Gerhild Komander

Frauenthemen

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Claudia von Gélieu: Wegweisende Neuköllnerinnen

Von der Britzer Prinzessin zur ersten Stadträtin

Schon diesen Seitenumfang haben nur wenige Bücher über den Berliner Stadtteil Neukölln.* Frauen-Bücher haben ihn selten, auch Bücher über die Frauen in Berlin. Claudia von Gélieu hat einer besonderen regionalen Gruppe der Frauen in Berlin ein Buch gewidmet, daß einen auch in diesem Jahr sehr aktuellen Anlaß hatte: Straßenbenennungen im Bezirk. Erstmals in Deutschland erhielt 1996 ein Neubauviertel ausschließlich weibliche Straßennamen, in Neukölln.

Das Vorhaben lag der Frauenbeauftragten Renate Bremmert so am Herzen, daß sie ein Buch initiierte, daß der Frauengeschichte Neuköllns auf den Grund gehen sollte. Mit Claudia von Gélieu fand sie eine der wenigen AutorInnen, die sich mit den Frauen in Berlin befassen. Das Frauenviertel, das bis 1996 auf den Rudower Feldern am Obersee entstand, folgt denn auch gleich der Einleitung – in der die Autorin die erste Neuköllnerin sucht. Der Widerstand in der Bezirksregierung war nicht gering, als die Frauenbeauftragte forderte, alle zwanzig Straßen nach Frauen zu benennen. Schließlich müßten die Straßen Namen von Personen erhalten, die im Bezirk auch ein wichtige Rolle gespielt hatten.

Also gab es keine zwanzig Neuköllnerinnen, die ihre wirkenden Spuren hinterlassen hatten? Mit dieser Frage konfrontiert Claudia von Gélieu ihr Lesepublikum fast 260 Seiten lang. Natürlich wird es nicht langweilig, nur war es mühsam, die Spuren aufzudecken. Denn bis dahin hatte sich kaum jemand mit der weiblichen Seite Neuköllns beschäftigt. Zu entdecken gibt es die Buckower Hofbesitzerinnen, Witwen wie Marie-Luise Eggert, die ihr Bauernhaus 1827 errichten ließ. Das Freifräulein von Knyphausen besaß ein ganzes Gut, bekannt wurde es als Besitz ihres Ehemannes, des Grafen Hertzberg, unter dem Namen Schloß Britz.

Claudia von Gélieu betrachtet dann die im 18. Jahrhundert eingewanderten Böhmen, denen König Friedrich Wilhelm I. in Rixdorf Land zuteilte, von der weiblichen Warte aus. Die böhmische Gemeinde hielt sich nicht an die Aufforderung ihres Bischof Amos Comenius, Mädchen und Jungen gemeinsam zu unterrichten. Aber immerhin, hier war der Schulunterricht für Mädchen obligatorisch. Aus den religiösen Bedingungen entwickelten die Frauen böhmischer Abstammung – wie die Frauen in Berlin anderer Kirchen – die Chance, soziale Tätigkeiten zu einer bezahlten Berufstätigkeit zu entwickeln.

Natürlich arbeiteten in Neukölln viele Frauen in den typischen weiblichen Berufen Näherinnen, Landarbeiterinnen, Krankenschwestern, Verkäuferinnen, bald aber auch als Laborantinnen in den Fürsorgestellen und als Ärztinnen in den Krankenhäusern und Praxen des Bezirks. Und die Neuköllnerinnen übernahmen politische Verantwortung: Clara Bohm-Schuch arbeitete als Chefredakteurin der Zeitung „Die Gleichheit“, Marie Juchacz gründete die Arbeiterwohlfahrt, Luise Zietz erlangte eine Position im SPD-Parteivorstand.

Die Jahre der Republik – zwischen Revolution 1918 und Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 – waren gute Jahre für die Frauen in Berlin. Diese langen „zwanziger Jahre“ wurden in Neukölln auch durch den modernen Wohnungsbau geprägt. Bruno Taut, Architekt der weltberühmten Hufeisensiedlung, analysierte bei der Planung sehr wohl die Dreifachbelastung der Frauen durch Arbeit, Kindererziehung und Haushalt. Weit entfernt davon, eine Mitarbeit der Männer im Haushalt einbeziehen zu können, forderte und entwarf Taut rationale Küchen und schnörkellose Wohnungen, um die Hausarbeit zu reduzieren.

Durch alle Kapitel des Buches, die sich bis in die Zeit des Widerstands während des Nationalsozialismus und des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg ziehen, läßt Claudia von Gélieu immer sehr ausführlich die Frauen selbst zu Wort kommen. Das war ihr ein großes Anliegen und macht das gewichtige Buch um so lesbarer.


Claudia von Gélieu: Wegweisende Neuköllnerinnen. Von der Britzer Prinzessin zur ersten Stadträtin,
Berlin: Trafo Verlag 1998. 288 S. Mit zahlreichen Schwarzweißabbildungen. 12,80 Euro

*Rixdorfer Musen, Neinsager und Caprifischer: Musik und Theater in Rixdorf und Neukölln / hrsg. von Dorothea Kolland im Auftrag des Bezirksamtes Neukölln von Berlin, Abteilung Volksbildung/Kunstamt, Berlin: Edition Hentrich 1990. 319 S.

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Frauendaten

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Schiller Philosophie

Frauen in Berlin

1. Januar 1950 Die Schauspielerin Gertrud Eysoldt stirbt in Ohlstadt b. Murnau.
1. Januar 2010 Freya Gräfin von Moltke, Widerstandskämpferin, Schriftstellerin, Juristin, stirbt in Norwich, Vermont, USA.
2. Januar 1850 Elisabeth Gnauck-Kühne, Erzieherin, Schriftstellerin, Sozialpolitikerin, kommt in Vechede zur Welt.
6. Januar 1870 Die Gewerkschafterin Paula Thiede kommt in Berlin zur Welt.
7. Januar 1890 Augusta Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach Königin von Preußen und Deutsche Kaiserin stirbt in Berlin.
7. Januar 1890 Henny Porten, Schauspielerin, wird in Magdeburg geboren.
8. Januar 1840 Elise von Delbrück, Kunstfreundin und -förderin, kommt in Berlin zur Welt.
11. Januar 1860 Zarin Alexandra Feodorowna, geborene Prinzessin Charlotte von Preußen, stirbt in St. Petersburg.
13. Januar 1780 Luise Amalie Herzogin von Braunschweig-Bevern Prinzessin von Preußen, Königinmutter, stirbt in Berlin.
15. Januar 1900 Ella Auerbach, erste Berliner Rechtsanwältin mit Zulassung am Kammergericht, kommt in Frankfurt/Main zur Welt.
17. Januar 1860 Marie von Bunsen, Schriftstellerin und Malerin, wird in London geboren. (16.1.)
18. Januar 1870 Die Theaterleiterin Julie Gräbert, genannt Mutter Gräbert, stirbt in Berlin.
23. Januar 1980 Die Bühnen- und Film-Schauspielerin Lil Dagover stirbt in München.
28. Januar 1910 Tatjana Sais, Schauspielerin und Kabarettistin, wird in Frankfurt a. M. geboren.
29. Januar 1970 Käthe Kühl, geborene Nehrhaupt, Kabarettistin und Schauspielerin, stirbt in Berlin.


5. Februar 1790 Die Schriftstellerin Minna Apranzow wird in Berlin geboren.
11. Februar 1920 Die Malerin und Salonnière Luise Begas-Parmentier stirbt in Berlin.
12. Februar 1850 Die Schriftstellerin Auguste Hauschner kommt in Prag zur Welt.
18. Februar 1840 Elisabeth Christine Ulrike Herzogin von Braunschweig-Wolfenbüttel Prinzessin von Preußen stirbt in Stettin.
19. Februar 1980 Die Sozialarbeiterin Idamarie Solltmann stirbt in Dinklage.
20. Februar 1890 Evelyn Faltis, Komponistin, wird in Trautenau / Böhmen geboren.
22. Februar 2000 Olga Jensch-Jordan, Kunstspringerin und Trainerin, stirbt in Berlin.
23. Februar 1540 Hedwig Markgräfin von Brandenburg, Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg sowie Fürstin von Braunschweig-Wolfenbüttel, Tochter des brandenburgischen Kurfürstenpaares Joachim II. und Hedwig von Polen, kommt im Schloß zu Cölln (Berlin) zur Welt.
23. Februar 1860 Die Schriftstellerin Margarethe von Bülow kommt in Berlin zur Welt.
27. Februar 1860 Die Schauspielerin Paula Conrad-Schlenther kommt in Wien zur Welt.
27. Februar 1930 Helga Grebing, Historikerin und Professorin, kommt in Berlin zur Welt.


6. März 1940 Else Lehmann (Lehmann-Kuh), Schauspielerin, stirbt in Prag.
9. März 1980 Die Schauspielerin Olga Tschechowa stirbt in München.
12. März 2010 Hanna-Renate Laurien, Lehrerin und Politikerin, stirbt in Berlin.
13. März 1940 La Jana, geborene Margarethe Henriette Hiebel, Schauspielerin und Tänzerin, stirbt in Berlin.
15. März 1950 Die Schriftstellerin Susanne Kerckhoff stirbt in Berlin.
20. März 1880 Magda Trott, Schriftstellerin und Frauenrechtlerin, kommt in Freystadt (Schlesien, heute Kożuchów, Polen) zur Welt.
21. März 1860 Martha Fontane, Herausgeberin, kommt in Berlin zur Welt.
25. März 1880 Ludmilla Assing, Schriftstellerin, stirbt in Florenz.

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