150 Aepfel500 Jahre Reformation

Martin Luther und seine Briefe an Katharina Luther


Marburg, 4. Oktober 1529

Meinem freundlichen lieben Herrn Katharina Lutherin, Doktorin, Predigerin zu Wittenberg.

Gnad und Fried in Christo! Lieber Herr Käth!

Wisset, daß unser freundlich Gespräch zu Marburg ein Ende hat, und seind fast in allen Stücken eins, ohne daß die Widerteil wollten eitel Brot im Abendmahl behalten und Christum geistlich darinnen gegenwärtig bekennen. Heute handelt der Landgraf, ob wir könnten eins werden, oder doch gleichwohl, so wir uneins blieben, dennoch Brüder und Christus' Glieder unter einander uns halten. Da arbeit der Landgraf heftig. Aber wir wollen des Brüdern und Glieders nicht, friedlich und Guts wollen wir wohl. Ich achte, morgen oder übermorgen wollen wir aufbrechen und zu Eurem Gnädigen Herrn gen Schleiz in Vogtland ziehen, dahin uns Seine Kurfürstlichen Gnaden berufen hat.

Sage dem Herrn Pommer, daß die besten Argumente seind gewesen des Zwingli, daß corpus non potesse esse sine loco, ergo Christo corpus non est in pane. Ich achte, Gott habe sie verblendet, daß sie nichts haben müssen fürbringen. Ich habe viel zu tun, und der Bot' eilet. Sage allen gute Nacht und bittet für uns! Wir seind noch alle frisch und gesund und leben wie die Fürsten. Küßt mir Lenchen und Hänschen!
Am Tage Francisci, 1529.
Euer williger Diener
Martinus Luther

Johann Brenz, Andreas Osiander, Doktor Stephan von Augsburg seind auch hier kommen.
Sie seind hier toll worden mit Schweißschrecken, gestern haben sich bei funfzig geleget, deren seind eins oder zwei gestorben.

               ***

Martin Luther weilte im Oktober 1529 zu den Marburger Religionsgesprächen in der Stadt.

 

Literatur

Zitiert aus: Martin Luther. Briefe an Freund und an die Familie, herausgegeben von Albrecht Beutel, München: Beck 1987

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