Gerhild Komander

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Wilhelmine muß heiraten

Nach der Vermählung der jüngeren Schwester Friederike Luise (geb. 28.9.1714) nach Ansbach am 30. Mai 1729 erhielt Wilhelmine selbst am 25. Januar 1730 den Befehl des Königs zur Verheiratung entweder mit dem Prinzen von Weißenfels oder dem Markgrafen von Schwedt. Ihre standhafte Weigerung hatte sie mit derben Strafen zu bezahlen. Nach Landesrecht konnte der Vater sie nicht zwingen, gegen ihren Willen verheiratet zu werden. Der dramatische Fluchtversuch Friedrichs aus der königlichen Armee und außer Landes am 5. August 1730 trieb die gehetzte und verängstigte Atmosphäre am königlichen Hof auf die Spitze. Die Gefangennahme des Bruders, die Hinrichtung des Freundes Katte und das folgende Verhör, das der Vater mit ihr wegen Verdachts auf Mitwisserschaft veranstaltete, ließen Wilhelmine im Oktober schwer erkranken, so daß die Heiratspläne für kurze Zeit ruhen mußten. Am 11. Mai 1731 erreichte sie der Befehl Friedrich Wilhelm I., den Erbprinzen Friedrich von Bayreuth zu ehelichen. Wilhelmine willigte ein, wurde am 3. Juni verlobt und am 20. November vermählt. Erbprinz Friedrich hatte im August als Oberst das Kommando über das durch den Tod des Grafen Schulenburg in Pasewalk stationierte Dragonerregiment erhalten. Friedrich Wilhelm I. plante, seine Tochter und seinen Schwiegersohn auf diese Weise im Lande und unter Kontrolle zu halten. Die vorerst letzte Demütigung durch den König mußte Wilhelmine mit der Unterzeichnung des Ehevertrages hinnehmen. Hierin verzichtete sie wie zuvor ihre Schwester Friederike auf ihr Erbe, sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits. Als Aussteuer gestand man ihr 40000 Taler und für die Verzichtserklärung weitere 60000 Taler zu. Der markgräfliche Hof, der ein Darlehen von 400000 Talern zur Begleichung drückender Schulden erwartet hatte, mußte sich nach zähen Verhandlungen mit 260000 Talern zufrieden geben. So zog die Königstochter fast mittellos in Bayreuth ein.14

 

Erst am 22. Januar 1732 erfolgte die Ankunft Wilhelmines und Friedrichs in Bayreuth. Der Schwiegervater, Markgraf Georg Friedrich Carl, verübelte Wilhelmine schwer die mangelnde finanzielle Unterstützung des Königs. Wilhelmine wiederum war furchtbar enttäuscht über den Zustand der Stadt, des Schlosses und des Adels. Allein die Zuneigung zu ihrem Gatten tröstet sie über die Zeit. Die Sparmaßnahmen in Bayreuth gingen so weit, daß ihr der Markgraf die Kosten für die ersehnte erste Reise nach Berlin nicht gab und Wilhelmine den Vater um Hilfe bitten mußte. Friedrich Wilhelm I. hatte seiner Tochter versprochen, für sie auf das beste zu sorgen, sobald sie nur in eine ihm genehme Heirat einwilligen würde. Er hatte sie betrogen. Sie war ihm fortan bis zu seinem Tode finanziell ausgeliefert. Die Geburt des einzigen Kindes, der Tochter Elisabeth Friederike Sophie am 30. August 1732, stimmte zumindest den König derart freundlich, daß Wilhelmine auf unbeschwerte Tage in Berlin hoffen konnte. Sie ließ ihr Kind in der Obhut einer Amme und kehrte Bayreuth für Monate den Rücken. Während ihrer Anwesenheit heiratete Kronprinz Friedrich am 12. Juni 1733 Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern. Die Zustimmung Friedrichs war vermutlich mit der Unterstützung Wilhelmines erreicht worden. Kurz darauf erfolgte die Heirat der jüngeren Schwester Charlotte mit dem Schwager Friedrichs, dem Erbprinzen Karl von Braunschweig-Bevern. Die Monate in Berlin gestalteten sich für Wilhelmine unerfreulich, die Hoffnung auf ein Ende der Intrigen und der Tyrannei war vergeblich gewesen, daß sie nun alles an eine baldige Rückkehr nach Bayreuth setzte.

 

Nach zehn Monaten kehrten Wilhelmine und Friedrich zu ihrem Kind in die Residenzstadt zurück. Der Erbprinz widmete sich zur Belustigung seiner Gemahlin viele Stunden seiner kleinen Tochter. Wilhelmine las. Sie studierte Crousaz und Locke, um Leitlinien für die Erziehung ihrer Tochter, die ihr allein zustand, zu entwickeln. John Locke vertrat eine den Erziehungsmethoden Friedrich Wilhelms I. konträr gegenüberstehende Pädagogik. Er verwarf Zwang, Erniedrigung und körperliche Züchtigung und gab der individuellen Erziehung breiten Raum.15 Wilhelmine wollte sich diese Grundsätze für sich selbst und für ihre Tochter zu eigen machen. Die Feindseligkeiten zwischen Frankreich und Österreich zogen mit Ausbruch des Krieges um die polnische Thronfolge alsbald auch die Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth in die europäischen Wirren ein. Der Markgraf, Erbprinz Friedrich und Wilhelmine sahen sich vor die Wahl gestellt, dem König in Preußen Dienst zu tun und damit ihr Land verwüstet zu sehen oder dem Kaiser zu folgen und mit dem König, dem Oberhaupt des Hauses, zu brechen. Der Erbprinz übernahm das kaiserliche Dragonerregiment und das Kürassierregiment des Fränkischen Kreises. Sollte sich Friedrich Wilhelm I. auf die Seite Frankreichs stellen, würde Wilhelmine mit ihrer Familie auf der gegnerischen Seite von Vater und ihrem geliebten Bruder stehen.

 

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