und St. Nikolai in Spandau.

Interessant ist es, dass bei Einführung der hochgotischen Formen nicht Dom-, Stifts- oder Klosterkirchen, sondern städtische Kirchen die Vorreiterrolle übernommen hatten. Noch einmal zeigt sich in der Architektur das große Selbstbewußtsein der städtischen Bevölkerung Berlins. Doch verhinderte der Stadtbrand von 1380 - einer von vielen in der Berliner Geschichte - zunächst, daß an der Stadtpfarrkirche weiter gebaut werden konnte. Bis um das Jahr 1470 zogen sich deshalb die Bauarbeiten, die in den folgenden Jahrzehnten auch das Langhaus einbezogen, hin.

Im Gegensatz zum Chor erhielt das dreischiffige Langhaus breite Fenster mit aufwendiger Profilierung. Auf ein Querhaus verzichtete man. Den Höhenzug im Innenraum bewirken die Dienstbündel mit ihren charakteristischen Rundstabprofilen. Reich verzierte Bündelpfeiler tragen das Kreuzrippengewölbe, über dem Ostjoch ein Sterngewölbe, um den hier aufgestellten Altar hervorzuheben.

Für das Jahr 1452 ist die zweigeschossige, zum Kirchenschiff hin geöffnete Liebfrauenkapelle bezeugt. Vielleicht etwas älter war das Fresko im Orgelchor, das Julius Kurth als eine Darstellung des Jüngsten Gerichts identifizierte.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde an der Nordseite des Chores ein schlichter, zweigeschossiger Anbau angefügt, der später als Sakristei und Bibliothek genutzt wurde.


St. Nikolai in der neuen Zeit

Die Generationen der folgenden Jahrhundert haben der mittelalterlichen Gestalt der Kirche große Veränderungen und Zerstörungen zugemutet. Die Auswirkungen der Reformation veränderten auch das Aussehen der Nikolaikirche nachhaltig. Die Chor- und Seitenschiffskapellen wurden für Erbbegräbnisse freigegeben. Herausragend waren die von Kötteritzsche Kapelle, das Schindlersche Erbbegräbnis, die Grabstätten von Christian und Lampert Distelmeier sowie die barocken Grabmäler für den Hofgoldschmied Daniel Männlich von Andreas Schlüter und für den Finanzminister von Kraut von Johann Georg Glume.

 

Hermann Blankenstein "restauriert" St. Nikolai

Nikolaikirche vor 1850 2501715 erhielt St. Nikolai im Zuge der barocken Umgestaltung Emporen und einen neuen Altar.
1817 fand die erste Restaurierung unter Friedrich Wilhelm Langerhans statt, 1876-78 die große Renovierung unter Hermann Blankenstein. Stadtbaurat Blankenstein ließ den mittelalterlichen Südturm abtragen und statt dessen einen Doppelturmaufsatz mit spitzen Helmen errichten, wobei das vierte Geschoß des Turmunterbaus vollständig erneuert wurde (erkennbar an den eingefügten Rundbogenfenstern). Ziergiebel wurden dem Nordanbau aufgesetzt.

Den Innenraum unterzog Blankenstein einer umfassenden Regotisierung. Der Kirchenraum erhielt eine backsteinfarbene Fassung, eine neugotische massive Westempore, der Chorlaufgang eine ebensolche Brüstung.
1938 sollte unter Walter Peschke wiederum eine Restaurierung stattfinden und die Nikolaikirche zum Musikdom umgestaltet werden, kam jedoch nicht zur Ausführung.


Zerstörung und Wiederaufbau

Während des Zweiten Weltkriegs richteten die Bombardierungen große irreparable Schäden an: 1944 wurden die Turmhelme der Nikolaikirche zerstört, 1945 brannte das Kirchenschiff aus, so daß bis 1949 die mittelalterlichen Gewölbe und die nördliche Pfeilerreihe einstürzten und die reichhaltige Ausstattung der Kirche großenteils zerstört wurde. Die Ruine wurde gesichert, so daß 1956-58 und 1980-82 umfangreiche Ausgrabungsarbeiten vorgenommen werden konnten, denen wir die Rekonstruktion des romanischen Grundrisses von St. Nikolai und die Entdeckung eines vorromanischen Friedhofes verdanken.

1981 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen, in dessen Verlauf die Nikolaikirche ihre mittelalterliche Innenraumfassung zurück erhielt. 1987, zur 750-Jahr-Feier der Stadt Berlin, konnten die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen und die Kirche ihrer neuen Nutzung als Museum übergeben werden.

Der bedeutendste Ort Berliner Geschichte

Nikolaikirche Turmbau 1Die Berliner Nikolaikirche war über die Jahrhunderte ein historischer Ort des religiösen und weltlichen Lebens der Stadt. 1539 wurde sie Zeugin der Reformation: Die erste lutherische Predigt fand vor der offiziellen Anerkennung durch den Landesherrn am 14. September statt, am 2. November gab es das erste offizielle lutherische Abendmahl.

Ein Jahr später gewährte der Küster der Nikolaikirche gegen kurfürstliches Verbot Hans Kohlhase Unterkunft. 1657 bis 1666 wirkte Paul Gerhardt als Prediger hier, bis er als Gegner der vom Kurfürsten angestrebten Kirchenunion Berlin verlassen mußte.

Der Begründer des Pietismus, Philipp Jacob Spener, versah ab 1690 seinen Dienst als Propst an St. Nikolai und wurde 1705 an seinem Wirkungsort bestattet. Die Kirche erweist sich - bedenkt man die vielen zerstörten Grabmäler - als Berliner Grabstätte ersten Ranges. 1694 fand auch der Hofhistoriograph Samuel von Pufendorf hier seine letzte Ruhestätte.
Neueren Datums ist die Einsegnung der ersten Stadtverordneten Berlins im Jahr 1809.

Gerhild H. M. Komander, 2006


Literatur:
Berlin und seine Bauten Teil VI, Sakralbauten, hg. vom Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin, Berlin 1997.
Ernst Badstübner: Nikolaikirche Nikolaiviertel Berlin, Regensburg 1999.
Heinz Seyer: Berlin im Mittelalter. Die Entstehung der mittelalterlichen Stadt, Berlin 1987, S. 30-46.
Julius Kurth: Die Altertümer der St. Nikolai-, St. Marien- und Klosterkirche zu Berlin, Berlin 1911, S. 6-70.

 

Nikolaiviertel Plan 1688 566

 

Nikolai4 566

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1157 Albrecht der Bär erobert die Brandenburg.
Die Markgrafen nennen sich und das Land fortan Brandenburg.
In den kommenden Jahren lassen sich Kaufleute an der Spree nieder
Aus ihren Siedlungen entstehen die Städte Berlin und Cölln.

1197 Erste urkundliche Erwähnung der Burg Spandau

1237 28. Oktober Erste urkundliche Erwähnung von Cölln

1247 29. April Das erste Berliner Stadtoberhaupt wird genannt: Der Schultheiß Marsilius.
Erste urkundliche Erwähnung von Lübars und Tempelhof

1267 Erste urkundliche Erwähnung von Kladow

1297 Das Dominikanerkloster in Cölln wird gegründet.

1657 11. Juli Kurprinz Friedrich (I.) wird in Königsberg geboren.

1747 Müggelheim wird gegründet.

1747 bis 1750 Jan Boumann erbaut den neuen Berliner Dom.

1747 bis 1755 Johann Gottfried Büring und Jan Boumann errichten die St. Hedwigskirche.

1807 Johann Gottlieb Fichte hält die „Reden an die deutsche Nation".

1847 19. November Die Berliner Stadtverordnetenversammlung tagt erstmals öffentlich.

1867 Berlin wird Hauptstadt des Norddeutschen Bundes.

1877 Berlin zählt eine Bevölkerung von einer Million Menschen.
Zum ersten Mal werden Sozialdemokraten aus Berlin als Abgeordnete in den Reichstag gewählt.

1937 1.1. Das "Gesetz über die Verfassung und Verwaltung der Reichshauptstadt Berlin" macht die Stadt zum Stadtkreis mit den Aufgaben eines Provinzialverbandes".

1967 Der Alexanderplatz wird neu gestaltet.
2.6. Bei Demonstrationen gegen den Besuch des Schahs von Persien Reza Pahlewi erschießt der Polizist Kurras den Studenten Benno Ohnsorge an der Deutschen Oper.

1977 21.9. West-Berliner Gäste können wegen des Mangels in der DDR große Mengen Kaffee in die DDR einführen.

1987 750-Jahrfeier Berlin in Ost und West
Smog-Alarm der Stufe 1 und selektives Fahrverbot in Berlin-West

1997 9.3. Umweltministerin Angela Merkel und Naturschutzbund-Vorsitzender Jochen Flasbarth markieren im Grunewald Bäume mit Spechthöhlen zum Schutz vor Abholzung.
10.3. Laut DGB arbeiten auf den Berliner Baustellen 40 000 einheimische, 30 000 Bauarbeiter aus EU-Staaten und 8 000 Kontingentarbeiter aus Osteuropa  sowie 25 000 Schwarzarbeiter. 17 000 Berliner Bauarbeiter sind arbeitslos.

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