Gerhild Komander

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Stadtführung Berlin 
Boxhagener Platz, Friedrichshain - Stadtführung in einem Szenekiez
In Zusammenarbeit mit der VHS Reinickendorf
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Montag, 26.2.18., 18 Uhr

Maerchenbr 150

 

| Nr. 6, Februar 2007 |

Berliner Biedermeier im Stadtmuseum

Wie sich bürgerliches Selbstverständnis in Zeiten politischen Stillstands fortentwickelte

von GERHILD H. M. KOMANDER

Als sie zur Welt kam, hatte die Jungfernbrücke über den Cöllnischen Stadtgraben eben ihre neue Gestalt erhalten. Im nächsten Jahr gelang Franz Carl Achard auf seinem Gut Kaulsdorf die Herstellung von Zucker aus der Runkelrübe und Napoléon Bonaparte der Putsch gegen die französische Revolutionsregierung. Johann Caspar Hummel richtete in der Kirchhofstraße, die heute Ziegelstraße heißt, die erste Maschinenbauanstalt Berlins ein.

Henriette Knoblauch, geborene Keibel

{mosimage}Henriette Keibel, Tochter aus gutbürgerlicher Familie, erlebte als Kind nicht nur die Jahrhundertwende, sondern auch eine Zeitenwende. Die kurze Zeitspanne ihres Lebens, von 1798 bis 1821, umfasst politisch den Aufstieg des Korsen zum Kaiser der Franzosen, den Untergang Preußens in den Napoleonischen Kriegen, eine kurze Blüte der Reformen nach dem Sieg über Napoleon und den Beginn der Reaktion, jener Zeit, die die hoffnungsvollen Reformen fast zunichte machte.

Am 10. Januar 1818 heiratete Henriette Keibel den jungen Kaufmann Carl Knoblauch (1793-1859), dessen Familie wie die Familie Keibel in der Textilbranche einigen Wohlstand erwirtschaftet hat. Sie kannten sich seit frühester Kindheit, waren Cousin und Cousine. Persönliche Zuneigung führte zur Eheschließung und unterstützte die Zusammenführung beider Firmen in wirtschaftlich sehr schwierigen Zeiten.

Der Anhänglichkeit Carl Knoblauchs an die Frühverstorbene und der Großzügigkeit der heutigen Familienmitglieder ist es zu verdanken, dass das Stadtmuseum im Knoblauchhaus eine geschlossene Raumausstattung weiblichen häuslichen Lebens in der Ausstellung zeigen kann.

Ein Haus, als wäre die Familie eben aus der Tür heraus

Die Ausstellung erhält ihren ganz eigenen Reiz durch die Authentizität des Ortes. Kein zweites Haus im Berliner Altstadtkern hat die Zeitläufte wie das Knoblauchhaus fast unbeschadet überstanden. Kaum eine Familie hat so viele Dinge des alltäglichen Lebens bewahrt wie die Familie Knoblauch-Keibel. Die pastellfarbene Fassung von Wänden und Türen, das Mahagoni- und Seidenplüsch-Mobiliar, die Dekorationsstücke aus Eisenguss, Porzellan und Gemälde sowie Arbeitsmaterialien der Hausfrau und der Seidenkaufleute, Erinnerungsstücke der Familie befinden sich am Ort des Familien- und Arbeitslebens – fast als hätte die Familie eben das Haus zum Kirchgang verlassen.

Sekretär, Nähtisch, Sofa, Musikinstrument, runder Tisch: Das sind die charakteristischen Wohnmöbel des Biedermeiers. In der Bibliothek, die das Wirken Carl Knoblauchs abbildet, spiegeln die Ausstattungsstücke die Tätigkeiten als Seidenhändler, Stadtrat und Abgeordneter der Preußischen Nationalversammlung, Kuratoriumsmitglied der städtischen Gewerbeschule und Schatzmeister des Vereins der Kunstfreunde.

Der Bücherschrank enthält die Werke William Shakespeares, Pierre Corneilles, Alexandre Dumas' und Johann Joachim Winckelmanns. Auch Cervantes „Don Quichote" fehlt nicht. Die Bände „Hermite en Provence" und „Reise des jüngeren Anacharsis durch Griechenland" weisen darauf hin, dass die Familienmitglieder mehrsprachig gebildet und in großem Maße an Kultur interessiert waren.

Die Architekten Knoblauch

Der Architekt Stadtverordnete Eduard Knoblauch, Bruder des Kaufmanns, begegnet den Gästen des Hauses im Erkerzimmer des Obergeschosses. Sein bekanntestes Bauwerk ist die neue Synagoge in der Spandauer Vorstadt. Die Ausstellung zeigt Entwürfe und Pläne seiner Hand: Wohnhaus Kühn in der Kreuzberger Oranienstraße, Villa Volckart in der Tiergartenstraße und Krollsches Etablissement – besser bekannt als Krolloper. Eduard Knoblauch gilt als einer der führenden Privatarchitekten Berlins. Eine ausführliche Monographie zu seinem Werk gibt es nicht.

Gustav Knoblauch führte das Architekturbüro des Vaters fort. Von seinem Werk hat sich in der Luisenstadt die Luisenstädtische Bank am Schultze-Delitzsch-Platz erhalten. Gustav Knoblauch, der ebenfalls als Privatarchitekt tätig war, beteiligte sich erfolgreich als Bauunternehmer und Bodenspekulant in Kreuzberg.

Voller Stolz bewahrte die Familie die Urkunden der Väter. Die Bestellung zum unbesoldeten Stadtverordneten, die Aufnahme in die Akademie der Künste. Sie sind auch Zeugnisse der politischen Ohnmacht, die das Bürgertum durch den wirtschaftlichen Erfolg teilweise kompensierte.

Stadtmuseum Berlin

Knoblauchhaus, Poststraße 23, Mitte
Telefon: 240 02 - 162
Öffnungszeiten: Di. und Do. bis So. 10.00 bis 18.00 Uhr. Mi. 12.00 bis 20.00 Uhr
Eintritt frei. Es wird um eine Spende wird gebeten.

Leseempfehlung:

{mosimage}Jan Mende: Berliner Leben im Biedermeier. Knoblauchhaus, herausgegeben vom Stadtmuseum Berlin, Berlin 2007

Annette Bossmann und Andreas Teltow: Drei Berliner Architekten in Berlin. Eduard Knoblauch 1801-1865. Gustav Knoblauch 1833-1916. Arnold Knoblauch 1879-1963, Berlin 1993

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- © gerhild komander 2/07 -

Berlin im Blick

Berliner Geschichte

1278 Das St. Georgs-Hospital wird erstmals urkundlich namentlich erwähnt.
1288 Erste urkundliche Erwähnung von Lichtenberg, Lichterfelde und Rosenfelde (Friedrichsfelde)

1308 3. März Die Doppelstadt Berlin-Cölln schließt ein Schutzbündnis mit anderen märkischen Städten.
Erste urkundliche Erwähnung von Heiligensee
1348 Die Pest fordert auch in der Mark und in Berlin-Cölln viele Tote. Die Juden werden als Urheber beschuldigt und verfolgt.
Der "falsche Woldemar" trifft in Berlin ein. König Karl IV. anerkennt ihn als letzten Askanier, um ihn als Verbündeten gegen die Wittelsbacher einzusetzen.
Ein Stadtbrand richtet großen Schaden an.
1358 Erste urkundliche Erwähnung von Stralau
1378 Sigismund, zweiter Sohn Karls IV., wird Mitregent in der Mark.
Am 29. November stirbt Karl IV.
1388 Markgraf Sigismund wird König von Ungarn und verpfändet die Mark Brandenburg an seinen Vetter Jobst von Mähren.

1448 Die Bürger von Berlin und Cölln erheben sich im Berliner Unwillen gegen den Landesherren.
19. Juni Berlin und Cölln unterwerfen sich dem Kurfürsten.
Zunftprivilegien darf zukünftig nur der Landesherr gewähren.
1458 28. April Auf dem Neuen Markt wird Matthäus Hagen nach einem Inqisitionsprozess als Anhänger der hussitisch-taboristischen Lehre hingerichtet.
1488 Der Kurfürst erhebt die „Bierziese".
10. September Johann Zehender erhält das städtische Privileg für zwei Apotheken in Berlin.

1518 Die kurfürstliche Städte- und Polizeiordnung legt einheitliche Maße und Gewichte fest.
1528 25. März Kurfürstin Elisabeth flieht nach Wittenberg.
1538 bis 1540 Caspar Theyss erbaut das Renaissanceschloß zu Cölln.
1558 In Köpenick entsteht das Renaissanceschloss.
Das Gutshaus Tegel wird urkundlich erwähnt.
1568 Erste urkundliche Erwähnung von Treptow
1578 Rochus Guerini Graf zu Lynar kommt nach Berlin, erweitert das Schloss und baut die Spandauer Zitadelle aus.
Am Spandauer Mühlentor lässt er eine Pulvermühle errichten.
1598 Joachim Friedrich wird Kurfürst.

1608 Johann Sigismund wird Kurfürst.
1618 Der Dreißigjährige Krieg beginnt.
In Cölln wird eine reformierte Domschule für Knaben gegründet.
1628 Markgraf Sigismund fordert von der Bürgerschaft 140 000 Taler Kontribution zum Unterhalt der kaiserlichen Truppen.
Wallenstein nimmt Quartier in Berlin-Cölln.
Der Kurfürst erlässt ein Verbot für Zeitungen.
Matthias Czwiczek wird brandenburgischer Hofmaler.
Die Pocken breiten sich in Berlin-Cölln aus.
1638 Kurfürst Georg Wilhelm übergibt Adam Graf Schwarzenberg die Statthalterschaft.
1648 Die Pocken breiten sich in Berlin-Cölln aus.
Zu Münster und Osnabrück wird der Westfälische Frieden geschlossen.
1658 Berlin-Cölln wird Garnisonstadt: Der Kurfürst läßt in 508 Bürgerhäusern 1 500 Militärangehörige mit ihren 400 Frauen und 500 Kindern sowie Dienstpersonal einquartieren.
Der Bau der Festungsanlagen beginnt unter der Leitung von Johann Gregor Memhardt.
Einfuhrverbot für Glaswaren
1668 24. Juni Friedrich Wilhelm heiratet in zweiter Ehe Herzogin Dorothea von Holstein-Glücksburg.
1678 Der Hofjägermeister von Lüderitz legt die Hasenheide an.
Benjamin Raule errichtet durch Umbau des kurfürstlichen Ballhauses Raules Hof auf dem Friedrichswerder.
30. Juli Mit der Grundsteinlegung für die Dorotheenstädtische Kirche wird der erste Kirchenbau in Berlin-Cölln seit dem Mittelalter begonnen.
Adam de Clerck wird kurfürstlicher Hofmaler.
1678 bis 1687 Rutger van Langerfeld und Michel Matthias Smids erbauen die Dorotheenstädtische Kirche.
1688 9. März Der Große Kurfürst stirbt. - Friedrich III. (I.) wird Kurfürst.
14. August Friedrich Wilhelm I. (der Soldatenkönig) wird geboren.
Der Perspektivplan von Berlin-Cölln, gezeichnet von Johann Bernhard Schultz, erscheint.
Samuel von Pufendorf wird kurfürstlicher Historiograph.
Constantin Friedrich Blesendorf, Johann Ulrich Crause und Augustin Oldenburgh fertigen das Kupferstichwerk zum Leichenbegängnis des Kurfürsten Friedrich Wilhelm an.
Johann Arnold Nering beginnt mit der Anlage der Friedrichstadt.
Der Gendarmenmarkt wird angelegt.
Abraham Jansz Begeyn wird kurfürstlicher Vedutenmaler.
1698 Andreas Schlüter beginnt mit Um- und Neubau des Residenz-schlosses.
Der Marinemaler und Schiffsbaumeister Michiel Maddersteeg wird an Hof berufen.

1708 27. November Friedrich I. und seine dritte Gemahlin Sophie Luise von Mecklenburg-Schwerin ziehen in Berlin ein.
1718 Die Berliner Hausbesitzer gründen die Versicherungsgesellschaft der Feuersozietät Berlin.
Der von Johann Sigismund Elsholtz 1679 angelegte Hof- und Küchengarten bei Schöneberg (Kleistpark) erhält die Bezeichnung Botanischer Garten.
Friedrich Wilhelm I. besucht erstmals die Synagoge.
1728 Der Prozeß gegen Dorothea Steffin ist der letzte Hexenprozeß in Berlin.
1738 Friedrich Wilhelm I. schenkt das Neue Lusthaus der Berliner Kaufmannschaft zur Einrichtung ihrer Börse.
1748 15. November Das Invalidenhaus wird eingeweiht.
Gotthold Ephraim Lessing kommt zum ersten Mal nach Berlin.
Der Invalidenfriedhof wird angelegt.
Johann Julius Hecker gründet ein Lehrerseminar.
Friedrich II. verfügt die Verhaftung von Bettlern und deren Überstellung ins Zuchthaus oder zur Arbeit im Ochsenkopf.
Die Künstler Blaise Nicolas Lesueur und Charles Amédée Philippe Vanloo werden nach Berlin berufen.
Der Arzt und Philosoph Julien Offray de La Mettrie wird an den königlichen Hof berufen.
1748 bis 1766 Jan Boumann erbaut das Palais Prinz Heinrich (Humboldt-Universität).
1768 21. März Das Lustspiel „Minna von Barnhelm" von Gotthold Ephraim Lessing wird in der Behrenstraße uraufgeführt.
1778 Gründung der Jüdischen Freischule
Johann Wolfgang von Goethe besucht Berlin und Potsdam.
1788 Der König erläßt das Religionsedikt und eine Zensurverordnung.
Martin Heinrich Klaproth entdeckt die Zirkonerde und das Uranium.
Die Berliner Gymnasien führen mündliche und schriftliche Prüfungen zur Erlangung der Hochschulbefähigung ein.
27. September Erster Ballonaufstieg Francois Blanchards vor dem Brandenburger Tor.
1788 bis 1791 Carl Gotthard Langhans erbaut das Brandenburger Tor.
1798 Die Jungfernbrücke entsteht in ihrer heutigen Gestalt.
1798 bis 1802 Heinrich Gentz erbaut die Münze am Werderschen Markt.

1808 19. November Die wahlberechtigten Bürger Berlins wählen aufgrund der preußischen Städte die ersten Berliner Abgeordneten.
1818 Die Berliner Sparkasse wird gegründet.
1828 Die Berliner Universität erhält den Namen Friedrich-Wilhelm-Universität.
1838 Der Volkspark Hasenheide wird nach Plan von Peter Joseph Lenné begonnen.
1848 6. März Beginn der Revolution in Berlin
18. März Barriakdenkämpfe in Berlin
19. März Aufbahrung der "Märzgefallenen"
1868 Berliner Asylverein für Obdachlose gegründet
1878 Hofprediger Adolf Stoecker gründet die Christlich-Sociale Arbeiterpartei.
1888 Dreikaiserjahr: Tod Wilhelms I. und Friedrichs I.
Gründung der Urania
Gustav Krocisius gründet die Spree-Havel-Dampfschiffahrtsgesellschaft Stern.
11. September Das Lessing-Theater am Schiffbauerdamm öffnet.
1898 5. Februar Gründung der Künstlervereinigung Berliner Secession
1. April Die Gemeinde Schöneberg wird Stadt.

1908 28. Januar Eröffnung des Hebbel-Theaters
17. Mai Friedrich ARchenhold legt den Grundstein für die Sternwarte für die Volkssternwarte.
10. Juni Eröffnug des Märkischen Provinzialmuseums
1918 Ende des Ersten Weltkriegs
1928 Gründung der BVG
1948 Berliner Luftbrücke
1968 Studentenunruhen

 

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