Gerhild Komander

Frauenthemen

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Stadtführung zum Internationalen Frauentag 2018
Sticken, stricken, weben, nähen in Berlin
Frauen und die Textilbranche
In Zusammenarbeit mit der VHS Reinickendorf
Sonnabend, 3. März 2018, 11 Uhr

Stadtführung Berlin Friedenau
Von Wagner zu Marlene. Das Friedenauer Frauenviertel und der Friedhof an der Stubenrauchstraße
In Zusammenarbeit mit der VHS Tempelhof-Schöneberg
Sonntag, 4. März 2018, 11 Uhr

Stadtführung zum Internationalen Frauentag
Frauen im Wedding
In Zusammenarbeit mit der VHS Mitte
Donnerstag, 8. März 2018, 14 Uhr

Stadtführung zum Internationalen Frauentag
Frauengeschichte(n) auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof Schöneberg
In Zusammenarbeit mit der VHS Reinickendorf
Sonnabend, 10.3.2018, 11 Uhr

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Louise Schroeder: Die Bürgermeisterin als „Strohmann" im Kalten Krieg

Sie ist die erste Frau, die die EhrenBÜRGERwürde Berlins erhäelt. Warum? Alles ist bloß nur Zufall im Spiel der Mächte um die Macht in der Nachkriegszeit. Denn der „heimliche König" von Berlin, Ernst Reuter,  scheitert am Veto der sowjetischen Militäradministration.

 

Louise Schroeder: Die einzige Frau an der Spitze Berlins

Geboren am 2. April 1887 in Altona (Hamburg)

gestorben am 4. Juni 1957 in Berlin

bestattet auf dem Friedhof Hamburg-Ottensen

 

Der heimliche König von Berlin darf nicht regieren

Berlin, 14. April 1947. Der regierende Oberbürgermeister von Berlin, Otto Ostrowski (SPD), scheint überfordert.

Während der Berliner Magistrat darauf wartet, dass in der Alliierten Kommandantur die Bestätigung für den Rücktritt Ostrowskis fällt, erklärt Franz Neumann (SPD) im Rundfunksender RIAS (Radio im amerikanischen Sektor), die Wahl müsse nun auf einen Mann fallen, „der politische Erfahrung besitzt und genügend charakterliche Festigkeit mitbringt, um mit allem Widerstreit der Gegenwart fertig zu werden."

Ein Mann scheint die Anforderungen perfekt zu erfüllen: Ernst Reuter. Doch der „heimliche König" von Berlin scheitert am Veto der sowjetischen Militäradministration. Louise Schroeder ist die zweite Wahl. Am 8. Mai 1947 übernimmt sie die Funktion der amtierenden Oberbürgermeisterin. Sie ist bis heute die einzige Frau, die an der politischen Spitze Berlins stand.

 

1910 dürfen Frauen in eine politische Partei eintreten

Louise Schroeder kommt am 2. April 1887 in Altona (Hamburg) zur Welt. Der Vater ist Bauarbeiter, die Mutter unterhält einen Gemüseladen in der Völkerstraße. Im Gemüsekeller der Mutter macht das Mädchen ihre Schularbeiten, ein Kinderzimmer gibt es nicht. Sie darf die kaufmännische Gewerbeschule besuchen, nimmt mit 16 Jahren eine Anstellung als Bürokraft in Hamburg an und arbeitet sich zur Chefsekretärin hoch.

Vater und Heimatstadt prägen ihr politisches Bewusstsein – Altona ist eine Hochburg der Sozialdemokratie. 1910 schließt sie sich dem SPD-Ortsverband Altona-Ottensen an. Frauen werden bis dahin nur im „Segment" zugelassen: Sie müssen in einem – wenigstens durch ein Seil – abgetrennten Bereich sitzen. Sie dürfen nicht diskutieren, nicht Beifall klatschen. Der Eintritt in eine politische Partei wird ihnen im Jahre 1910 gestattet.

Louise Schroeder engagiert sich im typisch weiblichen Bereich der Politik, dem sozialen. Am 19. Januar 1919 zieht sie nach den ersten demokratischen Wahlen im Deutschen Reich in die Nationalversammlung ein. Ohne Unterbrechung gehört die Sozialpolitikerin allen Reichstagen der ersten deutschen Republik an.

Am 23. März 1933 zählt sie zu den 93 der 120 sozialdemokratischen Abgeordneten, die gegen das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich" stimmen (Ermächtigungsgesetz). Mit dem Gesetz will Reichskanzler Adolf Hitler die Ermächtigung erlangen, ohne Zustimmung von Reichstag, Reichsrat und Reichspräsidenten Gesetze zu erlassen.

 

Ersatzmann aus Altona

1938 geht Louise Schroeder nach Berlin, taucht als Bürokraft unter. Unterkunft findet sie bei Paul Löbe, dem SPD-Mitglied und späteren Präsidenten des Kuratoriums „Unteilbares Deutschland", in der Uhlandstraße 123.
Am 17. Juni 1945 ist sie bei der Gründungsversammlung der Sozialdemokraten im Deutschen Hof in der Luckauer Straße, Kreuzberg, sofort zur Stelle. In der Parteizentrale in der Behrenstraße ist Louise Schroeder für den Wiederaufbau ihrer Partei unverzichtbar und – seit 1946 im Westen der Stadt – für den Erhalt der Freiheit Berlins.

Kurz nach ihrer Wahl zur amtierenden Oberbürgermeisterin Berlins 1947 erkrankt die Politikerin. Im Januar 1951 scheidet sie aus dem Amt. Der erste West-Berliner Senat wird mit Ernst Reuter als Regierendem Bürgermeister gebildet.

Zwei Monate vor ihrem Tod erhält Louise Schroeder als erste Frau die Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin. Am 4. Juni 1957 stirbt sie in ihrer Wohnung Boelckestraße 121, Tempelhof. Ihre Ruhestätte ist das Grab der Eltern, Hamburg-Ottensen.

 

Gerhild H. M. Komander

 

Nachtrag:

Am 12. November 2006 schrieb Jörg Niendorf in der Beilage zur „Berliner Morgenpost" - „Berliner Illustrierte Zeitung" - einen Artikel über Louise Schroeders Grab in Hamburg: „Da wollte sie hin. Berliner Merkwürdigkeiten: Warum die Hauptstadt in Hamburg ein Grab bezahlt". Das Photo aus dem Artikel von Bertold Fabricius wird auf der Website leider nicht veröffentlicht.

 

Dieser Text erschien zuerst im "Berliner Lindenblatt", 2006.

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Schiller Philosophie

Frauen in Berlin

13. Juli 1798 Zarin Alexandra Feodorowna, geborene Prinzessin Charlotte von Preußen, wird in Charlottenburg, im Schloß geboren.
19. Juli 1968 Die Schauspielerin und Puppenkünstlerin Käthe Kruse stirbt in Murnau am Staffelsee.
26. Juli 1928 Die Schauspielerin Maria Barkany stirbt in Berlin.
27. Juli 1968 Lilian Harvey (Lilian Helen Muriel Pape), Schauspielerin, stirbt in in Juan-les-Pins, Frankreich.
27. Juli 1988 Brigitte Horney, Schauspielerin, stirbt in Hamburg.
29. Juli 1818 Clara Wilhelmine Oenicke, Historien-, Porträt- und Genremalerin, wird in Berlin geboren.

4. August 1808 Die Schriftstellerin Luise Johanna Leopoldine von Blumenthal, geb. von Platen stirbt in Berlin.
7. August 1928 Die Schauspielerin Helen Vita kommt in Hohenschwangau zur Welt.
9. August 1938 Die Schauspielerin Paula Conrad-Schlenther stirbt in Berlin.
25. August 1868 Die Schauspielerin und Dramatikerin Charlotte Birch-Pfeiffer stirbt in Berlin.
30. August 1948 Alice Salomon, Politikerin und Sozialpädagogin, stirbt in New York.

11. September 1998 Vera Lourrié, Lyrikerin, stirbt in Berlin.
19. September 1848 Margarete Hoenerbach, Malerin, Grafikerin, Medailleurin und Bildhauerin, kommt in Köln-Deutz zur Welt.
23. September 1938 Die Schauspielerin Romy Schneider (Rosemarie Magdalena Albach) kommt in Wien zur Welt.
24. September 1978 Die Chemikerin Ida Eva Noddack stirbt in Bad Neuenahr.
30. September 2008 Die Schriftstellerin Christa Reinig stirbt in München.

 

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