Gerhild Komander

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Der Tempel der Freundschaft

Unvergessen blieb Wilhelmine dem König, ihrem Bruder.

Das Verhältnis Wilhelmines und Friedrichs II. zueinander wurde bestimmt durch die familiäre Situation, ideelle und geistige Vorlieben, die politische Stellung der Markgrafschaft Bayreuth im Deutschen Reich und durch das persönliche Verhalten des Markgrafen, der wohl hinter Friedrich II. an zweiter Stelle stand. Das Verhalten Wilhelmines in Betreff auf die Liebschaft ihres Mannes, durch das das Zerwürfnis mit dem Bruder zustande kam, ist mehr ein Beispiel der Selbsterhaltung denn eine Bevorzugung des Gatten vor dem Bruder. Ihre Biographie offenbart ein beständiges Ringen um Unabhängigkeit und Erfüllung. Die gegenseitige Zuneigung, die Liebe der Geschwister überstand alle Mißlichkeiten, gleich welcher Art.

Die erstaunliche Nähe trotz der großen räumlichen Entfernung, zu deren Überbrückung auf einem Weg drei Tage nötig waren, verdeutlicht der Traum, den der König am 24. Mai 1758 seinem Vorleser Henri de Catt erzählte: "Ich habe beinahe kein Auge zugetan, und die paar Augenblicke, während welcher ich geschlafen habe, waren unruhig, und von einem seltsamen Traume erfüllt. Mir träumte, meine Mutter stiege aus dem Grabe im Dom! mein Bruder, der Prinz von Preußen, und meine Bayreuther Schwester gaben ihr die Hand und führten sie; ich ging meiner Mutter entgegen, um ihr die Hand zu küssen, als mein Vater auf mich zukam, mich mit zorniger Miene betrachtete und in erregtem Tone zu mir sagte: 'Was tust du da? Schwere dich hinweg, und Sie, meine Markgräfinnen, kommen Sie näher!`"80 Gab de Catt die Erzählung des Königs richtig wieder, so träumte der König vom Tod seiner Geschwister, der geliebten Wilhelmine und dem verstoßenen August Wilhelm. Er selbst lehnte jede Form der Traumdeutung ab, warf sie zusammen mit Ahnungen und Propheten. Wie Friedrich II. dieses Zeichen nicht sehen wollte, hatten beide aus den Erfahrungen der Jugend wenig gelernt, fühlten sich statt dessen weiterhin weitgehend der höfischen Etikette auch dann verpflichtet, als sie "frei" waren. Die Statue, die Friedrich II. Wilhelmine zum Gedenken im Freundschaftstempel aufstellen ließ, entsprach diesen Konventionen jedoch nicht.

 

Das Vorbild für diese Statue, das Gemälde Antoine Pesnes, gehört nicht nur zu den schönsten Porträts seiner Zeit, es war vielleicht das liebste Bildnis Wilhelmines für Friedrich II. Möglicherweise zog auch Wilhelmine selbst dieses Gemälde anderen vor, denn sie ließ es nach der Italienreise in der "Allegorie auf Markgräfin Wilhelmine als Förderin der Künste," von Juda Löw Pinhas 1756 wiederholen.81 Offen schaut sie dem Betrachter ins Gesicht, für einen Moment die Meditation unterbrechend. Die antikisierenden Anklänge der Statue versinnbildlichen die Hinwendung des Geschwisterpaares zu den geistigen und künstlerischen Gütern der römischen Antike. Dieses Denkmal der Markgräfin und Schwester, was sie vor allem war, ist als Denkmal der Freundschaft ein wenig auch ein Denkmal Friedrichs II., der nicht nur Auftraggeber war, sondern auch Bruder und in der keineswegs für selbstverständlich zu erachtenden geschwisterlichen Zuneigung weit darüber hinaus liebender und verehrender Freund.82 Daß Friedrich II. der Abschied von seiner Schwester schwer fallen würde, bezeugt ein Brief nach ihrem Besuch 1750 in Berlin in rührender Weise: "Als ich hier ankam, suchte ich Dich überall und fand Dich nicht. ich glaubte mich allein in diesem großen Schloß. Ich blickte nach Deinen Fenstern und sagte mir: >Da wohnte meine Schwester, die durch ihre Anwesenheit die Wonne meines Lebens bildete. Da haben wir soupiert und unsere Herzen vermählt.<"83 Wilhelmine versicherte ihm vier Jahre später mit ähnlichen Worten den gleichen Schmerz: "Am Tage nach Deiner Abreise habe ich das Bett gehütet, und sobald es mir etwas besser ging, hatte ich nichts Eiligeres zu tun, als in die Zimmer zu laufen, die Du bewohnt hast. Alle Stätten, wo ich mit Dir weilte, habe ich durchstreift."84

1835 durchstreifte Fürst Pückler Franken und besuchte Bayreuth. "In der Hermitage hielt ich mich einige Stunden auf. (...) Aber wie verfallen ist hier aller alter Glanz! Der Park und die Gärten sind verwildert und mit Unkraut durchwachsen, die neuen Anlagen geschmacklos, die schönen Wasserkünste fast zum Sumpf geworden, von den seltsamen Mosaiksäulen und Façaden bröckeln sich die Steine los, im Innern der Zimmer riecht es nach Moder, die Meubles sind wurmstichig, und verschossen die bunten Farben, die sie einst belebten. - Es hat etwas tief Trauriges! Gehörte es mir, ich schlöße es zu und überließe es ganz dem Zahne der Zeit. Nach zwanzig Jahren wäre es wieder schön und könnte in einem Roman … la Radcliff die prächtigste Rolle spielen. Einige Zimmer passen schon jetzt vortrefflich dazu, z. B. das mit einer Fontaine in der Mitte, die kein Wasser mehr hat und um welche künstliche Orangenbäume und Blumen von gemaltem Blech stehen, auf deren Aesten sich eben so gespenstische Papageien schaukeln;"85

 

Gerhild H. M. Komander

 

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