Gerhild Komander

Tipps + Termine

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Stadtführung Berlin 
Boxhagener Platz, Friedrichshain - Stadtführung in einem Szenekiez
In Zusammenarbeit mit der VHS Reinickendorf
Sonnabend, 24.2.18, 11 Uhr

150 Westhafen

Vortrag zur brandenburgischen und Berliner Geschichte
Die Hugenotten kommen!
In Zusammenarbeit mit dem Gerhart-Hauptmann-Museum Erkner
Montag, 26.2.18., 18 Uhr

Maerchenbr 150

 

Heinrich Stephan

Der Postmeister

Heinrich von Stephan, Otto von Bismarck und die preußische Post

 

Im Jahre 1858 beendete Heinrich Stephan das Manuskript zu seinem Buch „Geschichte der Preussischen Post von ihrem Ursprunge bis auf die Gegenwart. Nach amtlichen Quellen". Das Buch erschien im darauffolgenden in Berlin in der Geheimen Oberhofdruckerei Rudolf Decker und bis heute in zahlreichen Neuauflagen, etwa 1976 bei Auvermann in Glashütten, 1987 bei Deckers Verlag in Heidelberg. Die 816 Seiten des Werkes schrieb der Verwaltungsangestellte Stephan, während er nebenher die Stufen der Hierarchie in der preußischen Postverwaltung erklomm. Kommunikation galt dem hochgebildeten Mann alles, das belegt sein erstaunlicher Lebensweg.

Am 7. Januar 1831, kam Heinrich Stephan in Stolp / Pommern zur Welt. Fünf Tage nach seinem fünfzigsten Geburtstag ließ er versuchsweise die ersten acht Teilnehmer im Stadtfernsprechverkehr zu und weitere sieben Monate später, genauer gesagt am 15. August 1881, die erste öffentliche Sprechstelle – nach der Formulierung Stephans -, also eine Telefonzelle aufstellen.

 

Der „Emporkömmling"

Heinrich Stephan, der kein Techniker war, wird dennoch in dem Band Techniker aus der Reihe Berlinische Lebensbilder mit seiner Biographie vorgestellt.

Zur Begründung schreibt Wilhelm Treue:

„Er hat auf keinem Niveau des Hochschulwesens studiert, kein Technikerexamen bestanden, auch nicht als Techniker gearbeitet und seine Familie ernährt. Aber er hat in den siebziger und achtziger Jahren in Preußen und im Deutschen Reich technische Leistungen von großer politischer, wirtschaftlicher, finanzieller, organisatorischer und nicht zuletzt kultureller Bedeutung veranlaßt. Durch sein Verständnis für die umfassende Bedeutung des Nachrichtenwesens für Existenz und Entwicklung einer mitteleuropäischen Groß- und schließlich einer Weltmacht haben Telegraphie und Telefonie in Deutschland gegen Ende des 19. Jahrhunderts einen außerordentlichen Umfang und eine viel beneidete Qualität erlangt."

Seine berufliche Laufbahn nach offensichtlich überdurchschnittlich erfolgreichem Schulbesuch begann Stephan als Postschreiber im Stolper Postbüro. Nach Berlin holte ihn 1856 sein pommerscher Landsmann Generalpostdirektor Schmückert. Als herausragende Leistungen der nächsten Jahre sind Stephans Buch zur Geschichte der preußischen Post (1858) – bis heute ein Standardwerk – und die Erfindung der Korrespondenzkarte, sprich: Postkarte (seit 1872), sowie die Gründung der Reichsdruckerei zu nennen.

Reichskanzler Otto von Bismarck ernannte den von ihm bewunderten „Emporkömmling" am 29. April 1870 zum Generalpostmeister der Norddeutschen Bundespostverwaltung. Selbstverständlich schien es, daß Stephan nach der Reichsgründung Reichspostmeister wurde, weniger, daß er am 1. Juli 1875 den Allgemeinen Postverein (1878 Weltpostverein) gründete.
Die beruflichen Aktivitäten und persönlichen Neigungen des Mannes zeigen die außerordentliche Weitreiche seiner Interessen, die das Verkehrs- und Nachrichtenwesen in allen seinen sich nun ausdifferenzierenden Bereichen erfaßte: Von der Postkarte über die Geschichte des Verkehrswesens im Mittelalter bis zur Bedeutung des Suezkanals als Weltverkehrsstraße und des Luftschiffs für die Weltpost – kaum ein Bereich, mit dem Heinrich Stephan sich nicht beschäftigte, und das mit der Akribie eines Wissenschaftlers.

 

Adelstitel und Denkmäler für den Postschreiber

Die Strategie war erfolgreich. Aufgrund der allgemeinen Anerkennung seiner vielseitigen Leistungen erhielt Stephan nicht bloß die Berufung in das Preußische Herrenhaus (Bundesratsgebäude) und die Ehrendoktorwürde der Universität zu Halle, sondern am 1. Januar 1876 auch die Bestätigung seines Vorschlags durch den Reichstag, die Reichstelegraphie mit der Reichspost zu vereinen. In diesen Jahren – um 1876 – initiierte Stephan den Aufbau der modernen Telegraphie zunächst in Deutschland, dann in der ganzen Welt. Dieses Werk brachte er in jenem Jahr zu einem vorläufigen Abschluß, als er der Telephonie an die Öffentlichkeit half: 1881.

Das Anerbieten Bismarcks, Finanzminister des Deutschen Reiches zu werden, lehnte Stephan glücklicherweise ab. Wer weiß, ob sonst die Reichspostdampferlinien nach Ostasien und Australien (1885/86) und die eigene telegraphische Verbindung nach den Vereinigten Staaten von Amerika (1882 ff.) so schnell zustande gekommen wären. Kaiser Wilhelm I. dankte ihm das alles 1885 mit der Erhebung in den Adelsstand.

Als Heinrich Stephan am 8. April 1897 aufgrund seiner Zuckerkrankheit starb, war vielen Menschen die Bedeutung seines Werkes schon nicht mehr bewußt. Telegraphie und Telephonie, das gesamte Post- und Telegraphenwesen einschließlich der Postkarte hatten sich längst derart selbstverständlich im alltäglichen Leben integriert, daß der Mann dahinter mehr Popularität durch seine Volkstümlichkeit besaß, die in der Bezeichnung der Postboten als „Stephans-Boten" zum Ausdruck kam, als durch seine ungemein zukunftsweisenden Leistungen.

Begraben wurde Heinrich Stephan auf dem Friedhof der Dreifaltigkeitsgemeinde I in Kreuzberg, zwischen Zossener Straße und Mehringdamm. Dort ruht er neben solch bekannten Persönlichkeiten der Berliner Geschichte wie Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy, Karl und Rahel Varnhagen.

Schon im Mai 1897 erging ein Aufruf an die Postbeamten, sich an der Stiftung sowohl eines Grabmonumentes als auch eines Denkmals im Hof des Postgebäudes in der Leipziger Straße zu beteiligen. Mit Erfolg. 1899 konnten Denkmal und Grabmal, beide von dem Bildhauer Joseph Uphues geschaffen, eingeweiht werden. Das Denkmal im Hof des Berliner Postmuseums wurde 1964 mutwillig – wahrscheinlich auf Anordnung des damaligen Direktors - zerstört. An seinem Grab wacht immer noch die trauernde Gestalt. Das Denkmal, das Stephan sich selbst setzte, war das Postmuseum (Museum für Kommunikation), das er als Vorbild für weitere gleichartige Museen ab 1874 aufgebaut hatte.

 

| Nr. 25, September 2008 |

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- © gerhild komander 9/08 -

Berlin im Blick

Berliner Geschichte

1278 Das St. Georgs-Hospital wird erstmals urkundlich namentlich erwähnt.
1288 Erste urkundliche Erwähnung von Lichtenberg, Lichterfelde und Rosenfelde (Friedrichsfelde)

1308 3. März Die Doppelstadt Berlin-Cölln schließt ein Schutzbündnis mit anderen märkischen Städten.
Erste urkundliche Erwähnung von Heiligensee
1348 Die Pest fordert auch in der Mark und in Berlin-Cölln viele Tote. Die Juden werden als Urheber beschuldigt und verfolgt.
Der "falsche Woldemar" trifft in Berlin ein. König Karl IV. anerkennt ihn als letzten Askanier, um ihn als Verbündeten gegen die Wittelsbacher einzusetzen.
Ein Stadtbrand richtet großen Schaden an.
1358 Erste urkundliche Erwähnung von Stralau
1378 Sigismund, zweiter Sohn Karls IV., wird Mitregent in der Mark.
Am 29. November stirbt Karl IV.
1388 Markgraf Sigismund wird König von Ungarn und verpfändet die Mark Brandenburg an seinen Vetter Jobst von Mähren.

1448 Die Bürger von Berlin und Cölln erheben sich im Berliner Unwillen gegen den Landesherren.
19. Juni Berlin und Cölln unterwerfen sich dem Kurfürsten.
Zunftprivilegien darf zukünftig nur der Landesherr gewähren.
1458 28. April Auf dem Neuen Markt wird Matthäus Hagen nach einem Inqisitionsprozess als Anhänger der hussitisch-taboristischen Lehre hingerichtet.
1488 Der Kurfürst erhebt die „Bierziese".
10. September Johann Zehender erhält das städtische Privileg für zwei Apotheken in Berlin.

1518 Die kurfürstliche Städte- und Polizeiordnung legt einheitliche Maße und Gewichte fest.
1528 25. März Kurfürstin Elisabeth flieht nach Wittenberg.
1538 bis 1540 Caspar Theyss erbaut das Renaissanceschloß zu Cölln.
1558 In Köpenick entsteht das Renaissanceschloss.
Das Gutshaus Tegel wird urkundlich erwähnt.
1568 Erste urkundliche Erwähnung von Treptow
1578 Rochus Guerini Graf zu Lynar kommt nach Berlin, erweitert das Schloss und baut die Spandauer Zitadelle aus.
Am Spandauer Mühlentor lässt er eine Pulvermühle errichten.
1598 Joachim Friedrich wird Kurfürst.

1608 Johann Sigismund wird Kurfürst.
1618 Der Dreißigjährige Krieg beginnt.
In Cölln wird eine reformierte Domschule für Knaben gegründet.
1628 Markgraf Sigismund fordert von der Bürgerschaft 140 000 Taler Kontribution zum Unterhalt der kaiserlichen Truppen.
Wallenstein nimmt Quartier in Berlin-Cölln.
Der Kurfürst erlässt ein Verbot für Zeitungen.
Matthias Czwiczek wird brandenburgischer Hofmaler.
Die Pocken breiten sich in Berlin-Cölln aus.
1638 Kurfürst Georg Wilhelm übergibt Adam Graf Schwarzenberg die Statthalterschaft.
1648 Die Pocken breiten sich in Berlin-Cölln aus.
Zu Münster und Osnabrück wird der Westfälische Frieden geschlossen.
1658 Berlin-Cölln wird Garnisonstadt: Der Kurfürst läßt in 508 Bürgerhäusern 1 500 Militärangehörige mit ihren 400 Frauen und 500 Kindern sowie Dienstpersonal einquartieren.
Der Bau der Festungsanlagen beginnt unter der Leitung von Johann Gregor Memhardt.
Einfuhrverbot für Glaswaren
1668 24. Juni Friedrich Wilhelm heiratet in zweiter Ehe Herzogin Dorothea von Holstein-Glücksburg.
1678 Der Hofjägermeister von Lüderitz legt die Hasenheide an.
Benjamin Raule errichtet durch Umbau des kurfürstlichen Ballhauses Raules Hof auf dem Friedrichswerder.
30. Juli Mit der Grundsteinlegung für die Dorotheenstädtische Kirche wird der erste Kirchenbau in Berlin-Cölln seit dem Mittelalter begonnen.
Adam de Clerck wird kurfürstlicher Hofmaler.
1678 bis 1687 Rutger van Langerfeld und Michel Matthias Smids erbauen die Dorotheenstädtische Kirche.
1688 9. März Der Große Kurfürst stirbt. - Friedrich III. (I.) wird Kurfürst.
14. August Friedrich Wilhelm I. (der Soldatenkönig) wird geboren.
Der Perspektivplan von Berlin-Cölln, gezeichnet von Johann Bernhard Schultz, erscheint.
Samuel von Pufendorf wird kurfürstlicher Historiograph.
Constantin Friedrich Blesendorf, Johann Ulrich Crause und Augustin Oldenburgh fertigen das Kupferstichwerk zum Leichenbegängnis des Kurfürsten Friedrich Wilhelm an.
Johann Arnold Nering beginnt mit der Anlage der Friedrichstadt.
Der Gendarmenmarkt wird angelegt.
Abraham Jansz Begeyn wird kurfürstlicher Vedutenmaler.
1698 Andreas Schlüter beginnt mit Um- und Neubau des Residenz-schlosses.
Der Marinemaler und Schiffsbaumeister Michiel Maddersteeg wird an Hof berufen.

1708 27. November Friedrich I. und seine dritte Gemahlin Sophie Luise von Mecklenburg-Schwerin ziehen in Berlin ein.
1718 Die Berliner Hausbesitzer gründen die Versicherungsgesellschaft der Feuersozietät Berlin.
Der von Johann Sigismund Elsholtz 1679 angelegte Hof- und Küchengarten bei Schöneberg (Kleistpark) erhält die Bezeichnung Botanischer Garten.
Friedrich Wilhelm I. besucht erstmals die Synagoge.
1728 Der Prozeß gegen Dorothea Steffin ist der letzte Hexenprozeß in Berlin.
1738 Friedrich Wilhelm I. schenkt das Neue Lusthaus der Berliner Kaufmannschaft zur Einrichtung ihrer Börse.
1748 15. November Das Invalidenhaus wird eingeweiht.
Gotthold Ephraim Lessing kommt zum ersten Mal nach Berlin.
Der Invalidenfriedhof wird angelegt.
Johann Julius Hecker gründet ein Lehrerseminar.
Friedrich II. verfügt die Verhaftung von Bettlern und deren Überstellung ins Zuchthaus oder zur Arbeit im Ochsenkopf.
Die Künstler Blaise Nicolas Lesueur und Charles Amédée Philippe Vanloo werden nach Berlin berufen.
Der Arzt und Philosoph Julien Offray de La Mettrie wird an den königlichen Hof berufen.
1748 bis 1766 Jan Boumann erbaut das Palais Prinz Heinrich (Humboldt-Universität).
1768 21. März Das Lustspiel „Minna von Barnhelm" von Gotthold Ephraim Lessing wird in der Behrenstraße uraufgeführt.
1778 Gründung der Jüdischen Freischule
Johann Wolfgang von Goethe besucht Berlin und Potsdam.
1788 Der König erläßt das Religionsedikt und eine Zensurverordnung.
Martin Heinrich Klaproth entdeckt die Zirkonerde und das Uranium.
Die Berliner Gymnasien führen mündliche und schriftliche Prüfungen zur Erlangung der Hochschulbefähigung ein.
27. September Erster Ballonaufstieg Francois Blanchards vor dem Brandenburger Tor.
1788 bis 1791 Carl Gotthard Langhans erbaut das Brandenburger Tor.
1798 Die Jungfernbrücke entsteht in ihrer heutigen Gestalt.
1798 bis 1802 Heinrich Gentz erbaut die Münze am Werderschen Markt.

1808 19. November Die wahlberechtigten Bürger Berlins wählen aufgrund der preußischen Städte die ersten Berliner Abgeordneten.
1818 Die Berliner Sparkasse wird gegründet.
1828 Die Berliner Universität erhält den Namen Friedrich-Wilhelm-Universität.
1838 Der Volkspark Hasenheide wird nach Plan von Peter Joseph Lenné begonnen.
1848 6. März Beginn der Revolution in Berlin
18. März Barriakdenkämpfe in Berlin
19. März Aufbahrung der "Märzgefallenen"
1868 Berliner Asylverein für Obdachlose gegründet
1878 Hofprediger Adolf Stoecker gründet die Christlich-Sociale Arbeiterpartei.
1888 Dreikaiserjahr: Tod Wilhelms I. und Friedrichs I.
Gründung der Urania
Gustav Krocisius gründet die Spree-Havel-Dampfschiffahrtsgesellschaft Stern.
11. September Das Lessing-Theater am Schiffbauerdamm öffnet.
1898 5. Februar Gründung der Künstlervereinigung Berliner Secession
1. April Die Gemeinde Schöneberg wird Stadt.

1908 28. Januar Eröffnung des Hebbel-Theaters
17. Mai Friedrich ARchenhold legt den Grundstein für die Sternwarte für die Volkssternwarte.
10. Juni Eröffnug des Märkischen Provinzialmuseums
1918 Ende des Ersten Weltkriegs
1928 Gründung der BVG
1948 Berliner Luftbrücke
1968 Studentenunruhen

 

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