Gerhild Komander

Wedding-Nachrichten

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150 Nordhafen

Stadtführungen Berlin Wedding

Frauen im Wedding. Von den Benediktinerinnen zu Constanze Behrends
In Zusammenarbeit mit der VHS Mitte
Donnerstag, 8. März 2018, 14 Uhr

Afrika im Wedding. Das Afrikanische Viertel: Architektur, Stadtplanung, Kolonialgeschichte
In Zusammenarbeit mit der VHS Mitte
Sonntag, 18. März 2018, 11 Uhr

Neue Heimat Wedding. Von der Kolonie zum QM: Der Soldiner Kiez
In Zusammenarbeit mit der VHS Mitte
Freitag, 6. April 2018, 16 Uhr

Bruno Taut und Mies van der Rohe. Bauten im Wedding
In Zusammenarbeit mit der VHS Reinickendorf
Dienstag, 17. April 2018, 11 Uhr

Von der Schillerhöhe zum Schäfersee. Wohnsiedlungen auf der grünen Grenze zwischen dem Wedding und Reinickendorf
In Zusammenarbeit mit der VHS Reinickendorf
Sonnabend,.21. April 2018, 11 Uhr

150 Ploetzensee

Kiezerkundung Berlin Wedding

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150 Schillerparksiedlung

 

Bruesseler 1Die Kolonien König Friedrichs II.

Friedrich der Große bringt den Wedding in Schwung.

 

friedrich II stettinBis 1740 waren im Berliner Umland vornehmlich Siedlungen gegründet worden, die das brandenburgische Gewerbe befördern sollten. Friedrich II. dagegen wies die Behörden an, sich auf bäuerliche Siedlungen zu konzentrieren, weil die Agrarproduktion des Berliner Raumes dem Bevölkerungswachstum der Landeshauptstadt nicht mehr standhalten konnte. Die steigende Einfuhr von Agrarerzeugnissen aus dem Ausland widersprach dem Credo des merkantilistisch orientierten Königs, der bestrebt war, Brandenburg-Preußen wirtschaftlich autark zu machen. Als erster der preußischen Könige gründete Friedrich II. deshalb Bauernsiedlungen in unmittelbarer Nähe Berlins. Müggelheim machte 1747 den Anfang.

 

Neben anderen Gründungen wandte sich Friedrich II. auch dem Sorgenkind der preußischen Domänenverwaltung zu, dem Berliner Norden. Flugsanddünen, wucherndes Kieferngehölz und Sumpfgelände charakterisierten das Land nördlich von Berlin im 18. Jahrhundert. Die Namen der Trift-, Fenn- und Torfstraße erinnern daran. Dieses wüste Land erstreckte sich Mitte des 18. Jahrhunderts bis an die Reinickendorfer Straße.

 

Den neuen Siedlern wurde die Aufgabe gestellt, durch Gartenbau und Landwirtschaft sowohl die Rekultivierung der Brache in Gang zu setzen, als auch zur Versorgung der stetig wachsenden Bevölkerung der Landeshauptstadt beizutragen. Die entstehenden Kolonien gehörten rechtlich in Teilen zur Stadt Berlin und zum Landkreis Niederbarnim. Die Panke bildete die Grenze zwischen "Stadt und Land".

 

Die Voigtländer lassen sich nieder

Ab 1752 entstand als erste der friderizianischen Kolonien die Kolonie Neu-Voigtland zwischen dem Rosenthaler und dem Hamburger Tor. 1751 wurde mit dem Bau von 30 Zweifamilienhäusern begonnen. Die Siedler aus dem sächsischen Voigtland gaben ihrer neuen Heimat den Namen. Sie waren Zimmerleute und Maurer, die bisher als Saisonarbeiter in Berlin ihr Geld verdient hatten, das sie des Winters zu Hause ausgaben. Das gefiel dem König nicht. Die Voigtländer sollten sich in seinem Lande etablieren und erhielten dazu eine Doppelhaushälfte mit Garten und ein Stück Land.

Als Standort wählte Friedrich II. das Gebiet an der hauptstädtischen Richtstätte aus: Die Kolonistenhäuser wurden südlich der späteren Bernauer Straße in vier Reihen zu je 15 Gebäuden westlich der Brunnenstraße, rechts und links der Ackerstraße sowie östlich der Bergstraße erbaut. Für die Besiedlung der Bergstraße wurde das Hochgericht auf den Galgenplatz, den heutigen Gartenplatz, verlegt.

Die Ansiedlung der ersten Gärtner befahl Friedrich II. mit einer Kabinettsorder vom 21.4.1770. Der Plan sah die Ausstattung von 100 Gärtnerfamilien mit Haus, Hof und vier Morgen Land vor, konnte aber aus Geldmangel so nicht realisiert werden. Zehn Familien aus Neuenburg in der Schweiz, das seit 1707 zu Brandenburg-Preußen gehörte, holte Friedrich II. in die Kolonie an der Gartenstraße und verpflichtete sie zum Anbau von "Küchengewächsen". Mit dem Bau der Häuser wurde 1772 begonnen. Der karge Boden brachte geringe Erträge und zwang die Kolonisten immer wieder, Hypotheken auf ihre Besitzungen aufzunehmen.

 

Kolonisten aus Ansbach und Bayreuth kommen an die Panke

1770/71 fasste Friedrich II. den Plan, 18 Gärtner auf dem Gelände westlich und östlich des Vorwerks Wedding anzusiedeln. Die Kolonisten stammten zum Teil wiederum aus hohenzollernschen Landen: aus Ansbach und Bayreuth, wohin zwei Schwestern des Königs, Friederike und Wilhelmine, 1729 und 1731 verheiratet worden waren. Rechts und links der Reinickendorfer Straße, in der Gegend um die heutige Gottsched- und Plantagenstraße, lag der Grund und Boden, den Friedrich II. den Neuankömmlingen zugedacht hatte.

Klaus Dettmer hat die Grundstücke aus den zeitgenössischen Quellen heraus lokalisiert. Danach umfasste die Kolonie am Wedding die Grundstücke Uferstraße 5-22, Wiesenstraße 32-35 und Reinickendorfer Straße 36-54 und 93-103 sowie Plantagenstraße 2-9, Adolfstraße 12-18 und Schererstraße 9-12a. Nachweisbar ist diese Siedlung erst in den Jahren 1782 und 1784. Sie wird manchmal auch als "Kolonie Neu-Wedding" bezeichnet.

 

Die Kolonie hinter dem Gesundbrunnen entstand als letzte der friderizianischen Kolonien zu beiden Seiten der Koloniestraße am rechten Pankeufer. 25 Kolonisten erhielten ihre Grundstücke in Höhe der Koloniestraße 43 bis 59 und 76 bis 119 zugewiesen. Ihre Bewohner, deren Herkunft aus Böhmen strittig ist, betrieben auch eine Maulbeerplantage.

 

Ein privater Investor tritt auf

Die letzte der Weddinger Kolonien verdankte ihre Entstehung privater Initiative. Seit 1766 hatte der Gastwirt Johann Friedrich Corsica Versuche unternommen, auf seinem Land an der Kreuzung Reinickendorfer Straße und Panke Kolonisten anzusiedeln. Zu diesem Zweck hatte er einen Teil des Vorwerks erworben. Corsica betrieb auf dem Wedding bereits einen Wirtschaftshof, zu dem eine Meierei, ein Gartenhaus, Gewächshäuser, Plantagen, u. a. mit Spargel, und Obstbaumschulen gehörten. Als er vom König das Erbpachtrecht erhielt, siedelte er in drei Häusern - zwei entstanden an der Reinickendorfer Straße, eines direkt an der Panke - sechs Kolonistenfamilien an. Die Fachwerkhäuser waren mit Stroh gedeckt. Die neuen Siedler kamen aus Sachsen, Jena, Weimar und Baruth.

 

Der König verschenkt Kolonistenhäuser

Rechte und Pflichten der Neusiedler wurden in den Grundbriefen festgeschrieben. Die Kolonistenhäuser errichtete Friedrich II. auf seine Kosten und wies den Siedlern das dazugehörige Land zur ausdrücklichen Nutzung als Garten an. Die Wohnhäuser erhielten nur ein Stockwerk, damit die Artillerie von den umgebenden Schießplätzen darüber hinwegschießen konnte. Der Exerzierplatz, nach dem die Exerzierstraße benannt wurde, lag zwischen den Kolonien "hinter dem Gesundbrunnen" und "Neu-Wedding", etwa dort, wo sich heute das Hallen- und Freibad an der Seestraße und der Schillerpark anstelle der einstigen "Wurzelberge" befinden. Nach Nordosten erstreckten sich Schießplätze bis zu den Hügeln vor der Kolonie Schönholz, deren Sand die Granaten auffing, wonach die Granatenstraße am S-Bahnhof Schönholz ihren Namen hat.

 

kolonistenhausDie Grundrisse der Wohnhäuser waren stets die gleichen: Stube, Kammer und Stall zu zwei Seiten eines in der Mitte gelegenen Flures. Zwei Familien teilten sich ein Wohnhaus. Größere Familien durften ein Doppelhaus bewohnen. In der Koloniestraße 57 ist ein einziges Haus zur Hälfte erhalten. Es wurde 1774 erbaut und steht unter Denkmalschutz.

Einen Eindruck vom Aussehen der Kolonistenhäusern gewinnt man auch in Potsdam-Babelsberg, wo im Ortsteil Nowawes in friderizianischer Zeit Weberhäuser nach dem gleichen Muster errichtet wurden.

Haus und Grund mit Inventar wurden "erb- und eigentümlich" übergeben mit der Auflage, daß erst die dritte Generation es veräußern dürfe, und auch das nur unter der Bedingung, dass der nachfolgende Besitzer Gärtner sei. Die Kolonisten verpflichteten sich, Haus, Hof und Garten auf eigene Kosten instand zu halten und die obligatorische Feuerversicherung, 500 Taler für ein Haus und 250 für eine Haushälfte, selbst aufzubringen. Die Kosten für die Obstbäume und für eine Kuh wurden ihnen erstattet.

 

Nach sechs Jahren, so hatte Friedrich II. befohlen, sollten die Gärten Erträge abwerfen. Dann setzte auch die Zahlung des Erbzinses ein. Das Wasser der Panke hatte der König wohlweislich in seine Überlegungen einbezogen. Gerade die Aufzucht von Obstbäumen verlangte eine intensive Bewässerung, weshalb die Kolonie hinter dem Gesundbrunnen und die Kolonie Neu-Wedding mit ihren Grundstücken dem Flußlauf folgten. Auch die Gärtnerkolonie an der Gartenstraße lag nicht weit von der Panke entfernt.

Die Kolonisten übten unterschiedliche Gewerke aus. Neben den Gärtnern waren Zimmerleute, Maurer, Garn- und Kattunweber, Blattbinder, Ziegelstreicher und Schmelzer dabei. Friedrich II. hatte Handwerker und Gärtner zum Nutzen der brandenburgischen und Berliner Wirtschaft ins Land geholt. Bald schon bildeten sie ein willkommenes Potential an Arbeitskräften für die aufstrebende Eisen- und Maschinenbauindustrie, da das karge Land die Siedler nicht ernährte.

 

Friedrich II. legt den Grundstein für den Wedding, vergißt aber den Schulbau

Was dem Gartenbau großen Nachteil brachte, gereichte einem anderen Handwerk auf dem Wedding zum Vorteil: Der starke Wind, der ungehindert über das Land fegte, trieb die Mühlen der Müller in der Müllerstraße an. Bevor hier 1809 die erste Mühle in Betrieb genommen wurde, gab es auf diesem Weg nach Tegel im 18. Jahrhundert bereits das Forsthaus, ein Waldwärterhaus, ein Wegewärterhaus und am Ende das Chausseehaus. Diese bewohnten Häuser stellen einen weiteren, aber nicht einheitlichen Siedlungspunkt des Wedding dar. Die eigentliche und anhaltende Siedlungspolitik auf dem Wedding und am Gesundbrunnen war durch Friedrich II. in Gang gesetzt worden.

An eine Schule hatte der König nicht gedacht, obwohl seit der Regierung Friedrich Wilhelms I. Schulpflicht in Brandenburg bestand. Die Siedlerkinder mussten den langen Weg nach Schönholz nehmen, um die dortige Schule zu besuchen. Hier hatte Königin Elisabeth Christine, die Frau Friedrichs II., eine Kolonie unter gleichen Bedingungen anlegen lassen, aber darüber hinaus auch eine Schule gestiftet, die über die Koloniestraße mit dem Gesundbrunnen verbunden war.

 

Gerhild H. M: Komander 2001/2014

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Wedding-Daten

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1318 Markgraf Woldemar überläßt den Benediktinerinnen des Klosters Spandau den Fischzoll der umliegenden brandenburgischen Gewässer, auch des Plötzensees.

1588 Die Benediktinerinnen des Klosters Spandau gebn im Zuge der Reformation und der damit einhergehenden Enteignung der Klöster die Mühle an der Panke an den Kurfürsten Johann Georg.

1728 Dorothea Steffin behauptet, auf dem Wedding dem Teufel begegnet zu sein. Ihr wird als Hexe der Prozeß gemacht.

1848 "Die Rehberger kommen!" im Rahmen der Notstandsgesetze und -baumaßnahmen wird der erste Berlin-Spandauer-Schiffahrtskanal gebaut. Die Arbeiter verleihen ihrer Forderung nach höheren Löhnen mit dem Marsch auf die Stadtmitte Berlins Ausdruck.

1888 Pfarrer Carl Schlegel, Diakonissen und Schülerinnen ziehen in das erste Gebäude des neu errichteten Paul-Gerhardt-Stifts in der Müllerstraße 56 ein.

1898 Die Brüder Wittler eröffnen ihre Bäckerei in der Müllerstraße 33 - zwischen Utrechter und Amsterdamer Straße.

1908 Die AEG errichtet ihre Werksgebäude in der Hussiten- und Voltastraße. Peter Behrens ist der leitende Architekt.
Am 15. Juni wird das Stadtbad Wedding in der Gerichtstraße eröffnet. Der Architekt ist Stadtbaurat Ludwig Hoffmann.
Am 7. Oktober öffnet die Gemeindeschule am Zeppelinplatz ihre Türen, das ebenfalls Ludwig Hoffmann entwarf.

1918 Die Arbeiter der Firmen AEG und Schwartzkopff marschieren in die Stadtmitte. Sie stehen am Anfang der Revolution in der Reichshauptstadt.

1938 SA-Angehörige zerstören die Synagoge auf dem Hof des Hauses Prinzenallee 87.

1948 Berlin-Blockade. 80 000 Menschen folgen dem Aufruf der SPD, auf dem Hertha-Sportplatz am S-Bahnhof Gesundbrunnen gegen die Blockade der SMAD und für die Freiheit der Stadt zu demonstrieren.

1958 Der Wedding erhält den bis heute einzigen Frauennamen auf einem Straßenschild: Aus dem Oskarplatz wird der Louise-Schroeder-Platz.

1978 Das Kaufhaus Karstadt am Leopoldplatz wird eröffnet.

1998 Am 30. Januar kann Tommy Spree das Anti-Kriegs-Museum in der Brüsseler Straße 21 eröffnen, das sein Großvater Ernst Friedrich nach dem Ersten Weltkrieg in der Waisenstraße betrieb.
Am 18. September lädt Gabriele Lange zur Ausstellungeröffnung in das Heimatmuseum Wedding in der Pankstraße: "Die Rehberger kommen!"

 

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