Gerhild Komander

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Ein selbstbestimmtes Leben?

Wilhelmine als Markgräfin in Bayreuth

Am 17. Mai 1735 trat Erbprinz Friedrich die Nachfolge seines verstorbenen Vaters als Markgraf an. Wilhelmine, die sich in ihren Memoiren gerühmt hatte, sich nicht in die Regierungsgeschäfte ihres Mannes einzumischen, nahm sehr wohl und sehr bestimmt daran Anteil. Der unerfahrene Markgraf ernannte auf ihren Rat hin den Juristen Philipp Andreas Ellrodt zu seinem Geheimsekretär. "Seitdem der Markgraf Ellerot berufen hatte, waren seine Finanzen wieder im Aufschwung begriffen. Man fand, daß die Einkünfte sich bedeutend höher gestalten ließen, vermutlich hatten die Herren der Rechnungskammer sie bisher bezogen. (...) Statt arm zu sein, waren wir mit einem Male reich geworden."16 Wilhelmine erhielt zum Regierungsantritt die Eremitage geschenkt. Der Markgraf erhöhte ihre jährlichen persönlichen Einkünfte um das Dreifache, so daß seine Frau die lange gehegten Wünsche der Stadtverschönerung und zur Einrichtung der Eremitage als ihr Refugium nach eigenen Vorstellungen verwirklichen konnte. Der Ausgestaltung des alten Schlosses gehörte für die nächsten Jahre bevorzugt ihre Aufmerksamkeit. In jeder Hinsicht entfaltete die Markgräfin nun ein reges künstlerisches Leben in Bayreuth. Doch immer wieder erkrankte sie. Der Arzt Daniel Superville, den der König ihr 1738 zur Linderung ihrer Krankheiten sandte, ihr später gar überließ, verstand es tatsächlich, ihrem kränkelnden Körper, wohl auch dem empfindsamen Geist wieder auf die Beine zu helfen. Superville gewann Einfluß auf die Markgräfin. In diese Zeit fielen die ersten Gerüchte um die Mätressenwirtschaft des Markgrafen, die Wilhelmine ignorierte.

 

Mit dem Tod Friedrich Wilhelms I. am 31. Mai 1740 sah Wilhelmine, die ihren Vater seit Jahren nicht gesehen hatte, vor allem das Glück ihres Bruders sich nun endlich erfüllen. Als Friedrich II. bestieg er den Thron in Preußen. Seinen Beteuerungen zum Trotz, der liebsten Schwester stets nur der Bruder zu bleiben, wollte Friedrich II. König sein, uneingeschränkt und unbeeinflußbar. Er verlangte Truppenaushebungen in der Markgrafschaft und wies die Schwester dringlicher noch, als er es als Kronprinz getan hatte, auf die zwingend notwendige Beschränkung ihrer Ausgaben hin. Der Markgraf bestand ebenso wie Friedrich II. auf seine Ansprüche auf die Herzogtümer Jülich, Kleve und Berg, und die Markgräfin bezeugte ihrem Gemahl Loyalität. Der Besuch im August 1740 in Bayreuth verlief deshalb ebenso unglücklich wie der Gegenbesuch des Markgrafenpaares im Oktober in Berlin. Wilhelmine sah sich im Bruder getäuscht, hatte er doch wie der Vater einst versprochen, sie aller Geldnöte zu entheben, sobald er König sei. Längst aber hatte sich der König politischen und militärischen Plänen zugewandt, die ihn über den Tod seiner Schwester hinaus beschäftigen sollten. Am 16.12.1740 erfolgte der Einmarsch brandenburgisch-preußischer Truppen in Schlesien. Wilhelmine war damit keineswegs einverstanden. Als ihr der Bruder 1742 die Heirat ihrer Tochter mit dem Erbprinzen Karl Eugen von Württemberg vorschlug, der am Berliner Hof erzogen wurde, zögerte sie nicht nur in Erinnerung an ihre eigenen Erfahrungen. Am 21. Februar 1744 wurde die Verlobung der Prinzessin Friederike von Bayreuth mit Herzog Karl Eugen von Württemberg begangen.

 

Obwohl die Geschwister um die gegenseitige Konkurrenz wußten, sprachen sie sie niemals offen aus. Während Friedrich II. um Schlesien kämpfte, widmete sich Wilhelmine dem Ausbau Bayreuths und ihrer Schlösser und Gärten. In Bayreuth trat im Juli 1743 der Architekt Joseph Saint Pierre seinen Dienst als Hofbaudirektor an. Gegen alle Ratschläge des Bruders fuhr Wilhelmine fort, ihre künstlerischen Pläne zu verwirklichen und Bayreuth zu einer wahrhaftigen Residenz zu erheben. Im September stattete Friedrich II. der Schwester seinen Besuch ab, im Gefolge Voltaire, der lebhafte Gespräche mit der Markgräfin führte, die sie in freundschaftlichem Briefverkehr bis zu ihrem Tode fortsetzten. Im November feierte man die Einweihung der Universität Erlangen. Als Wilhelmine ihre Hofdame und Vertraute Wilhelmine von Marwitz mit dem österreichischen Grafen Burghauß am 8. April 1744 verheiratete, kam es zum Bruch mit Friedrich II. Thiel beschreibt die Angelegenheit als einen Akt der Freundschaft. Um die Freundin nicht zu verlieren, verheiratete Wilhelmine sie mit dem Grafen. Friedrich bestand darauf, die reiche Erbin aus Brandenburg innerhalb seiner Lande zu verheiraten.17

 

Nicht nur der Bruder schien für Wilhelmine verloren. Sie entdeckte, daß die Vertraute die Geliebte des Markgrafen war. Die Gerüchte aus früheren Jahren hatten sich bewahrheitet. Immer wieder fand sich Wilhelmine im Konflikt mit ihren Gefühlen zu den von ihr geliebten Menschen und ihrem Stolz, dem sich aus lebenslang erlittenen, tiefen Kränkungen erwachsene Überheblichkeit und Selbstüberschätzung beimischten. So führte sie selbst die ihr schmerzliche Zeit ohne Briefwechsel mit dem Bruder herbei, indem sie der Gegnerin des Königs, Maria Theresia, am 12. Oktober 1745 ihre Aufwartung machte. "Wilhelmine war dabei, sich abzufinden. Betrogen von der Freundin und vom Gemahl, verachtet von der Mutter, entfremdet dem geliebten Bruder, hatte sie sich auf sich selbst zurückgezogen und sich schon seit 1744 auf ihre eigene Insel geflüchtet."18 Die "Insel" war die Eremitage bei Bayreuth, deren steten Ausbau die Markgräfin betrieb. Auch der entferntere Felsengarten Sanspareil, den sie anlegen ließ, diente ihr als Zufluchtsort. Daß sie weiterhin an der Gräfin Burghauß festhielt, scheint unverständlich. Der Tod der geliebten Oberhofmeisterin Dorothea von Sonsfeld am 29. Juni 1746 stürzte Wilhelmine endlich in große Verzweiflung. Doch die Bindung an den Bruder sollte sich als die stärkste in ihrem Leben erweisen. Sie entschloß sich, die Gräfin Burghauß loszuwerden, die Ursache ihrer Leiden in den letzten Jahren zu besiegen, konnte dies aber nur mit des Königs Hilfe, die ihr sofort zugesagt wurde. 1748 wurde das Jahr der endgültigen Aussöhnung. Gräfin Burghauß verließ Bayreuth. Am 26. September wurde die vom König erwünschte Heirat der Prinzessin Friederike mit dem Herzog Karl Eugen von Württemberg mit größtem Aufwand und gleichzeitiger Vollendung des Opernhauses gefeiert. Friedrich II. war zu diesem Fest, das zum Höhepunkt in der Regierungszeit des markgräflichen Paares wurde und Friederike in ihr Unglück schickte, nicht anwesend. Doch entschädigte Wilhelmine der Aufenthalt in Berlin von August bis Dezember 1750. Der König ehrte sie wie seine Königin.19

 

Als am 26. Januar 1753 ein Brand das Schloß in Bayreuth vernichtete, besann sich Wilhelmine scheinbar auf die zur Konfirmation gesprochenen Worte, daß Reichtum und Macht nicht als Ursprung irdischen Glücks gelten könnten. Insgeheim jedoch war der Neubau einer Residenz längst beschlossen gewesen und wurde nun gegen den Rat des sparsamen Königs ausgeführt. Friedrich II., der seit der Versöhnung den Bayreuther Hof immer wieder finanziell unterstützte oder ihm neue Einnahmen verschaffte, ließ die Schwester gewähren. Auch das große Abenteuer, die italienische Reise vom Oktober 1754 bis August 1755, bezahlt mit einer neuerlichen Kopfsteuer der markgräflichen Untertanen, rügte Friedrich nicht.20 Wilhelmine nahm von der Reise überwältigende Eindrücke mit nach Bayreuth und ließ sie in die Ausstattung des Neuen Schlosses einfließen. Mit dem Ausbruch des Siebenjährigeren Krieges geriet die Markgrafschaft als mögliches Durchgangsland kaiserlicher Truppen in große Bedrängnis. Tatkräftig setzte sich Wilhelmine um der eigenen Sicherheit willen und zu Friedrichs Nutzen für die Neutralität des Fränkischen Kreises ein. Den Tod der Königinmutter Sophie Dorothea am 28.6.1757 nahm die Tochter gefaßt hin. Sie hatten seit der Heirat Wilhelmines kein rechtes Verhältnis mehr zueinander gehabt. Die Markgräfin begann zu kränkeln, wurde ernsthaft krank, so daß ihr der Tod des Prinzen August Wilhelm am 12.5.1758 verheimlicht wurde. Friedrich II. war es unmöglich, die Kranke aufzusuchen. Nur wenig tröstete sie der Besuch des Prinzen Heinrich. Am 6. August 1758 errichtete Wilhelmine ihr Testament, in dem sie Friedrich II. unter anderem ihre in Italien erworbenen Antiken vermachte. Die Geschwister hatten sich seit Friedrichs II. Besuch im Juni 1754 in Bayreuth nicht mehr gesehen. Ausgerechnet die Nacht der schweren Niederlage Friedrichs II. bei Hochkirch am 14. Oktober fiel mit dem Tod Wilhelmines zusammen.

 

Wie passend erscheint nach dem Lebensabriß der Markgräfin der Titel der Trauerrede "Die Abscheulichkeit eines verstockten und unempfindlichen Herzens," die "am XXII. Sonntag nach dem Feste der H. Dreyfaltigkeit, über das gewöhnliche Evangelium abgebildet, und zugleich der frühzeitige Tod Ihrer Königl. Hoheit, Frau Friederika Sophia Wilhelmina, vermählter Marggräfin zu Brandenburg-Culmbach, gebohrner Königl. Prinzessin von Preußen, unserer durchlauchtigsten Landesmutter und gnädigsten Frau, beweinet" wurde.21

 

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