Gerhild Komander

Frauenthemen

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Louise Schroeder: Die Bürgermeisterin als „Strohmann" im Kalten Krieg

Sie ist die erste Frau, die die EhrenBÜRGERwürde Berlins erhäelt. Warum? Alles ist bloß nur Zufall im Spiel der Mächte um die Macht in der Nachkriegszeit. Denn der „heimliche König" von Berlin, Ernst Reuter,  scheitert am Veto der sowjetischen Militäradministration.

 

Louise Schroeder: Die einzige Frau an der Spitze Berlins

Geboren am 2. April 1887 in Altona (Hamburg)

gestorben am 4. Juni 1957 in Berlin

bestattet auf dem Friedhof Hamburg-Ottensen

 

Der heimliche König von Berlin darf nicht regieren

Berlin, 14. April 1947. Der regierende Oberbürgermeister von Berlin, Otto Ostrowski (SPD), scheint überfordert.

Während der Berliner Magistrat darauf wartet, dass in der Alliierten Kommandantur die Bestätigung für den Rücktritt Ostrowskis fällt, erklärt Franz Neumann (SPD) im Rundfunksender RIAS (Radio im amerikanischen Sektor), die Wahl müsse nun auf einen Mann fallen, „der politische Erfahrung besitzt und genügend charakterliche Festigkeit mitbringt, um mit allem Widerstreit der Gegenwart fertig zu werden."

Ein Mann scheint die Anforderungen perfekt zu erfüllen: Ernst Reuter. Doch der „heimliche König" von Berlin scheitert am Veto der sowjetischen Militäradministration. Louise Schroeder ist die zweite Wahl. Am 8. Mai 1947 übernimmt sie die Funktion der amtierenden Oberbürgermeisterin. Sie ist bis heute die einzige Frau, die an der politischen Spitze Berlins stand.

 

1910 dürfen Frauen in eine politische Partei eintreten

Louise Schroeder kommt am 2. April 1887 in Altona (Hamburg) zur Welt. Der Vater ist Bauarbeiter, die Mutter unterhält einen Gemüseladen in der Völkerstraße. Im Gemüsekeller der Mutter macht das Mädchen ihre Schularbeiten, ein Kinderzimmer gibt es nicht. Sie darf die kaufmännische Gewerbeschule besuchen, nimmt mit 16 Jahren eine Anstellung als Bürokraft in Hamburg an und arbeitet sich zur Chefsekretärin hoch.

Vater und Heimatstadt prägen ihr politisches Bewusstsein – Altona ist eine Hochburg der Sozialdemokratie. 1910 schließt sie sich dem SPD-Ortsverband Altona-Ottensen an. Frauen werden bis dahin nur im „Segment" zugelassen: Sie müssen in einem – wenigstens durch ein Seil – abgetrennten Bereich sitzen. Sie dürfen nicht diskutieren, nicht Beifall klatschen. Der Eintritt in eine politische Partei wird ihnen im Jahre 1910 gestattet.

Louise Schroeder engagiert sich im typisch weiblichen Bereich der Politik, dem sozialen. Am 19. Januar 1919 zieht sie nach den ersten demokratischen Wahlen im Deutschen Reich in die Nationalversammlung ein. Ohne Unterbrechung gehört die Sozialpolitikerin allen Reichstagen der ersten deutschen Republik an.

Am 23. März 1933 zählt sie zu den 93 der 120 sozialdemokratischen Abgeordneten, die gegen das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich" stimmen (Ermächtigungsgesetz). Mit dem Gesetz will Reichskanzler Adolf Hitler die Ermächtigung erlangen, ohne Zustimmung von Reichstag, Reichsrat und Reichspräsidenten Gesetze zu erlassen.

 

Ersatzmann aus Altona

1938 geht Louise Schroeder nach Berlin, taucht als Bürokraft unter. Unterkunft findet sie bei Paul Löbe, dem SPD-Mitglied und späteren Präsidenten des Kuratoriums „Unteilbares Deutschland", in der Uhlandstraße 123.
Am 17. Juni 1945 ist sie bei der Gründungsversammlung der Sozialdemokraten im Deutschen Hof in der Luckauer Straße, Kreuzberg, sofort zur Stelle. In der Parteizentrale in der Behrenstraße ist Louise Schroeder für den Wiederaufbau ihrer Partei unverzichtbar und – seit 1946 im Westen der Stadt – für den Erhalt der Freiheit Berlins.

Kurz nach ihrer Wahl zur amtierenden Oberbürgermeisterin Berlins 1947 erkrankt die Politikerin. Im Januar 1951 scheidet sie aus dem Amt. Der erste West-Berliner Senat wird mit Ernst Reuter als Regierendem Bürgermeister gebildet.

Zwei Monate vor ihrem Tod erhält Louise Schroeder als erste Frau die Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin. Am 4. Juni 1957 stirbt sie in ihrer Wohnung Boelckestraße 121, Tempelhof. Ihre Ruhestätte ist das Grab der Eltern, Hamburg-Ottensen.

 

Gerhild H. M. Komander

 

Nachtrag:

Am 12. November 2006 schrieb Jörg Niendorf in der Beilage zur „Berliner Morgenpost" - „Berliner Illustrierte Zeitung" - einen Artikel über Louise Schroeders Grab in Hamburg: „Da wollte sie hin. Berliner Merkwürdigkeiten: Warum die Hauptstadt in Hamburg ein Grab bezahlt". Das Photo aus dem Artikel von Bertold Fabricius wird auf der Website leider nicht veröffentlicht.

 

Dieser Text erschien zuerst im "Berliner Lindenblatt", 2006.

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Schiller Philosophie

Frauen in Berlin

1. Januar 1950 Die Schauspielerin Gertrud Eysoldt stirbt in Ohlstadt b. Murnau.
1. Januar 2010 Freya Gräfin von Moltke, Widerstandskämpferin, Schriftstellerin, Juristin, stirbt in Norwich, Vermont, USA.
2. Januar 1850 Elisabeth Gnauck-Kühne, Erzieherin, Schriftstellerin, Sozialpolitikerin, kommt in Vechede zur Welt.
6. Januar 1870 Die Gewerkschafterin Paula Thiede kommt in Berlin zur Welt.
7. Januar 1890 Augusta Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach Königin von Preußen und Deutsche Kaiserin stirbt in Berlin.
7. Januar 1890 Henny Porten, Schauspielerin, wird in Magdeburg geboren.
8. Januar 1840 Elise von Delbrück, Kunstfreundin und -förderin, kommt in Berlin zur Welt.
11. Januar 1860 Zarin Alexandra Feodorowna, geborene Prinzessin Charlotte von Preußen, stirbt in St. Petersburg.
13. Januar 1780 Luise Amalie Herzogin von Braunschweig-Bevern Prinzessin von Preußen, Königinmutter, stirbt in Berlin.
15. Januar 1900 Ella Auerbach, erste Berliner Rechtsanwältin mit Zulassung am Kammergericht, kommt in Frankfurt/Main zur Welt.
17. Januar 1860 Marie von Bunsen, Schriftstellerin und Malerin, wird in London geboren. (16.1.)
18. Januar 1870 Die Theaterleiterin Julie Gräbert, genannt Mutter Gräbert, stirbt in Berlin.
23. Januar 1980 Die Bühnen- und Film-Schauspielerin Lil Dagover stirbt in München.
28. Januar 1910 Tatjana Sais, Schauspielerin und Kabarettistin, wird in Frankfurt a. M. geboren.
29. Januar 1970 Käthe Kühl, geborene Nehrhaupt, Kabarettistin und Schauspielerin, stirbt in Berlin.


5. Februar 1790 Die Schriftstellerin Minna Apranzow wird in Berlin geboren.
11. Februar 1920 Die Malerin und Salonnière Luise Begas-Parmentier stirbt in Berlin.
12. Februar 1850 Die Schriftstellerin Auguste Hauschner kommt in Prag zur Welt.
18. Februar 1840 Elisabeth Christine Ulrike Herzogin von Braunschweig-Wolfenbüttel Prinzessin von Preußen stirbt in Stettin.
19. Februar 1980 Die Sozialarbeiterin Idamarie Solltmann stirbt in Dinklage.
20. Februar 1890 Evelyn Faltis, Komponistin, wird in Trautenau / Böhmen geboren.
22. Februar 2000 Olga Jensch-Jordan, Kunstspringerin und Trainerin, stirbt in Berlin.
23. Februar 1540 Hedwig Markgräfin von Brandenburg, Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg sowie Fürstin von Braunschweig-Wolfenbüttel, Tochter des brandenburgischen Kurfürstenpaares Joachim II. und Hedwig von Polen, kommt im Schloß zu Cölln (Berlin) zur Welt.
23. Februar 1860 Die Schriftstellerin Margarethe von Bülow kommt in Berlin zur Welt.
27. Februar 1860 Die Schauspielerin Paula Conrad-Schlenther kommt in Wien zur Welt.
27. Februar 1930 Helga Grebing, Historikerin und Professorin, kommt in Berlin zur Welt.


6. März 1940 Else Lehmann (Lehmann-Kuh), Schauspielerin, stirbt in Prag.
9. März 1980 Die Schauspielerin Olga Tschechowa stirbt in München.
12. März 2010 Hanna-Renate Laurien, Lehrerin und Politikerin, stirbt in Berlin.
13. März 1940 La Jana, geborene Margarethe Henriette Hiebel, Schauspielerin und Tänzerin, stirbt in Berlin.
15. März 1950 Die Schriftstellerin Susanne Kerckhoff stirbt in Berlin.
20. März 1880 Magda Trott, Schriftstellerin und Frauenrechtlerin, kommt in Freystadt (Schlesien, heute Kożuchów, Polen) zur Welt.
21. März 1860 Martha Fontane, Herausgeberin, kommt in Berlin zur Welt.
25. März 1880 Ludmilla Assing, Schriftstellerin, stirbt in Florenz.

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