Auf der Suche nach Klara Bloch (1908 - 1988)

geborene Begall, Taxifahrerin, Lebensretterin im Nationalsozialismus

Eine Frau übernimmt das Fuhrgeschäft der Familie und begegnet im Taxi der Liebe ihres Lebens.

Klara Bloch 

Geboren 13. Februar 1908 Berlin
gestorben 1988 Berlin


Die durchschnittliche Internet-Recherche zu einem Thema beginnt bei Google. Die Suche nach Klara Bloch, Taxifahrerin, führt am 1. Februar 2008, zwölf Tage vor ihrem 100. Geburtstag, zuerst auf die Website der Stadt Berlin. Dort macht die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen (welch eine Zusammenstellung) auf die Plakataktion „Frauen bewegen Berlin" aufmerksam. Im März 2001 waren die Porträts von 15 Berlinerinnen im Stadtbild Berlins zu sehen.

 

Klara Bloch gehörte dazu. Die Würdigung erfuhr sie unter den Frauen in Berlin nicht als Taxifahrerin, sondern für ihren couragierten Einsatz um das Leben anderer. Sie half dem Künstler Erich Bloch und zwei Frauen, die Menschenjagd der Nationalsozialisten zu überleben.

 

Charlottenburg hat jetzt einen Kläre-Bloch-Platz

Der Verein Klausenerplatz in Charlottenburg macht auf seiner Website auf den Kläre-Bloch-Platz und seine Namensgeberin aufmerksam. Er liegt zwischen Knobelsdorffstraße, Nehring- und Wundtstraße. Dass Klara Bloch die erste Taxifahrerin der Stadt Berlin war, ist hier zu lesen. Es ist ein Platz ohne Hausnummern, ganz klein, aber gärtnerisch gestaltet. Der Charlottenburger Bildhauer Achim Pahle entwarf eine Brunnenskulptur, die schon 1991 eingeweiht wurde. Seit dem 3. September 2004 trägt der Platz den Namen von Klara Bloch. Die AnwohnerInnen haben es sich so gewünscht.

 

Der dritte Google-Eintrag verweist auf den Artikel von Lorenz Jäger in der „FAZ.NET" vom 14. Januar 2008, Titel: „Deutsche Abgründe. Das Rätsel von Doktor Bloch". Der Autor bezieht sich auf Dr. Bloch, der im Fernsehen nicht selten als Akademiker, oft als Arzt auftrete. Dann kommt Lorenz Jäger auf einen besonderen Fernsehfilm zu sprechen: „Natürliche Auslese", der in Österreich spielt, im Jahre 1888, als in Deutschland drei Kaiser nacheinander regierten (Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II.): In diesem Film geht es um Klara.

 

„Klara fügt sich hörig ihrem wesentlich älteren Gatten Alois. Durch die Prügel ihres Ehemanns hat sie bereits mehrere Fehlgeburten erlitten, nun ist sie erneut schwanger. Bei der Geburt steht es nicht gut um Mutter und Kind. Der junge jüdische Arzt Dr. Bloch bemüht sich verzweifelt um das Leben seiner Patientin, obwohl er vom Kindsvater bedroht wird."

 

Doktor Bloch war der Arzt von Klara Hitler, schreibt Jäger und fragt:. „Und was sind diese Blochs und Doktor Blochs des Fernsehens, wenn nicht Phantome der Ermordeten und Verjagten, die nun umgehen? Irgendein Doktor Bloch wird uns weiter begleiten - so, als sei er nie weg gewesen. Ein bisschen unheimlich." Der überlebende Sohn erhält den in dieser Zeit sehr häufig gewählten Namen Adolf, was so viel wie „edler Wolf" bedeutet.

 

Und was hat das mit Klara Bloch zu tun?

Das ist die Kunst des „Google-Algorythmus'". Auf der Suche nach Klara Bloch stößt man halt auf diesen Text, der mit ihr nichts zu tun hat. Die Mutter Adolf Hitlers trägt ihren Vornamen, Dr. Bloch ihren Nachnamen. Und weil Google keine Intelligenz besitzt, spukt es aus, was die Rechnerei hergibt. In diesem Fall ist es interessant. Wer würde sich sonst schon mit der Mutter des Massenmörders beschäftigen?

 

Wie wichtig diese Beschäftigung ist, zeigt ein weiteres, sich daraus ergebendes Recherche-Ergebnis: Auf der Website Wolfsmutter bespricht Irene Fleiss das Buch „Klara Hitler. Muttersein im Patriarchat" von Christa Mulack (2005), dessen Inhalt sie einleitend in dem Satz zusammenfasst, im Patriarchat eine gute Mutter zu sein, sei unmöglich. (Beweise ich mit dieser Neugier Medien-Kompetenz?)

 

Es gibt / gab den Namen Klara Bloch noch öfter. Die Website Stolpersteine Würzburg erinnert an Berta Bloch, geboren im selben Jahr wie Adolf Hitler – 1889 -, die von 1931 bis 1942 in Würzburg bei ihrer Mutter Klara, geborene Marx, wohnte und am 23. September 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt wurde. Dort starb sie am 1. Mai 1943.

 

Vielleicht begegnete Berta Bloch der Pädagogin und Frauenrechtlerin Clara Emilie Marie Bloch – bekannt unter dem dritten Vornamen Marie - in Theresienstadt. Denn sie kam am 11. November 1942 aus ihrer Heimatstadt Rostock in das Lager, pflegte noch ihre Schwester Cläre an diesem tödlichen Ort, den sie selbst nicht mehr lebend verließ.

 

Ohne Vornamen nimmt die Internet-Suche nach Klara Bloch eine ganz andere Wendung: Zuerst erscheint natürlich Ernst, der Philosoph, der auch einige Zeit in Berlin, Kreuznacher Straße 52, lebte. Und dann sind wir Dank Wikipedia schon bei Adele Bloch-Bauer, der Bankierstochter und Fabrikantengattin, die Gustav Klimt in Wien Modell stand für ein Porträt, das der Gatte sich von seiner jungen Frau wünschte. Dies unglaublich goldene Bildnis war der Anfang einer Reihe von Bildnissen Adeles bis hin zur erotischen Darstellung Judith. Klimt malte es 1907. Ein Jahr später kam Klara Bloch auf die Welt, am 13. Februar vor einhundert Jahren.

 

Gerhild H. M. Komander

Der Text erschien zuerst im "Berliner Lindenblatt", Februar 2008.

 

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