Gerhild Komander

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Die Musikerin und Musikförderin

Unbestritten bleibt demnach Wilhelmines Anteil an der Bayreuther Musikgeschichte. In den Bereich der Musik fiel die herausragende künstlerische Betätigung Wilhelmines. Dieses Interesse teilte ihr Mann mit ihr. Unabhängig von den Geboten des pietistischen Vaters nahm sie als Markgräfin sofort die Gelegenheit wahr, sich in dieser Richtung intensiv weiterzubilden. Im Schloß Monbijou ihrer Mutter Sophie Dorothea hatte Wilhelmine zu den dortigen Konzerten Spinett gespielt. Sie spielte Laute und Cembalo, hatte Gesangsunterricht. In Bayreuth galt zeitlebens ihr Hauptinteresse der Oper, vornehmlich der italienischen, die sie mit Hilfe teils hervorragender Künstler aus Italien unter der Leitung des Hofkapellmeisters Johann Pfeiffer, den sie 1733 nach Bayreuth holte, pflegte. 1737 übertrug Markgraf Friedrich seiner Gemahlin auf ihr Bitten hin die Intendanz der Oper. Wilhelmine studierte Komposition bei Pfeiffer und Franz Benda und Gesang bei Giuseppe Antonio Paganelli. Wie Markgraf Georg Wilhelm Jahrzehnte zuvor in der Eremitage nahm sie als Ausführende an den Aufführungen teil. "Wilhelmine vollzog insofern eine Wende, als sie die in ihrer Zeit international maßgeblichen Bereiche der italienischen Oper und des französischen Schauspiels an ihrem Hof etablierte und (...) entsprechende Kräfte verpflichtete."29

 

Von den eigenhändigen Kompositionen der gelehrigen und begabten Schülerin haben sich das Konzert in g-moll für Cembalo solo30 und die Partitur der Oper "Argenore" mit dem Libretto Giovanni Andrea Galettis erhalten.31 Die Handlung der Oper "Argenore," gedruckt 1756, ist über die bloße musikalische Präsenz hinaus ein Beleg für den Versuch der Königstochter aus persönlichen Erfahrungen schöpfend das eigene philosophisch-humanistische Ideal darzustellen. Sie gab dem Librettisten das Handlungsgerüst vor. König Argenore droht seiner Tochter Palmida mit dem Tode, falls sie sich nicht bereit erklärt, den ausgewählten zukünftigen Ehegatten, Leonidas, zu akzeptieren. Palmida aber liebt Ormondo und beharrt entgegen der machtpolitischen Intentionen des Vaters mit dieser Verbindung auf ihr persönliches Recht auf eine erfüllte Liebe. Leonidas tötet Ormondo. Palmida erfährt, daß der Geliebte ihr verschollener Bruder war. Sie geht in den Tod. Der nun kinderlose Vater folgt ihr. Wilhelmine bricht bewußt mit der höfischen Konvention, daß die Oper an sich der Fürstenhuldigung zu dienen habe, und läßt in ihrem Werk kein glückliches Ende zu. Darüber hinaus verweist das autobiographisch gefärbte Drama auf ihre psychische Verfassung. Sie hatte die Mißhandlungen des Vaters nicht verwunden. Diese "Selbstentblößung" einer Fürstin findet ein Gegenüber in dem Pastell Wilhelmines, einer Kopie nach Guido Reni, das Bildnis der Selbstmörderin Lucretia.32 Am 19.2.1750 berichtete Wilhelmine in einem Brief an Friedrich II. von der Geburt ihrer Enkelin: "Soeben ist bei meiner Tochter ein kleines Wesen angetroffen, über das man gewöhnlich die Nase rümpft, wenn es zur Welt kommt, und das später doch oft wie eine Gottheit angebetet wird. Du ahnst schon, daß es das schöne Geschlecht ist, das diese verschiedenen Wirkungen hervorruft. Ich empfehle das kleine Ding, die Mutter und die Großmutter meinem teuren Schirmherrn und Freund, der mir das Liebste auf Erden ist." Die verhaltene Bitterkeit über den nie vergessenen Umstand als Tochter und nicht als der ersehnte Thronfolger auf die Welt gekommen zu sein, erschien Wilhelmine als der Grund ihrer Leiden.33

 

Wilhelmine nahm ebenso wesentlichen Einfluß auf die einzelnen Opernaufführungen. Zahlreiche Libretti stammen von ihrer Hand. Zu einigen existieren noch Entwürfe für Bühnenbilder von Carlo Galli Bibiena.34 Die Musik war auch der Hauptgegenstand des regen Briefwechsels Wilhelmines mit Ihrem Bruder Friedrich. Friedrich II., dessen musikalisches Genie unentwegt gerühmt wird, lobte seine Schwester keineswegs aus schmeichelnder Freundschaft. Er legte ihr mehrfach seine und die Werke anderer Komponisten und Librettisten zur Begutachtung vor. Beispielhaft sei der Brief vom 16. April 1754 vorgestellt, in dem Friedrich Wilhelmine das Libretto für die Oper "Montezuma" zukommen ließ: "Liebste Schwester! Ich erlaube mir, Dir einen Mexikaner zu Füßen zu legen, der noch nicht ganz kultiviert ist. Ich habe ihm Französisch beigebracht; jetzt soll er Italienisch lernen. Ehe ich mir aber diese Mühe gebe, sage mir bitte offen, ob es sich lohnt. Die Mehrzahl der Arien soll kein Dakapo erhalten; nur die zwei Arien sind dazu bestimmt. Ich weiß nicht, wie Du das Ganze, die Szenenfolge, den Dialog findest, und ob es mir gelungen ist, die Handlung spannend zu gestalten. Da aber die Sache nicht eilt, könnte ich das, woran Du etwas auszusetzen hast, leicht ändern. Die Wirkung des Stückes ließe sich sogar leicht erproben. Da Du eine vorzügliche französische Theatertruppe hast, brauchst sie es nur in Deinem Zimmer aufzuführen, auch wenn die Rollen nur abgelesen werden."35

 

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