Gerhild Komander

Tipps + Termine

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Stadtführung Berlin 
Boxhagener Platz, Friedrichshain - Stadtführung in einem Szenekiez
In Zusammenarbeit mit der VHS Reinickendorf
Sonnabend, 24.2.18, 11 Uhr

150 Westhafen

Vortrag zur brandenburgischen und Berliner Geschichte
Die Hugenotten kommen!
In Zusammenarbeit mit dem Gerhart-Hauptmann-Museum Erkner
Montag, 26.2.18., 18 Uhr

Maerchenbr 150

 

Julius Pintsch

Und es ward Licht ...

Julius Pintsch, die Ordnung Gottes und die Berliner Straßenbeleuchtung

 

Vom Klempner zum Fabrikbesitzer: eine typische Berliner Karriere in der Aufbruchstimmung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie begann am 26. April 1843 am Stralauer Platz in Friedrichshain, in einem Keller des Hauses Nr. 4. Hier arbeitete Julius Pintsch, stellte Beleuchtungskörper her, Lampen und Laternen, und reparierte Gasmesser und Leuchten, die vorwiegend aus Großbritannien stammten. Denn sie wurden mit Gas betrieben, nicht mehr mit Öl und Petroleum, und in Berlin gab es zu dieser Zeit keine Werkstatt, keine Fabrik, die mit Gas betriebene Leuchten herstellte.

 

„Nach der Ordnung Gottes ist die Nacht zur Finsternis eingesetzt"

Während in London länger schon Gasbeleuchtung Wohnungen und Straßen erhellte, begann deren Einführung in Berlin 1825 mit dem Vertrag für die Imperial Continental Gas Association (1826 das erste Gaswerk Berlins an der Gitschiner Straße). Nicht jede(r) war begeistert über diese Neuerung. Es gab Bedenken theologischer und anderer Art:

„Weil sie als Eingriff in die Ordnung Gottes erscheint. Nach dieser ist die Nacht zur Finsternis eingesetzt, die nur zu gewissen Zeiten vom Mondlicht unterbrochen wird. Dagegen dürfen wir uns nicht auflehnen, den Weltplan nicht hofmeistern, die Nacht nicht zum Tage verkehren wollen."

 

Die Gasanstalt entsteht am Stralauer Platz

Dennoch setzte sich die Gasbeleuchtung durch, und das war gut für Julius Pintsch. Ende der vierziger Jahre, als das Monopol der britischen Firma auslief, begann die Stadtverwaltung Berlin mit dem Aufbau einer eigenen Gasversorgung und nutzte die Erfahrung der wenigen vorhandenen Gastechnikbetriebe. Die Werkstatt Pintsch profitierte um so mehr, als die von Rudolf Sigismund Blochmann 1844 begonnene Gasanstalt ihren Standort direkt am Stralauer Platz, gegenüber dem 1841/42 als Frankfurter Bahnhof errichteten Ostbahnhof, erhielt. Die Gasanstalt wurde am 1. Januar 1847 eröffnet.

 

Die Firma Pintsch zieht hinterher

1845 war Julius Pintsch in eine Wohnung am Stralauer Platz 5 gezogen, 1846 erhielt er seinen Eintrag in das Berliner Meisterbuch, 1848 kaufte er das Haus Stralauer Platz Nr. 6/7 und baute eine Fabrik. Seinen selbst konstruierten Gasmesser lehnte die Stadtverwaltung zunächst ab. Erst der Bürgerdeputierte Humblot erreichte, dass Julius Pintsch 1851 einen Auftrag zur Herstellung von fünfzig Gasmessern erhielt. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Auftragslage der Fabrik derart positiv, dass Pintsch 1863 eine größere Fabrik in der Andreasstraße 73 eröffnen konnte.

 

Fahrende Gaslampen in 52 000 Eisenbahnwaggons

Filialen in Dresden und Breslau folgten. Die räumliche Nähe zur Königlich Niederschlesischen Eisenbahn (daher Schlesischer Bahnhof) brachte Pintsch einen weiteren lukrativen Auftrag. Er sollte die Eisenbahnwaggons mit Gasleuchten ausstatten. Auch die Königlich Niederschlesische Eisenbahn wollte „den Weltplan hofmeistern" und die Nacht zum Tage machen, waren doch die Wegstrecken, die man nun per Eisenbahn zurücklegen konnte, länger, als die Kritiker der Gasbeleuchtung erlaubten. Die zuvor benutzten Öllampen und Kerzen gefährdeten die Sicherheit von Mensch und Zug.

Die Schwierigkeit, das Gas auch auf der Zugfahrt kontinuierlich in gleichmäßiger Stärke aus dem Druckbehälter strömen zu lassen, überwand Richard Pintsch, der Sohn des Firmengründers, mit seinem Gasdruck-Regulator. Die Nachfrage nach „fahrenden Gaslampen" stieg enorm. 1893 hatte die Firma nahezu 52 000 Waggons mit ihren Beleuchtungskörpern erhellt.

 

Berliner Leuchtbojen an den Küsten der Weltmeere

Eine andere Verwendung für das vielseitige Gas fand die preußische Regierung. Sie erteilte der Firma Pintsch 1867 den Auftrag für den Bau von Torpedos, wodurch Pintsch – wie viele Berliner Fabrikanten tatsächlich – beinahe in die kriegswichtige Industrie eingestiegen wäre (1893 erfolgte der Einstieg unter den Söhnen).

Pintsch-Bojen waren neutral einsetzbar: Pintsch nutzte seine Erfahrungen aus dem Unterseeminenbau und konnte 1877 die ersten Leuchtbojen zwischen St. Petersburg und Kronstadt / /Kronschtadt verlegen lassen. Pintsch-Bojen sicherten den Nord-Ostsee-Kanal und den Suezkanal.

Carl Friedrich Julius Pintsch, der am 6. Januar 1815 als Sohn eines Gartengewächshändlers (Gemüsehändler) in Berlin geboren worden war, hatte die feinmechanische Präzisionsarbeit in der Berliner Gastechnik eingeführt, für seine Arbeiter eine Unterstützungskasse gestiftet und seinen Söhnen zu Lebzeiten eine stabile Firma übereignet. Er starb am 20. Januar 1884 in seiner Heimatstadt und wurde im Familiengrab auf dem Friedhof St. Georgen bestattet.

Gerhild H. M. Komander

 

Der Text erschien zuerst im "Berliner Lindenblatt" 2006.

 

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Berlin im Blick

Berliner Geschichte

1278 Das St. Georgs-Hospital wird erstmals urkundlich namentlich erwähnt.
1288 Erste urkundliche Erwähnung von Lichtenberg, Lichterfelde und Rosenfelde (Friedrichsfelde)

1308 3. März Die Doppelstadt Berlin-Cölln schließt ein Schutzbündnis mit anderen märkischen Städten.
Erste urkundliche Erwähnung von Heiligensee
1348 Die Pest fordert auch in der Mark und in Berlin-Cölln viele Tote. Die Juden werden als Urheber beschuldigt und verfolgt.
Der "falsche Woldemar" trifft in Berlin ein. König Karl IV. anerkennt ihn als letzten Askanier, um ihn als Verbündeten gegen die Wittelsbacher einzusetzen.
Ein Stadtbrand richtet großen Schaden an.
1358 Erste urkundliche Erwähnung von Stralau
1378 Sigismund, zweiter Sohn Karls IV., wird Mitregent in der Mark.
Am 29. November stirbt Karl IV.
1388 Markgraf Sigismund wird König von Ungarn und verpfändet die Mark Brandenburg an seinen Vetter Jobst von Mähren.

1448 Die Bürger von Berlin und Cölln erheben sich im Berliner Unwillen gegen den Landesherren.
19. Juni Berlin und Cölln unterwerfen sich dem Kurfürsten.
Zunftprivilegien darf zukünftig nur der Landesherr gewähren.
1458 28. April Auf dem Neuen Markt wird Matthäus Hagen nach einem Inqisitionsprozess als Anhänger der hussitisch-taboristischen Lehre hingerichtet.
1488 Der Kurfürst erhebt die „Bierziese".
10. September Johann Zehender erhält das städtische Privileg für zwei Apotheken in Berlin.

1518 Die kurfürstliche Städte- und Polizeiordnung legt einheitliche Maße und Gewichte fest.
1528 25. März Kurfürstin Elisabeth flieht nach Wittenberg.
1538 bis 1540 Caspar Theyss erbaut das Renaissanceschloß zu Cölln.
1558 In Köpenick entsteht das Renaissanceschloss.
Das Gutshaus Tegel wird urkundlich erwähnt.
1568 Erste urkundliche Erwähnung von Treptow
1578 Rochus Guerini Graf zu Lynar kommt nach Berlin, erweitert das Schloss und baut die Spandauer Zitadelle aus.
Am Spandauer Mühlentor lässt er eine Pulvermühle errichten.
1598 Joachim Friedrich wird Kurfürst.

1608 Johann Sigismund wird Kurfürst.
1618 Der Dreißigjährige Krieg beginnt.
In Cölln wird eine reformierte Domschule für Knaben gegründet.
1628 Markgraf Sigismund fordert von der Bürgerschaft 140 000 Taler Kontribution zum Unterhalt der kaiserlichen Truppen.
Wallenstein nimmt Quartier in Berlin-Cölln.
Der Kurfürst erlässt ein Verbot für Zeitungen.
Matthias Czwiczek wird brandenburgischer Hofmaler.
Die Pocken breiten sich in Berlin-Cölln aus.
1638 Kurfürst Georg Wilhelm übergibt Adam Graf Schwarzenberg die Statthalterschaft.
1648 Die Pocken breiten sich in Berlin-Cölln aus.
Zu Münster und Osnabrück wird der Westfälische Frieden geschlossen.
1658 Berlin-Cölln wird Garnisonstadt: Der Kurfürst läßt in 508 Bürgerhäusern 1 500 Militärangehörige mit ihren 400 Frauen und 500 Kindern sowie Dienstpersonal einquartieren.
Der Bau der Festungsanlagen beginnt unter der Leitung von Johann Gregor Memhardt.
Einfuhrverbot für Glaswaren
1668 24. Juni Friedrich Wilhelm heiratet in zweiter Ehe Herzogin Dorothea von Holstein-Glücksburg.
1678 Der Hofjägermeister von Lüderitz legt die Hasenheide an.
Benjamin Raule errichtet durch Umbau des kurfürstlichen Ballhauses Raules Hof auf dem Friedrichswerder.
30. Juli Mit der Grundsteinlegung für die Dorotheenstädtische Kirche wird der erste Kirchenbau in Berlin-Cölln seit dem Mittelalter begonnen.
Adam de Clerck wird kurfürstlicher Hofmaler.
1678 bis 1687 Rutger van Langerfeld und Michel Matthias Smids erbauen die Dorotheenstädtische Kirche.
1688 9. März Der Große Kurfürst stirbt. - Friedrich III. (I.) wird Kurfürst.
14. August Friedrich Wilhelm I. (der Soldatenkönig) wird geboren.
Der Perspektivplan von Berlin-Cölln, gezeichnet von Johann Bernhard Schultz, erscheint.
Samuel von Pufendorf wird kurfürstlicher Historiograph.
Constantin Friedrich Blesendorf, Johann Ulrich Crause und Augustin Oldenburgh fertigen das Kupferstichwerk zum Leichenbegängnis des Kurfürsten Friedrich Wilhelm an.
Johann Arnold Nering beginnt mit der Anlage der Friedrichstadt.
Der Gendarmenmarkt wird angelegt.
Abraham Jansz Begeyn wird kurfürstlicher Vedutenmaler.
1698 Andreas Schlüter beginnt mit Um- und Neubau des Residenz-schlosses.
Der Marinemaler und Schiffsbaumeister Michiel Maddersteeg wird an Hof berufen.

1708 27. November Friedrich I. und seine dritte Gemahlin Sophie Luise von Mecklenburg-Schwerin ziehen in Berlin ein.
1718 Die Berliner Hausbesitzer gründen die Versicherungsgesellschaft der Feuersozietät Berlin.
Der von Johann Sigismund Elsholtz 1679 angelegte Hof- und Küchengarten bei Schöneberg (Kleistpark) erhält die Bezeichnung Botanischer Garten.
Friedrich Wilhelm I. besucht erstmals die Synagoge.
1728 Der Prozeß gegen Dorothea Steffin ist der letzte Hexenprozeß in Berlin.
1738 Friedrich Wilhelm I. schenkt das Neue Lusthaus der Berliner Kaufmannschaft zur Einrichtung ihrer Börse.
1748 15. November Das Invalidenhaus wird eingeweiht.
Gotthold Ephraim Lessing kommt zum ersten Mal nach Berlin.
Der Invalidenfriedhof wird angelegt.
Johann Julius Hecker gründet ein Lehrerseminar.
Friedrich II. verfügt die Verhaftung von Bettlern und deren Überstellung ins Zuchthaus oder zur Arbeit im Ochsenkopf.
Die Künstler Blaise Nicolas Lesueur und Charles Amédée Philippe Vanloo werden nach Berlin berufen.
Der Arzt und Philosoph Julien Offray de La Mettrie wird an den königlichen Hof berufen.
1748 bis 1766 Jan Boumann erbaut das Palais Prinz Heinrich (Humboldt-Universität).
1768 21. März Das Lustspiel „Minna von Barnhelm" von Gotthold Ephraim Lessing wird in der Behrenstraße uraufgeführt.
1778 Gründung der Jüdischen Freischule
Johann Wolfgang von Goethe besucht Berlin und Potsdam.
1788 Der König erläßt das Religionsedikt und eine Zensurverordnung.
Martin Heinrich Klaproth entdeckt die Zirkonerde und das Uranium.
Die Berliner Gymnasien führen mündliche und schriftliche Prüfungen zur Erlangung der Hochschulbefähigung ein.
27. September Erster Ballonaufstieg Francois Blanchards vor dem Brandenburger Tor.
1788 bis 1791 Carl Gotthard Langhans erbaut das Brandenburger Tor.
1798 Die Jungfernbrücke entsteht in ihrer heutigen Gestalt.
1798 bis 1802 Heinrich Gentz erbaut die Münze am Werderschen Markt.

1808 19. November Die wahlberechtigten Bürger Berlins wählen aufgrund der preußischen Städte die ersten Berliner Abgeordneten.
1818 Die Berliner Sparkasse wird gegründet.
1828 Die Berliner Universität erhält den Namen Friedrich-Wilhelm-Universität.
1838 Der Volkspark Hasenheide wird nach Plan von Peter Joseph Lenné begonnen.
1848 6. März Beginn der Revolution in Berlin
18. März Barriakdenkämpfe in Berlin
19. März Aufbahrung der "Märzgefallenen"
1868 Berliner Asylverein für Obdachlose gegründet
1878 Hofprediger Adolf Stoecker gründet die Christlich-Sociale Arbeiterpartei.
1888 Dreikaiserjahr: Tod Wilhelms I. und Friedrichs I.
Gründung der Urania
Gustav Krocisius gründet die Spree-Havel-Dampfschiffahrtsgesellschaft Stern.
11. September Das Lessing-Theater am Schiffbauerdamm öffnet.
1898 5. Februar Gründung der Künstlervereinigung Berliner Secession
1. April Die Gemeinde Schöneberg wird Stadt.

1908 28. Januar Eröffnung des Hebbel-Theaters
17. Mai Friedrich ARchenhold legt den Grundstein für die Sternwarte für die Volkssternwarte.
10. Juni Eröffnug des Märkischen Provinzialmuseums
1918 Ende des Ersten Weltkriegs
1928 Gründung der BVG
1948 Berliner Luftbrücke
1968 Studentenunruhen

 

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